Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 22/23 ( November/Dezember 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4895413-5934794-5934834--183-4895579- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
160 postbriefen, die uns von besonderem Interesse zu sein scheinen. Eis ist eine Auswahl, es sind nicht die besten und nicht die schlechtesten: . . . Von der Stelle, an der wir gekämpft hatten, wurden ctw.t 200 Gefangene mitgebracht. Es fiel mir auf, daß sich unter diesen viele deutschsprechende Juden befanden. Auf meine Erkundigung wurde mir die überraschende Nachricht, daß diese Juden in die vorderste Reihe geschickt werden, um als Kanonenfutter zu dienen ... . . . Not lehrt beten. Ich habe noch nicht ein Haus betreten, in welchem nicht das erste Buch, was mir in die Hände fiel, ein Gebetbuch war. Deine Mitteilungen über die Leistungen und die Opferwilligkeit des HC freuen mich sehr, und habe ich nie etwas anderes erwartet. Was auch passiert, ich glaube, der HB wird bestehen, davon bin ich überzeugt. Vielleicht ist unsere Palästina-Arbeit kaput, ich glaube es nicht und erwarte viel von Amerika. Allerdings weiß ich nicht, wie weit unsere Kolonisten nationalisiert sind, und wie sich die Türkei den russischen Juden gegenüber verhält. Es wäre doch furchtbar, wenn diese Menschen nun mit einem Male wieder aus der mühsam erworbenen Freiheit in die alte Knechtschaft zurückkehren müßten! . . . . . . Unser Hauptmann ist ein großer Anti und läßt dies seine beiden Juden, einen Einjährig-Freiwilligen und mich, möglichst fühlen. Welche Augen machte er aber vor wenigen Tagen, als sein General an unserer Kompagnie vorbeiging und als auf dessen Frage, wer eine bestimmte Patrouille machen wollte, nur eben diese beiden Juden, wie auf Kommando, ganz allein vortraten, sonst keiner aller anwesenden Arier!? . . . . . . Am 2. Dezember erhielt ich Euer großes Paket mit dim praktischen Inhalt, was mich kolossal erfreute. Ich danke Euch recht herzlich dafür. Ich sehe, wie treu die Bundesbrüderlichkeit im HB ist, und Ihr könnt versichert sein, daß Ihr meinerseits dieselbe Treue und Liebe verlangen könnt . . . ... Ich bin nicht verzagt, nur habe ich eine Unruhe, eine Unsicherheit, da ich jetzt - verzeiht! — trotz meiner Beteiligung am Heere, die, wie Ihr ja wißt, zum größten Teil meinem aus meinem Judentum bedingten Pflicht- und Verantv.ortlichkcitsgefühl dem Vaterlande gegenüber entspringt, durch die körperliche Anstrengung und geistige Verrohung unjüdisch geworden bin. Unjüdisch , nicht, daß ich nicht stets des so herrlichen und stolzen Judentums und meiner Zugehörigkeit zu diesem Volke, das durch die Zionisten und ihre Ideen für sich kämpft,