Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1913
- Issue
- 8 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Wer aber von uns hat sich nicht gefragt voll banger Sorge: wie wird das werden? Was sollen wir, die wir das Hebräische nur bespötteln lernten auf den Bänken der liberalen Religionsschulen, was sollen wir anfangen, was beginnen? Können wir noch zurück auf die Schulbank, sind wir noch jung genug, ist noch Zeit genügend, sich in das Studium des Hebräischen zu vertiefen? Und jeder mag sich da wohl geantwortet haben: Ja, noch ist es Zeit, noch haben wir den Willen und den Mut! Nicht noch einmal wollen wir diesen entwürdigenden Zustand durchmachen, dieses erniedrigende Gefühl, das den meisten von uns nicht erspart geblieben ist im religiösen Leben, das Bewußtsein zu beten und nicht zu wissen, was man sagt, seine heiligste Andacht zu legen in Worte, deren Sinn uns fremd ist! — Und darum: wir müssen hebräisch lernen! Da aber erfahrungsgemäß bei einer Aufgabe, die so schwer ist und eine so große Ausdauer verlangt, wie das Studium des Hebräischen, so mancher in den Reihen der Streiter schwach wird und versagen will, so müssen wir, die wir uns selbst erziehen und bilden wollen an unseren großen Idealen, die wir die Kerntruppen stellen wollen für künftige Jahre und Arbeit, müssen wir, meine ich, die Mittel anwenden, die allein uns ein Erreichen des Zieles verbürgen. Und eines dieser Mittel ist der Zwang! Ein hartes Wort werdet Ihr sagen! Und wahrlich es ist kein Wort für empfindsame Träumerseelen und keins für Leute mit ausgeprägten Individualitäten. Aber ein Wort ist es, das Geltung haben soll im Herzl-Club, der da keine Waschlappen will und keine verzärtelten Individualitätsphantasten. Hier wäre das Wort am Platze von der Wohltat des Zwanges. Nur eiserne Disziplin getragen von unserem eigenen, freien Willen kann die Bewegung vorwärts bringen! Nur selbstgeschaffenes Joch soll unseren Nacken beugen! Welches nun sind die Einwände, die gegen den obligatorischen hebräischen Sprachunterricht gemacht werden und diskutabel sind? Von diesen kenne ich nur einen: „Wir dürfen die Zeit unserer jungen Leute nicht zu sehr in Anspruch nehmen. Sie haben jede Woche, zwei, manchmal auch drei Abende dem H.-C zu opfern und mehr können wir nicht von ihnen verlangen. Wir müssen uns vorläufig damit begnügen, sie zionistisch durchzubilden, ihnen jüdische Geschichte beizubringen und ihre körperliche Ausbildung, in die Hand zu nehmen." — Ich will jetzt garnicht davon reden, daß all diese jungen Leute dem H.-C. in Wirklichkeit nichts opfern, sondern daß sie alles, was sie tun, einzig und allein für sich selber schaffen. Ich sehe keinen Schaden, wenn wir unsere Mitglieder zwingen würden, jede Woche statt an 2 Abenden, an oder auch einmal an vieren für sich selber zu sorgen und für ihre Zukunft zu arbeiten. — Opfert noch einen Abend edler Geselligkeit oder schalen Genusses und Ihr werdet's