Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 22/23 ( November/Dezember 1914)
- Date
- 1914-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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148 zu der atemlus lauschenden, Kopf an Kopf gedrängten Menge sprach. Eine hohe, knorrige Gestalt von urwüchsiger, beinahe vierschrötiger Kraft. Hohe S'.irn und energische Züge zeugten von Intelligenz und Willensstarke, die lebhaften dunklen Augen von Hcrrcnsgütc und warmer Empfindung. Er sprach zu uns von der Zukunftshoffnung des jüdischen Volkes, und mit erhobener Hechte, mit der Geste und der zündenden Begeisterung eines alttestamentarischen Propheten rief er aus: „Mit unseren eigenen Augen werden wir sehen die Erlösung unseres . armen Volkes!" David Wolffsohn, dessen durch aufreibende Meinungskämpfe und ein schweres Herzleiden geschwächter Körper nunmehr im hartnackigen Kampf dt<m Allbezwinger Tod linterlegen ist, hat diese Erlösung nicht mehr erleben dürfen, aber, was in seinen Kräften stand, sie vorzubereiten, hat dieser warmherzige, kluge und energische Mann getan. Herzl konnte sich keinen treueren und verständnisvolleren Mitarbeiter wünschen, der mit scharfem kaufmannischen Verstand es vermochte, die Herzl'schen Tr.iutngebilde in die Wirklichkeit umzusetzen. Wo'.ffsohn schiif unsere jüdische Bank, die er mit eifersüchtiger Liebe betreute, und nicht ihm ist die Schuld zuzuschreiben, sondern der Engherzigkeit und Vcrstän.lnislosigkeit der jüdischen Hochfinanz, wenn sie nicht das mächtige politische Finanzinstrument geworden ist, das den Urundem der judischen Volksbank vorschwebte. Die Leitung der Bewegung, die er nach Herzls Tode ubernahm, übte er. umbraust vom Uetöse innerer Kämpfe, kraftvoll aus, und als er, um die Einigkeit der Bewegung nicht zu gefährden, freiwillig von der Fuhrerschaft zurücktrat, nachdem er noch einmal m den gewaltigen, tragischen Kampfszenen des Hamburger Kongresses die ganze Wucht seiner l'trsön'ichkeit ge offenbart hatte, blieb er der getreue Eckart des jüdischen Volkes, der bis zum letzten Atemzuge für seine zionistische Sache dachte und hoffte. Für uns Junge bleibt Wolffsohn ein ideales Vorbild, dem nachzustreben keine Muhe zu gering sein soll. Der littauischc Chcderjungc, der in zähem Ringen sich zum königlichen Kaufmann emporgekampft hat, ohne je einen Augenblick das Ziel seines Lebens, die Wiederaufrichtung Palästinas für das indische Volk, aus dem Auge zu verlieren, zwingt uns die höchste Achtung ab und heischt gebieterisch Nacheiferung und werktätige Liebe für unser Volk. Wir jungen zionistischen Kaufleute können das Andenken des königlichen Kaufmannes David Wolffsohn, des kraftvollen Volksführers und aufopfernden Kämpfer., für unsere Zukunft nicht besser ehren als durch Hingabe unsrer ganzen Seele au unser Ideal, als wenn wir für es kämpfen „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Vermögen". Hans Goslar.