Der israelitische Lehrer
- Journal
- Der israelitische Lehrer
- Volume
- 1 (1861)
- Issue
- 4 (15.6.1861)
- Date
- 1861-06-15
- Page
- Seite 31 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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I, 31 - I T Feuilleton. Aus Westfale». Wer da glaubt, daß daS RischuS' seinen Auszug feiere, der mag sich in der alten Hauptstadt Westfalen«, die drei Ketzer- und Widertäufeb-Käfige an ihrem höchsten Thurme zum ewigen Andenken ihrer Glauben«- ' treue prangen und rosten läßt, eine« Andern überzeugen. Hier steht die Exklusivität und mit ihr da« RischuS noch auf festem Boden, schwirrt al« Gespenst durch diegeschlosseneu Gesellschaften, durch die Pressen und weht al« giftiger Moderhauch in den Kirchen von der Kanzel herab. Neulich bot eine israelitische Familie auf ein Haus, das auch ein Pastor, erstehen wollte. Die ersteren bot mehr und. ihr blieb das Gebot, worüber der geistliche Herr ob Wr Sittenverderbniß klagte, indem er meinte, daß man um des Geldes halber den Juden nicht hätte vorziehen dürfen. Er machte seinem Aerger auf der Kanzel Luft, uud ermahnte seine Heerde recht eindringlich, das Geld für Einkäufe nicht a>, die Juden zu vertragen. Der hiesige israelitische Borstand beschwerte sich dieserhalb beim Bischof, und siehe der Geistliche kam in einer Art Verbesserung oder Widerruf auf der Kanzel auf den Gegenstand zurück, wie einst Pater Abraiham a Sancta Clara, ats er weidlich auf die wiener Hofdamen geschimpft hatte. — Seit Kurzem zirkukirt eure Broschüre unter dem Handwerkerstande, die ihres Gleichen a» Judenhaß, böswillige Verläumdung wohl schwerlich in neuerer Zeit finde» möchte, -und könnte Herr Brunner apS Wien »och etwas aus ihr lernen. Der Bcrfasscr dieses PäinphletS ist nicht genannt. Da eine Entgegnung und Belcuchlnng dieser Schmähschrift nur da von 'Nutzen sein» könnte, wo auch diese gelesen wird, so ist dieselbe in diesem Blatte ohne Erfolg. also überflüssig. Jndcß ist es doch ein Trost, daß, während solches mittelalterliche, judenfeindliche Gebahrcn unter den Augen des Bischofs von Münster geschehen kann, und der Fanatismus in ssiner ganzen Rücksichtslosigkeit und Rohheit angefacht wird, fs ein Bischof in Baiern ist, der die Juden und ihre Rechte so warm vertritt mit dem Worte: „Was du nicht jvillst, das man dir thu, das füg auch keinem Andern zu." Die Affäre zwischen, dem Vorstand und Lehrer zu Werl (hin und wider besprochen in der Zeitg. d. Judenth.) zeigt unS abermals, .wie wenig Sicherheit die Worte „ohne Bewilligung der Regierung kann nicht gekündigt werden" im Coutrakte den Lehrern gewähren. Scho» viele Lehrer haben i» diesen Worten sich getäuscht gefunden, da die Regierung doch am Ende darauf zurückkommtdaß nicht sie, sondern die Gemeinde den Lehrer bezahlt.. Anders verhält e« sich, wenn die.Schule eine öffentliche ist. Wenn es Lehr^und Vorsteher ernstlich meinen und Hand in Hand gehen, so ist unter den gegebenen Bedingungen, in mancher Gemeinde die Möglichkeit vorhanden, die Sö |i namentlich in den RegierungShe Jedenfalls sollte überall ein München, 7. Mai. T ulen zu öffentlichen zu erheben, zlrken Minden und Arnsberg, versuch gewagt werden. ie von der Kammer der Abgeordneten zum Beschluß erho >ene Emancipation der Juden bezüglich ihrer Ansässigmachm g und ihres Gewerbetriebs hat nun auch die Zustimmung der Kammer der ReichSräthe erhalten. Es macht einen sorderbaren Eindruck diesen einstimmigen Beschluß der hc hen Aristokratie Bayerns gegenüber den Schritten der erster Kammer in Preußen bezüglich der Eidesfrage zu betrachten, wo eine veraltete Unsitte wohl blos auS Antipathie gegen j:den Fortschritt und die Maßnahmen der Regierung und >eS Abgeordnetenhauses aufrecht erhalten wurde. Selbst da! absolute >Seto der Gemeinde bei Ansässigmachüngen der Juden, auf welches Petstionen hinzielten, ward nicht als m t ded Gerechtigkeit vereinbarlich gehalten. Fürst Hohenlohe, als Referent, findet die Emancipation der Juden nicht im Widerspruche mit der modernen Idee vom christlichen Staaji. Graf Giech vertritt die- Eingabe der Münchener Judenf Haft gegen jenes Veto. Ober- Freiherr von Thüngen, Bischof der Erzbischof von Münchenconsistonialrath von Harleß , von Dinkel von Augsburg, Freising von Scher, Alle g:ben dem Beschlüsse der Volkskammer ihre Zustimmung, überwältigend insbesondere Gbist der Zeit, durch'offen! cialcn und politischen Lebe Gerechtigkeit würdig zeige». Es ist ein Zeichen der Zeit, durch die beina'he Einstimmigkeit der günstigen Beschlüsse, in einem Lande, wo man bis vor kurzer Zeit noch einen fo baldigen und glänzenven Sieg der Gerechtigkeit und Humanität nicht erwarten durfte. Möchten unsere bayrische Glaubensgenossen durch wackeres Fortschrciten zum Lichte, tnrch festes Anschlicßen an den und tdeue Betheiligung am sol ihres Vaterlandes sich dieser Stuttgart. Am 3. M J< ai T0 feierten die hiesigen ^Israeliten die Einiücihuiig ihrer prachtvollen neuen Synagoge. So stxht denn.wieder in einer der ersten deutschen Städte ein neuer Tempel da, geweiht dem Emig-Einzigen, ein Zeichen religiöse» Geistes unter den Israeliten, ei» Zeichen auch des ForischrittS iyi Menschcngeiste. Die Feier wurde verherrlicht durch die Anwesenheit der Rabbinen, auS Mainz, Mannheim, Heidelberg i»,t> 4 aus Würtemberg. Anwesend waren ai ch Vertreter aller hohen uitd niederen Behörden, der Ob wstallmeistcr v. Taubenbeim als Vertreter des Hofes, der Staatsminister Frcihkr» v. Nei^ rath, der Minister des J inern Freiherr v. Linden und der neue Departementschef v. Solcher, Ferner waren der Stodldircktor, Stadtschultheiß nid Vertreter der Bezirks- und Gemeindebehörde» , der katho ischen und evangelischen Gemeinde