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Herzl-Bund-Blätter · 1918-12-01 · 40 (Dezember 1918) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1918
Issue
40 (Dezember 1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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590 Zur Uebergangsarbeit! Der Friede ist uns nun in greifbare Nähe gerückt. Durch die Gemeinschaften der zionistischen Jugend geht ein Sturmwind, der an allem zu rütteln beginnt, was bisher als fest und dauerhaft Mn unserem Leben verwurzelt zu sein schien. Die Scheidewand, die bisher noch immer zwischen unserem Wollen nach Zion und der lebenden Wirklichkeit in Zion bestand, die nur hin und wieder von einem Mutigen überklettert wurde, hat durch die Wucht der politischen Geschehnisse eine Bresche erhalten, durch die ein frischer Lijftzug hereindringt, der die Schläfrigen aufweckt, die Skeptiker antreibt zu positiver Stellungnahme, den romantischen Schwärmern die dumpfe Stirn kühlt und sie wieder in die harte und kalte Wirklichkeit hineinstellt, die Nüchternen und nach Taten Hungernden aber zu neuem Schaffen ermutigt. Durch diese Bresche sehen wir das neue Ufer liegen, zu dem ein neuer Tag uns weist. Was ist zu tun? Auf diese Frage steht die zionistische Jugend noch ratlos da. Der Jugendtag hat dies bewiesen. Jeder war sich des Ernstes der Stunde bewulit, aber niemand war imstande, eine klare, allen verständliche Parole auszugeben. Es ist dies nicht weiter verwunderlich. Stehen wir doch vor einer Situation, wie sie schwieriger wohl noch kaum bislvcr einer Volksmasse gegenübertrat, in einer Zeit noch dazu, in der die Völker, unter denen wir leben, selbst in ihren Cirundelementen erschüttert und umgeschüttelt werden. Wie sollten wir, im schwanken Kahne sitzend, das i-igene Gleichgewicht finden? Mitten aus dem Chaos heraus sollen wir, in denen selbst noch alles Chaos ist, uns eine neue Wirklichkeit schaffen. Das kann keine Masse, das kann nur „einer". Einer, der die, Kraft besitzt, neu zu gestalten, der mit Schöpferkraft begabt sein ,,Es werde!" hinausschreit, der die ,Zügel ergreift und die Fähigkeit hat alle vor sein Gefährt einzuspannen: das Genie, der Führer. Der Führer fehlt uns. Aber wir können nicht auf ihn warten. Selbst ein Volk, wie das deutsehe, hat während der grollten und schwersten Zeit, die es durchlebte, wälvrend des ganzen Krieges keine politischen Führer gehabt, und auch nach der Revolution zeigt sich nirgends ein über alle hervorragender Mensch, ein Kopf, ein Wille, dem sich das Volk beugt. Viele Kopfe sind es, die; den Aufbau bewerkstelligen werden. Man wird auf allen Seiten nachgeben, sich unter dem Zwange der Verhältnisse beugen müssen

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