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Herzl-Bund-Blätter · 1913-10-01 · 9/10 (Oktober/November 1913) · p. [Seite]

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Journal
Herzl-Bund-Blätter
Volume
1913
Issue
9/10 (Oktober/November 1913)
Date
1913-10-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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62 Es liegt aber an jedem einzelnen Bbr. zum Gelingen des Ganzen beizutragen, und so hoffen wir, daß jeder seine Kräfte einsetzen wird, um mitzuarbeiten an dem großen Ziel, daß wir uns gesteckt haben! Bildung. Die nachfolgenden Ausführungen machen nicht den Anspruch, wesentlich Neues zu bringen, sie dienen nur dem Zweck, die Diskussion über eine Frage anzuschneiden, die, wie mir scheint, für uns mit der Zeit ein ernstes Problem sein wird. Wenn wir uns die Frage vorlegen, wie steht es mit unserer Bildung, so kommen wir bei ruhiger und objektiver Betrachtung zu einem bedauerlichen Resultat. Ich glaube, behaupten zu dürfen, daß die Bildung eines großen Teiles unserer Bundesbrüder nicht weit über den Stand hinausragt, mit dem sie vor einigen Jahren die Schule verlassen haben. Selbst wenn ich annehme, daß die meisten unter uns das eine oder andere klassische Drama auch außerhalb des Schulpcnsums gelesen haben, wenn sie den einen oder anderen modernen Roman kennen, so bleibt doch die Frage, sind wir damit gebildete Menschen? Wenn wir unsere Generation mit der vor 15 oder vor 30 Jahren vergleichen, so werden wir zu unserem Leidwesen feststellen müssen, daß wir nicht nur keinen Aufschwung, sondern sogar einen Abstieg in dieser Richtung zu verzeichnen haben. Die Gründe sind unschwer zu erkennen. In erster Linie, die Großstadt und die Presse. Beide kommen der heutigen Halbbildung in erschreckender Weise entgegen. Die Großstadt verbraucht die Zeit, die der einzelne früher für seine Bildung verwandte, durch ihre aufreibende Tätigkeit, durch ihre Entfernungen und durch die fortgesetzte Ablenkung, die einer systematischen Selbsterzichung — denn das ist ja schließlich Selbstbildung — außerordentliche Schwierigkeiten in den Weg legt. Die Presse hat das längst erkannt, und Zeitungen von der Art des „Berliner Tageblatts" bemühten sich durch mehr oder weniger wissenschaftliche Artikel, wie sie zum Beispiel der „Zeitgeist" bringt, die Lücke auszufüllen. Es liegt in der Natur der Sache, daß hiermit nicht viel ausgerichtet ist, es fehlt dieser Bestrebung jedes System und an Stelle einer einigermaßen gediegenen Bildung haben wir etwas, das wir euphemistisch „Salonbildung4' nennen. Es kommt ein zweites hinzu. Mir sagten Bundesbrüder öfters, wann soll ich etwas für meine Bildung tun, wenn ich zwei bis drei Abende allein vom Club in Anspruch genommen bin, der mir doch nur jüdisches Wissen übermittelt. Hier liegt der wunde Punkt, der diese Frage uns zum Problem macht. Jeder Clubleiter wird mir sagen, das jüdische Pensum, das wir

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