Herzl-Bund-Blätter
- Journal
- Herzl-Bund-Blätter
- Volume
- 1913
- Issue
- 4/5 (Mai/Juni 1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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33 Am Pfingstsonntag morgens 71, Uhr fuhren von uns 15 Mann auf 4. Klasse - Billet in 1. Klasse-Abteil nach Fürstenberg. Hier begann unser Marsch unter Führung von Alfred Frank, über dessen Qualität als Führer die Meinungen sehr auseinandergingen (Armer Frank, was mußtest Du alles zu hören bekommen, wenn Du an Aussichtspunkten 2 Minuten zu wenig Rast machtest oder durch Laubwälder im Turnerschritt statt im Schlendrian marschiertest!) Am idyllisch gelegenen Stechlinsee hielten wir Mittagsrast. Ein Teil unserer Clubbrüder konnte hierbei seine Kochkunst beweisen und so bekamen wir die unglaublichsten Delikatessen zu sehen. Zu erwähnen wäre eine Hühnersuppe, die leider im Waldessand statt im Magen endete, gebratene Hühner mit Kiefernadeln paniert, ein Risotto, das niemals gar wurde, und ein Pudding, der sich bei näherer Betrachtung als Limonade dokumentierte. Nach zweistündigem Schlaf, aus dem uns das Mandolinenspiel des Clbr. Lissauer weckte, marschierten wir weiter über Neu-Globsow nach Menz, unserem Nachtquartier. Heuboden!! (Wem von den Teilnehmern läuft bei der Erinnerung an diese Nacht kein Schauer übern Leib?) Drei K kennzeichnen die Sachlage: Kälte, Krach, Keile. Alle Einzelheiten wollen wir lieber in dem Dunkel lassen, in dem sie sich abspielten. -' Am nächsten Morgen ging es weiter nach Rheinsberg, wo wir mittags eintrafen und unser primitives Mahl vom vorhergehenden Tage durch ein luxuriöses Menu ausglichen. Den Nachmittag brachten wir in dem wundervollen Park zu, sowie auf dem Marktplatz vor einer Konditorei bei unzähligen Eiskaffees. Sehr lustig gestaltete sich unsere Rückfahrt im Viehwagen. Es entwickelte sich nämlich ein Wettsingen zwischen uns und einer Gesellschaft von jungen Mädchen, aus dem wir jedoch als Sieger hervorgingen. Schließlich stimmten alle Mitreisende in unsere Lieder ein. In schönster Stimmung endete die Fahrt. Ueber einiges, was wir aus dieser Partie für die Zukunft lernen können, wollen wir das nächste Mal berichten. Halberstadt. Seit unserem letzten, im zweiten Heft der H.-B.-B. abgedruckten Bericht ist ein Vierteljahr verflossen, in dem unsere Arbeit nicht stillgestanden hat. Unsere erste Abteilung hat inzwischen den Geschichtskursus vollendet und ist zur Behandlung zionistischer Geschichte und Theorie übergegangen. Wir verweilten längere Zeit bei der Vorgeschichte des Zionismus, die nach den Stunden, in denen der Gesamtüberblick gegeben wurde, in einer großen Zahl von Einzelreferaten systematisch erörtert worden ist. Wir lasen in diesem Zusammenhang gemeinsam die „Autoemanzipation" von Pinsker, hörten ein eingehendes Referat unseres Bbr. Fechenbach über Hess' „Rom und Jerusalem", beschäftigten uns ausführlich mit den „Bilu", mit der Gründungsgeschichte und der Lage der palästinensischen Kolonien und kamen so nach einer Besprechung des „Judenstaates"