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Der israelitische Lehrer · 1861-09-01 · 9 (1.9.1861) · p. Seite 71

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Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
9 (1.9.1861)
Date
1861-09-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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71- — Berlin, 17. Juli; Heute feierte die Israel. Religionsgemeinde zu Berlin das Richtfest ihrer neuen großartigen Synagoge, die wohl über eine halbe Million Thaler kosten!wird. Stuttgart, 26. Juli. Bei Beginn der heutigen Sitzung in unserem Abgeordnetenhause erinnerte der Abg. Hölder daran, daß die Regierung im März d. I. der Kammer einen Gesetzesentwurf übergeben habe, welcher die Gleichstellung der verschiedenen Confessionen in staatsbürgerlicher Hinsicht zum Zwecke hatte. Derselbe sei der staakSrecbtlicken Commission zur Berichterstattung' übergeben worden. Ein ' Bericht sei bis jetzt nicht vorgelegt. Er fragte daher bei der Commission an. wie es sich damit verhalte? — v. Camerer (als Verstand der staatsrechtlichen Commission) : in dem Gesetzentwurf sei ausdrücklich gesagt, daß er eine Folge deS Vertrags über die Regelung der katholisch-kirchlichen Verhältnisse mit Rom sei;' nachdem nun dieser Vertrag durch die Kammer gefallen sei, habe sich in der Commission die Ansicht geltend gemacht, daß auch dieser Gesetzentwurf zurückzulegen sei, bis die nun zu erwartenden Gesetzesentwürfe der Regierung über dir Regelung der katholisch-kirchlichen Verhältnisse eingelangt seien, wo man sie mit diesen im Zusammenhänge bcrathen wolle. UeberdieS liege es im Interesse der dabei Bctheiligten, daß eS so gehalten werde, denn u^n könne eS den Katholiken doch nicht verübeln, wenn ihre, Angelegenheiten vorher geregelt werden, ehe sie der Aufhebung der Schranken anderer Kirchen, als r>er israelitischen, ihre Zustimmung geben und daß sie Alles ausbielen. um zud Regelung ihrer Angelegenheiten zu gelange». Diese Acußcrung erregte einen große» Sturm darüber, daß man die Gleichstellung der Deutscblatholiken, der Juden u. s. w. zum Hebel der Regelung der katholisch-kirchlichen Verhältnisse gebrauchen, und den Anderen ihre Rechte so lange vorenthalten wolle, waS doch gar nickt in unmittelbarem Zusammenhänge stehe. Holder stellt endlich den Antrag, „die staatsrechtliche Commission um baldigen Bericht über "den fraglichen Gesetzentwurf zu ersuchen," der auch angenommen wurde. Dresden, 26. Juli. Die zweite Kammer lehnte bei der Debatte über das Civilgesetz den Antrag ab. der die Aufhebung des Verbots der Ehe zwischen Christen und Juden bezweckte. Einstimmige Annahme fand aber der Antrag, die Aufhebung des Verbots betreffend, daß Juden die Vormundschaft über Christen haben können,- welchem auch die Regierung durch Minister von Behr ihre Zustimmung gab. Wiesbaden, 8. August. Ein Beschluß der 2. Kammer lautet: „An die herzogl. Regierung das Ersuchen zu stellen: die nöthige Einleitung zu treffen, um das Verhältniß zwischen der Staatsgewalt einerseits und der katholischen und - evangelischen' Kirche. sowie den übrigen Religionsgesellschaften andererseits auf dem Wege der mit den Ständen zu berathenden LändeSgesetzgebung im Sinne vollständiger Glaubens - und Gewissensfreiheit definitiv zu ordnen." - Prag, 1. August. Uns »re Stadt war gestern Abend der Schauplatz eiüeö Juden!rnwalls. Eine Prügelei im Ghetto, die in Folge der Vnhöhnung eines Trödlers von Seiten eines Hausknecht« cntstard und bei welcher letzterer übel zugerichtet wurde,, bot de Veranlassung'zu einem Auflaufe gegen da« ^Judeiivierte. Man halle nämlich sofort das Gerücht ausgesprengt, in dem Ghetto sn ein Christ von einem Juden erschlagen worden; das sich llitzschnell mit allen erdenklichen Vergrößerungen verbreitete, j Damit war das Signal zum Aufbruch der au der Arbeit hsimkehrenden Proletarier nach der! Judcnstadt ge; ebell. Dichte Haufen stlömten nach dem Judeuviertel, dirc)zoj>en lärmend die Straßen, wobei ras neue schmutzige B >lk» lieh „Pinkel husi” gesungen wurde, warfen die Scheiben ein und versuchten Läden und Vorthore zu zertrümmern, s, l aß. die Zugänge zu der Judenstadt durch dse Polizeiwächtrraimschaft übgesperrt werden mußten. Auch Auf dem Alt'täbter Ringe I hatten sich dichte Volksmassen angiesammelt, i nd da bei. erbrechender Rächt die Polizei nicht Herr der Situition werken konnte, so sah man sich veranlaßt, Militär ze requiriren: Auch auf dem Altstäcter Ringe, wurden mcbrcce Compagsiien Jäger postirt und starke Patroüilleik versuchten die Räumung der Straßen, die jedoch erst gelang, nachdem der! Hausen mit. rem Bayounet gesprengt und Miene xerracht »vordem war, von rer Schießwaffe Gehrauch zu mc'chu. ES kamen einige leichte Verwundungen vor-, und w irim - einige Verhaftungen vorgenommen. Während der Reicht war das Militär, auch eine Abtheilung Husaren, h jdi Kasernen consignirt und starke Patrouille)» durchstreijtci die Stadt. Heute Morgen durchzogen wieder einige Ho uf n die Judenstadt, ließen eö aber bei dem Versuche, einen erneuerten Scandal herbeizuführen, bewenden. Währen: :er Mittagstunde wiederholten sich die gestrigen Auftritte bei einein Zugänge zum Judenviertel, wobei die Polizeiwache mit Steinen beworfen wurde und von dem Säbel GebraM machen mußte,-dvch wurde nach Vornahme einiger Vepbaitungen die! Muhe bald wieder hergestelll. Für de» heutig m Abend sind, weil man eine Wiederholung der gestrigen S cenen befürchtet, ernste Vorsichtsmaßregeln getroffen werde». Heute eine Kundmachung unsers Pol zeidipectorS Ullmaizn, der gestern eine Probe seines bewäirtcn TacteS abgelegt,' an die Straßenecken geheftet, in wilder bekannt der gestern vermeintlich arg beschädigte gegeben wird, daß Arbeiter sich vollkommen gesund in seiner Vomung befinde und seinen Geschäften wieder nachgehen könne. (D. A. Z.) Prag, 2. August. Di« Prager Zeitung berichtet: Die bedauerlichen Scenen, reiche am 31. in der Josephstadt vorfielen, haben sich en 1. August leider in noch er-

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