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Herzl-Bund-Blätter · 1918-12-01 · 40 (Dezember 1918) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1918
Issue
40 (Dezember 1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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635 CÖln. I. Zug des Blau-Weiß. Als Walter Samuel uns Ende Juni besuchte und wir detn Herzl-Bund — wenn auch vorläufig noch in loser Form - angetschlossen wurden, da empfanden wir das als folgerichtigen Abschluß einer halbjährigen zielbewußten Arbeit. Davor war man sich im I. Zug durchaus noch nicht klar darüber, was man eigentlich wollte. Es war eine Zeit, da glaubte man nicht, daß aus diesem Moste, der sich so absurd gebärdete, noch einmal ein Wein werden würde. Viele hatten damals die Schule verlassen und waren ins Geschäft eingetreten. Der Kampf zwischen Ideal und Wirklichkeit begann in einer Schärfe, wie sie am meisten der Blau-Weiße empfinden mag, der in der Großstadt einen kaufmännischen Beruf ergreift. Die Erziehung im Blau-Weiß — allzusehr auf den zukünftigen Akademiker zugeschnitten — hatte nur ungenügendes Rüstzeug zu diesen entscheidenden Kämpfen liefern können. So drohte allen guten Blau-Weiß-ürundsätzen zum Trotz durch die Macht des Geschäftlichen Milieus die „Konfektion", der jüdische Commistyp der Großstadt im I. Zug die Oberhand zu gewinnen. Eine starke Kluft bildete sich zwischen Kaufleuten und Schülern, die sich damals mit Recht als die wahren Träger des Blau-Weiß-Gedankens betrachteten und mit Verachtung auf die „(xMiimis" herabblickten. Ein Führer aber war nur dem Namen nach vorhanden; denn etil K. J. V.er kann einer Gruppe junger Kaufleute, deren Alltag er nicht kennt, naturgemäß kein Mentor sein. So wurden die Heimabende ein Schauplatz fauler Witze und süßen Nichtstuns, die Wanderungen waren schlecht besucht, das Interesse erlahmte immer mehr, und der I. Zug drohte, sich gänzlich aufzulösen. Da erkannte man, daß hier etwas Durchgreifendes geschehen müsse. Die Trennung von Schülern und Kaufleuten wurde beschlossen, erstere in den II. Ziuj gesteckt und dem I. Zug „Selbständigkeit nach innen" gegeben, d. h. er konnte tun und lassen, was erwollte. Diese Maßnahme erwies sich als »ehr zweckmäßig. Auf den nächsten Heimabenden des neugestalteten I. Zuges wurde nach langen, heftigen Debatten beschlossen, das absolutistische Verhältnis des Führeros zum Wanderer in konstitutionelle Vereinsformen mit selbstgewähltem Vorsitzenden und stimmberechtigten Mitgliedern umzuwandeln, ferner über die einzelnen Heimabende l^rotokofle anzufertigen, um uns selbst über die geleistete Arbeit Rechenschaft abzulegen. Das in den ersten Protokollen festgelegte allgemeine Erziehungsprogramm verlangt: Förderung des jüdischen Bewußtseins im Hinblick auf die nationalen Aufgaben der Zukunft, Förderung der aJIgemeinmenschUchen Entwicklung und Kampf gegen die schädlichen Einflüsse der Großstadt. Wir glauben, daß wir unserem Programm in systematischer Arbeit, über die wir in den letzten H.-C.-Nachrichten bereits berichteten, gerecht geworden sind.

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