Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Lehrer · 1861-08-15 · 8 (15.8.1861) · p. Seite 64

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Lehrer
Volume
1 (1861)
Issue
8 (15.8.1861)
Date
1861-08-15
Page
Seite 64 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4896751-5428754-5431960--0115-4896832
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

allerdings dankenswerten Notizen über die Einrichtung von Sonntags- und Sabbathschulen ^die erste Sabbathjchule wurde nach Aussage des BerfafferS im Jahre. 1567 zu Kemmerichs in den Niederlanden gegründet) . führt es uns bloS in die Verfassung jener Anstalt ein. Lassen wir den Hr. Verfasser selbst reden: — ^Hier will ich mich bloß auf einen Theil der armen Klaffe beschränken, nämlich auf den Handwerks? und HandlungjSlehrling *), der während seines Aufenthalts bei seinem Meister oder Kaufmann selten oder nie lesen und schreiben lernt und bis zu seinem Eintritt in die Lehre selten oder nie eine Elementarschule besucht, und wenn .er sie auch besuch^ hätte, so war es allenfalls nur eine solche jüdische Elementarschule (Cheder), wo man kaum das Hebräische lesen und schreiben lernt. Auch ist-? hier zu bemerken, daßdie meisten dieser Knaben keine Eltern haben und aus diesem Grunde von Niemanden angehalten werden die Schule zu besuchen; ein anderer Theil derselben wird schon vom frühesten Alter an von ihren Eltern oder Vormündern zu einem Handwerker öder Kaufmann in die Lehre gegeben, ohne alle nöthigen Lorkenntnisse." , ' ' (Dibseö gewährt uns keinen erfreulichen Einblick in eie Bildungsverhältnisse des dortigen Landes, was das Verdienst des Heren L)r. G. um so mehr steigert.) Weiler heißt eS: ' ' -, ' % , ■ „Um den Kindern dieser Klasse die Möglichkeit zu verschaffen, das Lesen und Schreibcu zu erlernen, entschloß ich mich, mit Genehmigung derhohen UnterrichtSbehörtc, mit dem Antritte des Jahres 1859 eine'„Sabbathschule" zu eröffnen, in welcher jüdische Knaben ohne Unterschieb ihres Handwerkes, Religicnslehre, Russisch, Deutsch, Lesen, Schreiben und Rechnen unentgeltlich leimen Und zugleich die dazu nöthigcn Lehrbücher unentgeltlich erhalten, sollen. ' Die Unterrichtszeit ward auf^Sonnabenr von 3 — 4' «. Uhr 'Nachmittags i»C; Dienstags imc Donnerstags von 6 — 7'« Abends festgesetzt. Des Sonnabends sollen die Schüler nur in der Religion und Donnerstags Zn ' den --andern Gegenständen unterrichtet werden." Der Verfasser führt später speziell noch an: Bibel und Gebete mit deutscher Uebersetzyng. biblische Geschichte und ReligicnÄehre. „Zur Bestreitung der Ausgaben dieser Schule spendeten laut Rechnungsausweis (ist dem Büchlein einverleibt) mehre der geachtetsten Mitglieder der hiesigen jüdischen Genieinde, die jedes Unternehmen, das zur Wohlfahrt.der bürgerlichen Gesellschaft mit beitragen kann, stets uziterstützen, die Summe •) Mit Bezug auf die dortigen Zustände. . Anm. d. Rd. von 198 R, 60 K., von welcher im Laufe von zwei Jahren 170 R. 10 K. zur Anschaffung von Lehrmaterialien, zur Beleuchtung und zu sonstigen nothwendigen Einrichtungen verwendet worden sind." „Während der abgelaufenen zwei Jahre haben 314 Schüler am Unterrichte Theil genommen." Es ist dies ei» schönes Unternehmen des Herrw I)r. Goldenblum (Redacteur der hebr.-deutschen Zeitschrift „Hamelitz"). Möge es immer mehr Anerkennung finden, und der edle Stifter im Fortschritte nicht ermüden. A. T. 1) Die Feier der Grundsteinlegung des jüdischen Waisenhauses zu Paderborn, für die Provinzen Rheinland und Westphalen. Gedruckt, auf Kosten und zu Gunsten des Waisenhauses. 2) Rede auf den Tod Sr. Majestät Friedrich Wilheliti IV. Königs von Preußen, gehalten in der Synagoge zu Köln, am 17. Februar 1861 von Dr. Schwarz, Rabbiner. Der Erlös ist dem National-Dank (?) geweiht. ' Wir begegnen hier 2 Schriften zu wohlthätigen Zwecken. In dir. 1 finden wir eine kurze Darstellung der so eindrucksvollen Feier, die Festrede des Herrn Rabbinen Dr. Schwarz, die Urkunde der Gründung, nebst der Chronik des Waisenhauses,.. Toaste und Statuten. Das-Ganze ist ein rühmliches Zeugniß mehr von dem hingebenden Eifer der edlen Gründerin Fanny Nathan, die das erhabenste Lebensziel sich steckte, nicht allein die Mittel zur Erziehung der Waisen zu beschaffen, sondern auch ein Haus zu diesem edlen Zwecke zu erbauen, und sich selbst und. ihr Leben den Waisen, ihrer Erziehung und Bildung zu widmen. Möge sie lange segensreich wirken! In Herrn Dr. Schwarz, von dem bei dieser Gelegenheit die Festrede gehalten wurde, und der auch der Berfaffer der in Nr. 2 genannten Rede ist, begrüßen wir ein bedeutendes Rednertalcnt, das Bündigkeit des Ausdrucks mit edler fast poetischer Sprache vereint; die Nr. 2 insbesondere ist sehr gelungen, die Gedanken sind fließend, die Eintheilung schließt sich dem Verse g«lz naturgemäß an. K. Zu unserem Befremden ist der an der Spitze unseres heutigen Blattes stehende Bericht über die Conferenz des „israel. Lehrervereins für Westphalen und Rheinprovinz" schon vor. acht Tagen in ■ einem anderen Blatts erschienen. Wir erwarten nähere Auskunft, um dann unsere Meinung offen hierüber aussprechen zu können. Jetzt schon bemerken wir, daß wir uns zum Abdruck solcher Artikel, die schön anderwärts in die Oeffentlichkeit gedrungen, nichtMehr gebrauchen' lassen werden. ' . ( Odernheim, den 9. August 1861. Im Ramen der Redaktion I. Klingenstein. Verantwortlicher Redacteur: Z. Klingenstein in Ldernheim (Rheinheffeo). — Truck und Verlag von Chr. Friedr. Will in Darmstadt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.