Mannheim
Compact Memory

Herzl-Bund-Blätter · 1916-12-01 · 34 (Dezember 1916) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1916
Issue
34 (Dezember 1916)
Date
1916-12-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4895413-5934801-5934892--375-4895762
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

341 Eine Arbeitsgemeinschaft der nationaljüdischen Jugend. Von Dr. Alfred Wolff, Berlin, (V. J. St. A. H.). Die Beziehungen, die /wischen den ein/einen im Laufe der Jahre nach-, nebenaber auch gegeneinander entstandenen national jüdischen Jugendvereincu sich entwickelten, sind nicht immer sehr erfreulich gewesen und haben alle nur denkbaren Stadien durchlaufen, die hoffentlich jetzt der Vergangenheit angehören, aber zur Warnung für die Zukunft wenigstens kurz skizziert werden müssen. Die eine Form war die der Bekämpfung aus Angst vor Konkurrenz, aus der Furcht, es könnte personlicher Ehrgeiz eines gekränkt Beiseitestehenden sich hier eine eigene Sonderorganisation zur Erreichung egoistischer oder parteimäßiger Vorteile schaffen. Und bei mancher neuen Schöpfung wurde mit vorurtcilsvoller Unterschätzung idealer Motive nicht gifragt: warum wird das Neue geschaffen, sondern wer hat es geschaffen, und damit war die Arbeit abgestempelt, das Interesse daran oder gar die tätige, erwünschte und notwendige Mitarbeit erloschen oder unmöglich geworden. Ueber diese kleinliche und persönliche Betrachtungsweise muH eine Bewegung wie der Zionismus freilich hinauskommen, w enn er wirklich schöpferisch — aufbauen und alle Volkskräfte in seinen Dienst stellen will, wenn er weiß, daß die Fülle seiner Aufgaben, die Kompliziertheit und Vielfältigkeit seiner Zukunft jedem einzelnen die Möglichkeit einer Mitarbeit erlaubt und daß eine geschickte Arbeitsteilung, die oft vermißte Vorbedingung jeder und speziell unserer Organisation, ein Beiseitestehen des Einzelnen nicht erlauben darf. Neben dieser Form der gegenseitigen Bemeistens Verurteilung innerhalb der zionistischen Jugendbewegung stand die etwas mildere der kühlen Ablehnung, neben ihr wiedei, am häufigsten geübt, die Anerkennung ohne Wissen und das besondere Wesen, die Eigenart, die Methoden der anderen Organisation. Dementsprechend war auch der Verkehr zwischen den Einzelnen und den einzelnen .Vereinen ein stark formaler und geschäftsmäßiger, woran die sehr mechanisch-formelhaften Begrüßungen bei Antrittskneipen, Festen und sonstigen Gelegenheiten mit ihrer heruntergerasselten Aufzählung der eingeladenen Vereine nichts änderten. Man hielt, mit ausgeprägtem Stolz aber übertriebenem Hochmut auf die eigene Gemeinschaft, die „anderen" teils für schädlich, teils für gering- und minderwertig, teils für überflüssig; isolierte Bich gegen sie, ohne etwa* vor ihrem Wollen und Können zu wissen, urteilte über sie von außen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.