Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1916
- Issue
- 34 (Dezember 1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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367 Franz Emanuel Auerbach. Wir nannten ihn „unseren Keilfux", denn er war noch nicht H.-C.er, jener blonde, kräftige Junge,, der in der let/tcn Zeit vor Ausbruch des Krieges mit uns wanderte und öfter in unserem Heim in unserem Kreise war. Anfänglich hatte er die Absicht, sich einem akademischen Berufe zu widmen und war Uast des K. Z. V. in Freiburg, wo er beim Militär sein Jahr abdiente. Als er aber nach Berlin kam und sich dort dem kaufmannischen Berufe zuwandte, kam er zu uns. Sein Zionismus war ihm Selbstverständlichkeit; was ihn zu uns zog, war unsere Gemeinschaft, in der er sich wohlfühlte. Er sehnte sich nach Freunden und gemeinsamer Betätigung mit Gleichgesinnten und Altersgenossen. Und trotzdem er nur kurze Zeit zu uns gehörte, bis der Krieg ausbrach und ihn uns wieder entführte, so blich ei uns doch treu die Jahre hindurch, unterstützte uns häufig, war voll Interesse für alle Clubangelegenheiten und dankbar für jede Nachricht von uns. Als Unteroffizier rückte er ins Feld, kämpfte auf den verschiedensten Kriegsschauplätzen, wurde mehrere Male verwundet, erhielt das Eiserne Kreuz und avancierte bis zum Offizier-Stellvertreter, bis ihn nun, nachdem er oft auf wunderbare Weise dem Tode entronnen war, doch das grausame Geschick ereilte Uebcr 2 Jahre sind es her, seitdem wir ihn das letzte Mal sahen. Damals war er noch ein Junge, der Zwanzigjährige, oft fast schüchtern und zurückhaltend und dann wieder voll kindlicher^)ffenheit und Herzlichkeit. Der Krieg hatte auch ihn sicher, wie so viele andere, zum Manne geformt, und wir hofften nun auf ihn für spätere Tage. So verlieren wir in Franz Emanuel Auerbach einen künftigen Mitarbeiter und Streiter für unsere Sache und trauern um ihn, den wir noch wenig kannten, als um einen, der uns liebte und unser werden wollte und auf den wir hofften. W. S.