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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-10-22 · 19 (22.10.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
19 (22.10.1938)
Date
1938-10-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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,/ DDI5CHE5 GEMEINDEAMT ORGAN DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN $ MITTEILUNGSBLATT DES „SACHS. ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES" Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet.^ XIV. Jahrgang Dresden, den 22. Oktober 1938 Nr 19 Jüdische Winterhilfe 1938/39 Zum vierten Male sieht sich die .Jüdische Winterhilfe" vor di Aufsähe gestellt, die Not jüdischer Menschen zu lindem. Shon bisher sind die Leistungen, die dieses Hilfswerk er- '»rderte, nur möglich gewesen, weil mit beispielgebendem ICfarftrewjsatz an die Arbeit gegangen wurde. ' Im kommenden Winter gilt es, noch größere Anstrengungen zu machen.' Das Hilfswerk muß bereit sein, weit über den Umfang seines bishergen Wirkungskreises hinaus, den nach vielen Tausenden zahlenden jüdischen Menschen zu dienen, die .seit kurzem keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen können. Bei der im vorigen Winter vorgenommenen Zählung wurde »estgestellt,, daß von 371 422 seinerzeit noch im alten Reichs*, gebiet weilenden Juden 77 231, also über 20 Prozent, Irilfs-1 bedürftig waren. Hei andauerndem Rückgang der jüdischen Bevölkerungszahl ist der Anteil der Winterhilfsbetreuten ständig größer geworden, d. h. mit der Minderung des jüdischen Cesamtaufkominens stieg die Zahl der Hilfsbedürftigen. Trotz der immer schwieriger gewordenen Verhältnisse wurden für die vorjährige Jüdische Winterhilfe 3,5 Millionen Reichsmark aufgebracht. Damit hat sich erwiesen, was eine in Not befindliche Gemeinschaft vermag, wenn sie von dem Willen geleitet wird, unentwegt nach besten Kräften zu helfen. Das unter den gegebenen Verhältnissen als günstig zu bezeichnende Spendenaufkomilien ist mit darauf zurückzuführen, tiäfj beim Verkauf von wirtschaftlichen Unternehmungen eine einmalige Einkommensteuer fällig wurde. Deren Nutzbarmachung für die Jüdische Winterhilfe erfolgte nach dem Grundsatz, daß bei der Bemessung der Spenden die Steuerlcistuug der einzelnen Spender maßgebend ist. Aus der Statistik der Zeutralwohlfahrtsstellc beim Reichsverband der Juden in Deutschland geht hervor, daß 1937 3s im Durchschnitt ein reichliches Fünftel der jüdischen Bevölkerung des alten Reichsgebietes hilfsbedürftig war. Den ersten Plate unter den jüdischen Notstandsgebieten nimmt Pommern ein. wo auf 100 Personen 32 WintefMlfsbetrente kamen. Das/liegt zum Teil daran, daß mehrere Gemeinden der Grenzmark in den pommerschen Bezirk einbezogen wurden. Gleichfalls mehr als 30 Prozent der jüdischen Bevölkerung mußten die Winterhilfe in Schleswig-Holstein in Anspruch nehmen. Dabei ist '/ltona, das vor der Eingemeindung in Groß-Hamhurg zu chleswig-Holstein gehörte, in diesen Bezirk nicht eingerechnet, ndern den Hansestädten zugeschlagen worden. Diese hatten einer Seelenzahl von 166 555 Juden 27.40 Prozent Hilfs- (oedürftige. V In Berlin wurden unter 145 000 Juden 17,t}3 Prozent von Winterhilfe erfaßt. Dort war ein Rückgang von fast (Iii betreuten Personen zu verzeichnen, weil, abgesehen von' der Auswanderung, der Zuzug von hilfsbedürftigen Juden durch die fürsorge- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen erschwert ist Sachsen hak unter 15.246 Juden 20,22 Prozent Winterhilfsbetreute aufzuweisen, Baden unter 13 090 20,47 Prozent, Hessen unter 9676 26.07 Prozent und Brandenburg unter 479y sogar 28,10 Prozent. Bayern hingegen hatte unter 21 350 Juden 16.05 Prozent Hillsbedürftige und Württemberg untet 6944 ISS..17 Prozent, Beide Gebiete blieben .also unter dem bisherigen Reichsdurchschnitt. Unter den insgesamt 77 2.11 Betreuten w urden Mi ••■9s__Parteieü gezählt, davon 80 Prozent ohne Kinder. Bei 17 Prozent aller Parteien gehörten bis zu zwei Kindern zu den Hilfsbedürftigen, während es drei und mehr K i n d c r, n u r bei 3 l'rnztnt aller unterstützten Parteien gab. Die Tragik der Verhältnisse wird noch deutlicher bei der Feststellung, daß über 4 0 Prozent von loo der unterstützten Parteien aus nicht mehr als einer Person bestanden. Damit ist dargetan, wie außerordentlich groß innerhalb des Kreises der Winterhilfsbetreuten der Anteil der a 11 e inte be n d e n Menschen ist. Kaum mündet beträchtlich ist die Zahl der prlteVen Ehepaare. Allen diesen Menschen gegenüber hat die jüdische'Öffentlichkeit .eine besondere Verpflichtung. . .Wahre Religion verlangt Nächstenliebe. Wenn wir Juden dieses Gebot der Sittlichkeit auis höchste zu steigern bemüht sind, dannswerden die Bedrängten niemals Mangel an (ierechügkeitsempfindcii hei denen gewahr werden, die ein gütiges Geschick noch auf die Seite der (lebenden stellt. Denn wer sich in Not befindet, weiß es zu würdigen, wenn ihm eine (labe mit Liebe gereicht wird. Er hat ein feines Getiild dafür, ob man in ihm den Menschen achtet, der ein Recht auf Hilfe hat. Das Schicksal Schwergeprüfter zu verstehen, ist nicht leicht. Sich ihrer annehmen, heißt erkennen, wie arm diejenigen sind, die Wohltun nicht als religiöse Pflicht empfinden; Daher soll jeder, der dazu in der Lage ist, unserer Winterhilfe mehr gehen, als auf seinen Auteil entfällt. Wirklich Wohltäter, ein Goniel clrasadim tovim sein, bedeutet, aus edlem Herzen, mit dem Vorsatz zu spenden, daß Opfert der JOd. Winterhilfe! Monatliche Regelleistung nach den bestehenden Bestimmungen: 1 °/o derReichseinkommensteuer 1937 Postscheckkonto der Israel. Religionsgemeinde Dresden 10288 Wir bitten dringend, noch nicht abgeführte Beitrage für den Monat Oktober mittels der diesem Blatt beiliegenden Zählkarte zu überweisen I Jeder, der noch irgend in der Lage ist, muh anderen das l.ebcn ermöglichen.

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