Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1914
- Issue
- 18/19 (Juni/Juli 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4895413-5934794-5934832--153-4895549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ntreiig wertraullchl M 17 4 Herzl-Bund-Bläffer Herausgegeben vom Präsidium des Herzl Bundes Die Blltter bleiben Elf entunt de« Prlaldlnma und mllun bei etwaige« Anatritt an daaaelbe znrflckf ef eben werden. wir ihn verloren. Uns sei dieser Tag ein Meilenstein am Wege, an dem wir Rast machen, um zu sehen, ob unser Weg noch der richtige ist, ob wir noch in der Bahn gehen, in die er uns geführt hat. Während in anderen zionistischen Kreisen unter Orgelklang und Psalmengesang Fremden von dem großen Politiker erzählt werden wird, sei uns dieser Tag ein Tag der Selbstkritik. Herzl hat von uns viel erwartet. Bevor er noch zu den jungen jüdischen Kreisen Fühlung hatte, wußte er schon, daß nur wir, die Jugend, die Träger seiner Idee sein könnten. In der Einleitung, mit der er seinen „Judenstaat" der Oeffentlichkeit übergab, spricht er es aus: „Wir werden sehen, ob uns schon die Jugend, die wir brauchen, nachgewachsen ist; die Jugend, die die Alten mitreißt, auf starken Armen hinausträgt und die Vernunftgründe umsetzt in Begeisterung." Wenn wir diese Worte lesen, ist es an uns zu prüfen, wieweit wir seine Erwartungen erfüllt haben. Häben wir, gleichviel von wo wir zum Zionismus kamen, diesen so ganz erfaßt, daß er ein Teil unserer selbst geworden, daß er nicht nur unsere jüdisch-politische Stellung kennzeichnet, sondern daß er als ein leidenschaftliches Gefühl in uns lebt. Eine Frau, die in diesen Tagen gestorben ist, die auch ihm und unserer Bewegung nahestand, die Freifrau von Suttner sagte einmal: „Mau muß heftig fühlen, heftig wollen — dann erst tut man etwas." Dieses heftige Vorwärtsdrängen, Weiterstünnen, von dem die Alten teils wohlwollend, teils mißbilligend als .Jugendlichkeit" sprechen, es ist die Kraft, die allein im Stande ist, eine Idee durchzusetzen, l'nd diese Kraft muß in unseren Kreisen gepflegt werden. Wir wollen keine Apologetiker des Zionismus erziehen, die vielleicht in der Lage sein werden, ihren Zionismus logisch zu begründen, sondern wir brauchen Leute mit starkem heißen Gefühl, die sich nicht erst verteidigen brauchen, nicht Schwärmer, sondern Stürmer. Juni-Juli 1914.