Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 40 (Dezember 1918)
- Date
- 1918-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/4895413-5934810-5934933--593-4895974- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
600 Und wir? Wir dürfen nicht säumen, bis der Führer kommt, und für uns handelt, vielleicht kommt er unterwegs zu uns, vielleicht nie. Es gibt nur einen Weg, der Schwierigkeiten Herr zu werden: Klare und nüchterne Erkenntnis unserer Lage, unserer Fähigkeiten, unserer Mittel und der .zukünftigen Möglichkeiten. Zurückstellung aller Sonderwünsche jeder Sondergruppe vor dem, was uns die Erkenntnis als üebot der Stunde, als Forderung des Tages zeigt. Einigung und Sammlung zur gemeinsamen Arbeit unter einem gemeinsamen Arbeitsamt. Allerdings: . die neue Wirklichkeit, das von so vielen ersehnte Neuland werden wir nicht schaffen, darüber muß man sich klar werden. Das kann nur der Führer, der die überwältigende Majorität nach dem „einen" Punkte hinlenkt und mit ihr das „Neue" schafft. Wir werden niemals imstande sein, uns gegenseitig von der allem seligmachenden Kraft unserer verschiedenen Ideen ZU überzeugen und so eine von ihnen durchzusetzen, sondern wir werden Schritt für Schritt vorwärts gehen und das.Neue aufbauen mit alten, erprobten Steinen, Der Baumeister, der uns nach eigenen Plänen neue Wege weist, fehlt, also* müssen Kvir bauen, wie wir es nach alter, bewährter Methode gewohnt sind. Kein Neuland werden wir schaffen, aber ein Altneuland. Was viele unserer Jungen unter dem Einfluß einer unverdauten geistigen Richtung vergessen haben, daran müssen wir uns wieder erinnern, nämlich daß nicht das ,,neu", sondern das ,,Land" das erste und darum das wichtigste ist. Niemand kann sich dem neuen (ieist entziehen, der heute auf der ganzen Welt zur Herrschaft gelangt. Niemand wird wollen, dafl sich der Wiederaufbau unseres Landes nach der Methode der alten, ungerechten Wirtschaftsordnung vollziehen soll. Jeder wünscht, daß das Haus schön und wohnlich für alle unsere Brüder eingerichtet wird. Aber über das „W i e" ist sich niemand klar. Es ist nicht so. wie viele glauben, daß wir uns nun drüben ein Gemeinwesen und eint Wirtschaftsordnung schaffen können ganz nach eigenem Wunsch und Willen. Auch drüben sind wir abhängig von den Zuständen der Umwelt, wir werden uns wohl oder übel nach ihr richten müssen, wenn wir das Primäre, das Wichtigste vor allem einmal erreichen wollen: eine Heimstätte für eine größere Masse unseres Volkes. Ich möchte auf den sehr vernünftigen Artikel: „Privateigentum und Nationaleigentum" von Julius Simon in Nummer 49 und 51 der „Jüdischen Rundschau" hinweisen. Dieser Standpunkt ist der einzig mögliche. Ich wüßte niemanden, der berufener wäre, diese Oedanken eines „nüchternen Idealismus" zu vertreten, als wir, der Herzl- R ii n d. Wenn uns eine besondere Aufgabe unter den zionistischen Organisationen zufällt, so ist es die, Menschen heranzuziehen, und in die Bewegung zu stellen, die den praktischen Anforderungen, welche an die Mitarbeiter des Zionismus gestellt werden, gerecht werden korinen, die den klaren Blick für die Erfordernisse des Tages und die