Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1913
- Issue
- 6/7 (Juli/August 1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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41 durch sie erwachen, daß der Mensch als solcher sich dem anderen mit seinen innersten Gefühlen und Schwichen zu erkennen gibt Nur auf diese Weise können wir das richtige Verständnis für den Wert des Einzelnen bekommen, und somit auch zur richtigen Einschätzung der eigenen Person gelangen. Wie viele Stunden, die wir vielleicht heute noch nutzlos verbringen, gepeinigt von inneren Zweifeln und Grübeleien, werden wir dann zur eigenen Fortbildung oder zum Nutzen unserer Bewegung verwenden können! Ich hoffe die Bundesbrüder werden mich verstehen, alle werden von gleichen Gefühlen beseelt sein, wie ich selbst, werden im Herzl-Club auch das zu finden hoffen, was ich darin suche: Einen Kreis von gleichgesinnten, aufrechten, begeisterten, persönlichen Freunden. Nur wenn wir so Hohes erstreben, werden wir den großen erzieherischen Aufgaben, den wichtigsten unseres Bundes, vollauf gerecht werden können. Der gute Einfluß des Einzelnen auf die Gesamtheit und umgekehrt der Gesamtheit auf den Einzelnen kann in einem Kreis von Freunden von wirklichen Bundesbrüdern Wunder wirken! Alles das, was durch die besten pädagogischen Methoden nicht erreicht werden kann — der feinste Schliff der Erziehung, das zur Selbstverständlichkeit gewordene Gefühl des Richtigen — das kann durch ein solches Zusammenwirken erreicht werden. Nun kann man natürlich all das zu Erstrebende nicht in kurzer Zeit, in wenigen Monaten erreichen, sondern erst Jahre gemeinsamer Arbeit, gemeinsam ertragenes Freud und Leid können solche Gefühle zur Reife bringen, aber von vornherein muß das bewußte klare Streben nach dem Ziel da sein. Von Anfang an müssen wir unsere Reihen nur denen öffnen, die wirklich nicht nur allen sonstigen Anforderungen entsprechen, sondern auch als Freunde jedem willkommen sind. Wenn wir so werben und arbeiten, dann wird uns das Bundesbrudertum keine bloße Phrase mehr sein, dann werden wir ihm auch ganz von selbst, einem inneren Bedürfnis entsprechend, die äußere Form verleihen, indem Wir in unserem Bunde statt der konventionellen, steifen, die vertrauliche, freundschaftliche Anrede einführen werden. Beschlüsse von Clubs und Bundestagen können hier natürlich nur Wirkung haben, wenn überall in dem Geist gearbeitet wird, der die schönsten Freundschaftsgefühle zu erwecken imstande ist, der die einzelnen Bundesbrüder mit den stärksten menschlichen Ketten verbindet: Mit den Banden der Freundschaft! Und so rufe ich Euch zu, ihr Bundesbrüder, ganz gleich ob ich Euch kenne oder nicht: Werdet Freunde! Rudolf Daniiger, H. C. Breslau