Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- 38 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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552 wuchs, Landvolk, das nichts anderes suchte, als ein reines Gemeinschafts-gemeinschaftliches Leben, und das so Gott fand. Ackerbauer, Landvolk ist es, auf die ich meine Hoffnung setze. Auch sie, auch wir werden, das ist mein Glaube, ein reines Leben suchen und Gott finden. Dann wird Zion, wie es verheißen ist, ein Gotteshaus für alle werden. Der Ruf, Zion zu erbauen, ergeht heute an die jüdische Jugend. Ls ist die Zeit der Entscheidung. Seit langer Zeit, so erscheint es mir, seit langer Zeit hat das Judentum kein junges Geschlecht wie heute, kein junges Geschlecht mit einer so glühenden Sehnsucht nach dem Unbedingten, mit einer so rückhaltlosen Hingabe an das Ideal. Zwischen diesem Geschlecht und der Erfüllung steht nur die Tat, die es tun will, auf die es sich zunächst bereiten will. Aber noch weit lauter, noch weit brutaler als je wird dieser Jugend von dem Verhalten der ganzen Umwelt die Lehre gepredigt, daß die sogenannten Tatsachen stärker seien als die Idee, und daß das Streben, dem Kultus des allmächtigen Nutzens zu entrinnen, den Widerspenstigen zu einem einsamen, verbannten, erfolglosen Eigenbrödler und Phantasten macht. Wird diese Lehre auch jetzt und hier über die Sehnsucht und die Hingabe siegen, wird die Riesen» kraft, die sich anschickt, mit dem wahrhaften Leben auf Erden Ernst zu machen, wieder unter das Joch der Lüge gezwungen werden, wird sich das Gesetz der Trägheit wieder stärker erweisen, als der Aufschwung des entfesselten Geistes, wird die Glücksaussicht des Judentums noch einmal, dieses eine Mal noch vertan werden? Ich glaube trotz allem an den Sinn des furchtbaren Augenblicks für die Menschheit und an seinen Sinn für das Judentum. Und ich glaube an das Judentum, und ich glaube an die Jugend dieses Augenblicks, ich glaube an die Menschlieitsjugend, und ich glaube mit einem besonderen Glauben an difc jüdische Jugend. Ich glaube daran, daß sie den Ruf vernehmen und ihm folgen wird. Sie wird in einer ungeheuren Anstrengung sich spannen, sie wird Zwang und Lockung des Getriebes abstreifen, sie wird das Unmögliche wagen, sie wird wie Josua zu Gibeon die Sonne am Himmel festhalten, auf daß das Werk vollendet werde. Sic wird um eine Stunde, um eine große Stunde länger Jugend bleiben und wird wirken, was die Zeit der Wende, was diese Zeit ihr gebieten. Die Jugend wird Zion erbauen. Denn Gott ist mit ihr. Nach Stenogramm Ilse Lychenheim.