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Herzl-Bund-Blätter · 1915-02-01 · 25/26 (Februar/März 1915) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1915
Issue
25/26 (Februar/März 1915)
Date
1915-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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192 Pessach. Neues Pessach, alte Gedanken! ... Ja, sie kommen uns doch zunächst die alten Gedankengänge, mit denen wir jungen Juden jedes Jahr von neuem unser Pessachfest begrüßten. Unsere Erinnerung an unsere Volkswerdung, an <(ic innere und äußere Kefreiung unserer Väter, unsere Träume von der Wiedergeburt und Wiederbefreiung unseres Volkes, unsere Erwartung des Pessachs der Zukunft, sie sind auch heute wieder die ersten (iedanken, die das Fest der Freiheit und des Frühlings in uns auslöst. Und trot/dem zwingt uns unser Grganismus, unser Nervensystem, den Vorgängen in der Welt auch beim Nachdenken über unser diesjähriges Fest Rechnung zu tragen. Acht Monate eines Krieges liegen hinter uns, eines Krieges, wie ihn die Weltgeschichte nie gesehen, wir durchlebten Zeiten voll Leistungen und Energieentfaltung, wie sie die iMenschheit selten vollbracht. Wir überschritten einen Höhepunkt der Menschheitsgeschichte, der zugleich, dessen sind wir gewiß, auch ein Wendepunkt im Leben unseres jüdischen Volkes bedeutet. Und wenn es die Tragik unseres Volkes mit sich bringt, daß wir zunächst als Gesamtheit untätig abwarten müssen, wie die eisernen Würfel draußen fallen werden, so wird gar bald auch für uns der Zeitpunkt kommen, wo es gilt, unser Schicksal in die Hand zu nehmen, wo von uns die „Tat" gefordert werden wird, die Tat der Freiheit zur Befreiung unser seihst, unseres Volkes. Pessach der Zukunft ist uns durch die Weltereignisse nähergerückt, wir müssen das Pessach der Gegenwart dazu benutzen, um uns vorzubereiten und zu stählen. Eigentlich haben wir dies doch gar nicht nötig? Denn unsere Arbeit im Herzl-Bund bezweckt doch nichts anderes, unser Streben ist die Erziehung zur Tat, unser Ziel die Tat. Richtig! Aber gar ZU oft zeigen sich noch Fehler, immer wieder dieselben Fehler und Mängel hei uns, und wir müssen jede Gelegenheit ergreifen, auf sie hinzuweisen und sie zu beseitigen suchen. „Das sei unser Streben im Herzl-Bund: Jung zu bleiben", schreibt Rudi Dauziger in seinem letzten Artikel. Ja, sind wir denn wirklich bereits jung? Nein, behaupte ich, wenigstens eine große Anzahl von uns ist es nicht, und gerade eine Reihe von Freunden, die sich vielleicht am jugendlichsten-dünken, ist es am allerwenigsten. Ihr Kultus des „G c i s t i g e n", ihre Askese vom „modernen Groß s t a d 11 e h e n", in das sie doch nun einmal gestellt sind, ihr Nichtvcrstehen und Nichtumgehenkönnen mit anderen Bundesbrüdern, die nicht ihrer „Geistes"richtung angehören, ist so unjugendlich, wie e9 nur sein kann. Und auf der

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