Mannheim
Compact Memory

Herzl-Bund-Blätter · 1918-03-01 · 38 (März 1918) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1918
Issue
38 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4895413-5934810-5934930--557-4895938
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

531 viele Differenzen in der Anschauung über die Chibarbeit erklären. Ich möchte unter den vielen Richtungen, die man im Club feststellen kann, mir die beiden herausgreifen, diejenigen, die aus menschlicher Not, und diejenigen, die um der Judennot willen zu uns kamen. Zu den Letztgenannten, die Erich Roth die Zweck« bewußten nennt, gehören, wie er sehr richtig angibt, der größere Teil der älteren Bundesbrüder. Bei ihnen lag der Grund ihrer Rückkehr zum Judentum nicht in ihrer revolutionären, flackernden Seele, die Ostertag sehr klug gekennzeichnet hat, sondern gerade eine gewisse Stärke und Robustheit machte es ihnen zur Unmöglichkeit an der ungesunden und teilweise schimpflichen Lage des jüdischen Volkes unbeteiligt vorbeizusehen. Sie wurden Zionisten, deren unverrückbar klares Ziel es stets blieb, dem jüdischen Volke zu dienen. Sie haben es immer abgelehnt, ihr persönliches Innenleben zum Mittelpunkt der Bundesarbeit zu machen, weil sie ja in ihrem Entschluß zum Zionismus bereits ein Heilmittel gegen die innere Not sahen, unter der wir schließlich alle leiden. Ihr Zionismus hat keine ausgesprochen sittliche, soziale oder mvstischc Richtung, er entsprang wohl im Wesentlichen ihrem an den Klassikern geschulten Denken und Fühlen. Sie haben das Vorhandensein der jugendlichen Not auch gekannt, haben aber geglaubt, wie ich das in den H.-B.-Bl ittern, ( hanukkah-Nummer 1916 bereits ausgeführt habe, daß sie durch den Zionismus überwunden sein muß. Wir sehen in dein Herübernehmen dieser Probleme in unsern zionistischen Erziehungskreis sogar eine große Gefahr, weil wir damit das herübernehmen, dem wir gerade glücklich entronnen sind. Gewiß kann man diese innere Gesundheit und Kraft nicht ohne Weiteres jedermann aufzwingen, aber wir hielten es doch für zionistische Pflicht audi bei denen, die sich noch innerlich zerrissen und schwach fühlen, ihre eigene kleine Sache hinter die des jüdischen Volkes zurückzustellen; statt dessen sehen wir unter uns, und nicht nur in unserem engeren Kreise, immer noch die, die das Krankensüpi>chcn ihrer schwachen Seele am Feuer unserer nationalen Begeisterung kochen wollen. Wir glauben, daß alle die Schäden, die die Zerrissenheit des jüdischen Volkes seit unserem Gang aus dem Ghetto uns geschlagen hat, in der Arbeit für dieses Volk wieder geheilt werden. So war unsere ganze Arbeit nur diktiert von dem Wunsche zum Ziele d. h. zu dem wiedergesundeten jüdischen Volke zu kommen. Was wir taten, entsprang kühler Berechnung. Wer die Arbeit des Präsidiums seit seinem Bestehen verfolgt, der wird finden, daß es sich immer nur zu Dingen hergegeben hat, von denen es sich einen Erfolg für die zionistische Sache versprach. Niemals war uns das äußere oder innere Wohl des Einzelnen Grund zu einer Maßnahme. Wenn wir zur Bundesbrüderlichkcit kamen, so geschah es dadurch, daß wir erkannt hatten, daß der in den Bundesbrüdcm vorhandene Wille zu engerem Zusammen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.