Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1917
- Issue
- 37 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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*>s Feldpostbrief aus dem Westen. Liebe Freunde! Es ist unmöglich an alle zu schreiben. Ich wähle daher diesen Weg, tan eine Bitte an Euch zu richten, die mir nutwendig und wichtig genug scheint. Zunächst eine Tatsache: Wir wollen uns keinen Hehl daraus machen und uns nichts einreden. Wir sind so ziemlich mit unserer Weisheit zu Ende. Unsere Arbeit im HB, die ihren Mittelpunkt in Berlin hatte, mußte immer mehr und mehr unter den Einziehungen leiden. Die technische Hilfe, die jeder, auch der jünste H.-Cer, unserer Leitung war, ist immer geringer geworden. Heute müssen wir damit rechnen, daß über kurz oder lang auch noch die letzten in Berlin, die unsere Arbeit aufrecht erhalten haben, wegkommen, unsere zentrale Berichterstattung, unsere zentrale Leitung aufhört. Warten, bis dieser Fall eingetreten ist, können wir nicht; wir müssen schon jetzt Mittel und Wege suchen, auch späterhin unseren Zusammenhang zu wahren Meine Bitte ist: Daß jeder dem anderen so viel schreibe, als er irgend kann! Verschafft Euch von Berlin die Adressen Eurer Freunde im H.-B., sie werden Euch sofort gegeben, und schreibt' Weckt alte Erinnerungen, berichtet von Euren Erlebnissen, diskutiert Eure Pläne! Aber schreibt und haltet Zusammenhang! Denn das ist nun einmal die unbedingt notwendige Grundlage und Voraussetzung unserer künftigen Arbeit. Nicht, daß ich fürchte, wir verlieren uns und werden uns fremd. Darüber sind wir wohl hinaus. Aber Interesse, aktive Teilnahme, Eure Mitarbeit geht verloren; kein Wunder und kein Vorwurf. Drei Jahre Krieg in dvr Front oder Etappe machen mürbe, müde und gleichgültig. Aber gerade darum soll jeder tun, was er kann. Schließlich ist es auch jedes einzelnen eigen» Interesse; denn wer wartet nicht auf Post, der fem von seinen Freunden ist. Ich weiß, daß eine ganze Anzahl diese Zeilen, mit wohlmeinendem Kopfnicken, vielleicht auch ohne das, weglegen. Man kann dazu nichts sagen. Es gibt leider viel zu viele auch bei uns, die nur alle Jubeljahre von sich hören lassen und manch einer, der jede Woche den Bericht bekam, die ganze Zeit hindurch, hat's kaum für nötig befunden einmal dafür zu danken. Aber ich wende mich auch nicht so sehr an diese, sondern an die, die sich wirklieff zu uns zählen, die nicht nur durch äußere Dinge mit uns verbunden sind und die schließlich die einzigen sind, die später aktiv arbeiten werden. Ihr werdet die Notwendigkeit dieser Zeilen einsehen und danach zu handeln wissen. Im Felde. Schakxn Erich Roth.