Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1915
- Issue
- 25/26 (Februar/März 1915)
- Date
- 1915-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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193 anderen Seite wieder die, deren geistige Interessen sich ganz auf den Genuß äußerer Kulturgüter beschränken! Nein, beides ist keine Jugendlichkeit, wie wir sie gebrauchen. Auch hier gilt es den Mittelweg einzuhalten, das. Strenge mit dem Zarten, das Starke mit dem Milden zu paaren, auf daß es einen guten Klang gebe. Oder wie Friedrich Meinecke kürzlich schrieb: „Wir können und wollen nicht die einen bejahen, und die anderen verneinen, sondern wir wollen sie beide bejahen, wollen heute ganz praktischer Wirtschaftsmensch und morgen empfindender und genießender Kulturmensch sein." So werden wir „jugendlich" werden, und Pessach sei uns das Fest der Verjüngung! „Opfere um zu gewinnen, stirb und werde!" Auch diese Wahrheit lehrt uns unsere Pessachgeschichte, genau wie es unsere Zeit tut. Hätten unsere Väter nicht die Fleischtöpfe Aegyptens geopfert, sie hätten nicht ihre Freiheit und nicht ihr Volk und nicht ihr Land gewonnen. Sondern sie mußten opfern, sogar ihr Leben, um ihr Ziel zu erreichen; um zu werden, mußten sie den Wüstentod sterben. Für die (iegenwart erklärt uns der Satz Das Wunder der Kraft und das Aufsteigen zur Weltmacht des deutschen Volkes. Soviel Opfersinn und Opferwillen muß schließlich den Gewinn davontragen. Diese Aufopferung hat auch unser jüdisches Volk bitter nötig. Aber bei uns fehlt vielfach noch dieser Geist. Ich bin nicht überzeugt davon, daß wir von jedem von uns jedes Opfer für unseren HB, in dem wir unseren Zionismus, unser Volk, uns selbst leben, fordern können, ('eher kleine Opfer, wie sie der Einzelne bringen muß, Disziplin und Unterordnung, Zurückstellung der vermeintlichen Persönlichkeit müssen noch seitenlange Artikel in den HB-Blättern erscheinen. Schlimm genug, daß sie überhaupt nötig sind, diese Diskussionen, noch schlimmer, daß sie wahrscheinlich noch wiederholt werden müssen. Von materiellen Opfern wollen wir lieber cjar nicht sprechen, denn dann kämen wir ganz in die Brüche. Also Midi in dieser Beziehung sei uns Pessach eine Lehre, das Fest der Lrncucrung und prägen wir ihn uns fest ein für die Zukunft, den Satz: „Opfere, um ZU gewinnen, stirb und werde!" Neues Pessach, alte Gedanken! Uli habe nichts Neues gesagt, abei es muß immer wiederholt werden, bis wir unsere Fehler abgelegt haben, auf daß wir reif sind für das Pessach der Zukunft, damit wir fähig werden der „Tat", wo und wann sie von uns verlangt wird. Denn nur die Tat seihst macht frei innerlich und äußerlich. „Dieses Jahr Knechte, nächstes Jahr freie Männer", dies sei unser Wunsch, mit dem wir auch unser diesjähriges Pessach beginnen, uns möge in Frlullung gehen der alte Festesruf:!»^»VVJ nmn rur"? Jilthük h e Ii S e h in ii ( I.