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Der israelitische Lehrer · 1861-10-01 · 11 (1.10.1861) · p. Seite 88

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
11 (1.10.1861)
Date
1861-10-01
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 Gemeinde erbauen ließ und schenkte, gefeiert. Die hiesige Zeitung berichtet hierüber Folgendes: »Nachdem der Vorstand» die Repräsentanten und die Mitglieder der Gemeinde sich um 3'/, Uhr Nachmittags nach der bisherigen Synagoge begeben hatten, um daselbst Gebete;u verrichten und die geschmückten Thorarollen auszuheben, welche durch den Rabbiner an die Aeltesten der Gemeinde übergeben wurden, erfolgte um 4 Uhr die Oeffnung der neuen Synagoge für die eingeladenen Ehrengäste, als welche sich die Spitzen der königlichen und städtischen. Behörden und zahlreiche Personen des HonoratiorenstandeS von Köln eingefunden batten. Gleichzeitig fetzte sich der Festzug der Gemeinde, von der.seitherigen Synagoge ausgehend, von der St. Alpernstraße durch die Breitstraße, Columbastraße und Glockengüsse nach der neuen Synagoge in Pewctzung. Der Zug, sehr schön ausgestattet mit Fahnen und Musik, erreichte sein Ziel in musterhafter Ordnung und, machte auf die Tausende von Zuschauern, welche alle vorgenannten Straßen füllten,^ den würdigsten Eindruck. In die Synagoge eingetreten, wo sich außer den Ehrengäston auch die weiblichen Angehörigen rer Gemeinde schon vorher versammelt- und in ihre Logen begeben hatten» erfolgte'zuerst mit wenigen herzlichen Worten die llebergabe der Schlüssel an den Gemeindevorstand durch den Herrn Commercienrath Simon Oppenheim, den Bruder des Geschenkgebers, im Namen und im Auftrag dieses Letzteren. Nachdem die Entgegennahme der Schlüssel stattgefundeu, nahm ein Mitglied des Vorstandes, Herr to Jonge, im Namen des Letzteren das Wort, zunächst zur Begrüßung der Ehrengäste, deren zahlreiches Erscheinen dankbar anerkannt und als ein erfreulicher Beweis der Anerkennung, welche der großmüthigen Schenkung des Herrn Abraham Oppenheim gebühre, betrachtet wurde. Der'Redner gab dann einige geschichtliche Erläuterungen und rühmte die hochherzigen Gesinnungen des Geschenkgebe'rs, dev sich den immerwährenden Dank der Gemeinde erworben und gesicheN habe und der zum größten 'Bedauern.' aber aus sehr naheliegenden Gründen, bei der heutigen Feier nicht zugegen sei'. Nachdem hierauf die vom 15. August V. I. datirte Schenkungs-Urkunde verlesen worden, zollte der Redner auch warmen Tank dem Geh. Regierungs- und Baurath Zwirner, der durch Jeitie Erkrankung ebenfalls, zum Leidwesen der ganzen Gemeinde, abgehalten sei, der Feier beizuwohnen, .sodann «auch dem Architekten Meter für dessen thätige und höchst sorgfältige Leitung deS Baues. Auch den bei demselben lhätig gewesenen Bauarbeitern ward Dans gesagt. . Hierauf nahm rer gottesdienstliche Theil der Einweihung seinen Anfang. Ter heilige Dienst, so wie die Fcstprerigt wurde von dem Rabbiner der Gemeinde, Herrn vr. Schwarz, abgehalten, und zwar in der würdigsten Weise. Die Gebete und Gesänge, letztere ausgeführt von einem gemischten Chor mit Orchesterbegleitung, trugen in jeder Beziehung das Gepräge einer ernsten, zur Andacht stimmenden Feierlichkeit, zumal in den Momenten, als der Rabbiner die heilige Lade öffnete und dann, nachdem die sieben Umzüge der Träger der Thoras um den Almemar und das Weihegebet geschehen waren, die Thoras in die Bundeslade gebracht wurden. Die fromme Feier schloß um 8 Uhr Abends mit Absingung des 150sten Psalms. Sie wird in den Jahrbüchern der hiesigen israelitischen Gemeinde eine glänzende Stelle einnehmen und deren dankbares Gedenken an den edlen Geschenkgeber auf späte Geschlechter bringen. « Warschau, 7. Sept. Gestern Nachmittag — am ersten Tag des Neujahrsestes — kam aus dem Judenviertel ein Schwarm jüdischer 10 — 15 jähr. Gassenbuben und durchzog die Hauptstraßen der Statt, um bei ihren GlaubenSgenosien. die trotz des Neujahrfestes ihre Läden offen hielten, die Fenster einzuschlagen. Zuerst erschienen sie in der zunächst des Judenviertels gekegenen Methstraße, wo sie in einem Tabaksladen eine Spiegelscheibe einschlugen, und von dort zogen sie weiter in die Krakauer Vorstadt. Sie brachten allen jüdischen Kaufleute» Katzenmusiken, und da keine Hülfe von Seiten der Regierung erschienen war, so wurden die Bedrohten zuletzt gezwungen, ihre Läden zu schließen. Ob-" gleich rer. Crawall volle drei Stunden gedauert bat, geschah von Seiten der Behörden nicht der geringste Versuch, den Scandal zu verhindern oder das Gesindel zum Auseinandcrgehen zu bewegen. Heute, Sonnabend, haben sich dieselben Scene» wiederholt, und zwar in derselben Reihenfolge wie gestern, nur in größerem Maßstabe. Aber auch im Judenviertel, in der Nalewkistraße, tobte die fanatisirte Menge. Der Oberpclizeimeister Rozwadowski erschien zwar dort mit einigen Polizisten, doch erst nachdem bereits die Fenster bei einem jüdischen.Hausbesitzer und Fabrikanten eingeschlagen waren. Es versteht sich von selbst, daß aucb christliche Gassenjungen sich ihren College» zugesellt haben. Für den heutigen Abend sind noch fernere Excesse zu befürchten. (F. I.) Belgrad, 8. Aug. Ein Mortarafall in der griechischkatholischen Kirche. Seit einigen Tagen macht hier die Bekehrung eines jüdischen, zwölf Jahre alten Mädchens zur griechisch-orthodoxen Kirche viel von sich reden. Der Fall erinnert an die berüchtigte Mortara-Geschichte. Das genannte Kind verschwand nämlich seinen Eltern, und als diese durch die Polizeibehörden Nachforschungen - anstellen lassen wollten, erfuhren sie, daß ihr Kind nicht verloren sei, sondern bei einem Geistlichen (Popen) sich befinde, weil eS den Wunsch geäußert babe, zur christlichen Religion überzutreten. Reklamationen der gesummten hiesigen isr. Gemeinde beim Erzbischof um Ausfolgung deS Kindes blieben ohne Erfolg und selbst die vom Fürsten Michael zu Gunsten der isr. Gemeinde ergangenen Befehle waren fruchtlos, weil das Kind inzwischen veranlaßt worden war, das christl.-Glaubensbekenntniß abzulegen. (F-3-) Verantwortlicher Retacteur: I. lin jtutttin in Ldrrnticinf (Rheinhesstn). — Druck und Verlag ron Chr. Friedr. Will in Darmstadt.

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