Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIV (1938)
- Issue
- 14 (23.7.1938)
- Date
- 1938-07-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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"Seite 4- GEMEINDEBLAlTT^DER ISRAELITISCHEN Religionsgemeinde oresden Nr. 14 / 23. 7 38. -Wir könne';! luden sein, wie unsere Geschichte, unsere Lehre und Lehrer jüdisches Lehensollen darstellen und fordern. Wir hätten es leicht, wenn wir uns nur nicht von der Fülle der.persönlichen Sorten, den Verlockungen eines ungesunden Egoismus Wenden Mellen. Penn schon jeder Schritt im jüdischen Alltag ist von der Möglichkeit /u irgend einer Mi/u alt gesegnet und . hatdavon sein Regulativ." Jedes pidische Fest strafft die Bindungen-in der Familie und in der Gemeinschaft. Gerade wir .Inden in jhefffselilund erfahren die Notwendigkeit dafür, daß ein indisches W j r existiert, t.iglich in unseren SdVgeil. VbeT dieses Wir.Lsi niclrr nur dazu Ja. dal! wir selbst es brauchen. dal! wir uns \,>n ihm brauchen lassen. Oer wä/e kein Jude, de Iii- Ja-s Gehen nicht immer vor dem Nehmen stünde, tuid je .inner einer ist. umso mehr drängt es ihn zum Hellen der jüdische Osten ist "ein erschütterndes Ik-ispiel dafür. Wir Kiii der eines Volkes, das eine soziale Gesetzgebung ^sclioii erhielt, ehe es noch in dem Lande war. in dem sie sich aiisv irkciif sollte, wir. die wir unter dem Leitwort ..Wenn Ihr in das Land komm: . ." in der Wnstenw anderung vom Egoismus »egerzogen wurden, wir dunen beim Suchen nach Brot. Beruf.'Arbeitsplatz in neuen Grenzen den Blickzu den Sternen nicht \ ergtssen. nickt. ,lal! es neben dem Schw ankenden das Unverlierbare gibt, neben der Selbstsucht noch und immer neu dicH.iebe., Manila Wertheimer. Merlin. Das Postulat der Standhaftigkeit, ..Hi.,s AShanJtu-2 ■ nfnel-mfn wir der Schrift inj I . &hk*fcMt«frax n iin^ JGcjta»*«" rou iiier Pri Hn.ti:t r. rr^.-hi.-nVn III.VT S. i Jcr Br :r Jti**. h-n * I \ crlj|[>«Sucl fl >n.* iurff. Rtr.i : Vi*- .VI lüe Forderung nach Beugung unter Gottes Ratschluß ist aber" nicht das Lude der/Erkenntnis, die aus dem Buche H;ob fließt Gott billigt die Rede Hiobs. seines Knechtes, und nenn; sie recht. Und diese Rede ist der \usdruck äußerster menschlicher Statthaftigkeit. Bas; Postulat der Statthaftigkeit isi das andere grolle Ergebnis des Buches, das der Mensch als Lehre der, Schrift entnehmen soll. Charakterstärke ist nicht deshalb entbehrlich, weil das Schicksal iriiichlbar seinen vor- .bestimmten Lauf geht. ' W eshalb sich muhen und Widerstand leisten, wenn hei unauflftiltsamein Lauf des Schicksals doch alles ohne Rücksicht auf uns eintrifft? Wer so fragt, setzt sich mit der Heiligen Schrift in Widerspruch. Pas Alte Testament gibt dem ""Menschen Handlungsfreiheit zum Guten und zum Posen. Per Gott Israels hat sein Volk, wenn es ihm,abtrünnig wurde, als. väterlich strafender Gott-auf deii rechten Weg zui ruckgc-führi. Aber' ob es sich von ihm abwendete oder sich , zuwendete, das lag in'der freien Willenshestimmung'des \ olkes selbst. Pie Sintflut läßt Gott hereinbrechen, weil die \ ■Menschheit verderbt;sT. Strafen werden verhängt wegen Ani betung des Xioldeneti Kalbes, f.Ott reckMmmer seine Hand aus, | wenn Götzendienst um sich greift, und straft die Schuldigen. •\hcr diese haben sich selbst und frei für Abfall von Gott ent- - schieden. Pas war ihre Schuld, nicht ihr unentrinnbares "Fatum. Sie kehre» immer zji Gott zurück, nachdem sie ihr Unrecht; eingesehen und .gebullt haben. Parum tut auch die Stand-| hafligkcit not. damit sie dem Menschen sijuj>--r<cTMc*rsal hildenj hilft innerhalb der Spannweite, die seinem Tun vorbehalten ist. j Pas leuchtende Penkmal der Standh-aftigkeit ist die Gestalt; Iiiobs. des Mannes ans Uz. "Wenn dich Leid und Ungemach | treffeii. so magst du dich nach dem Tode sehnen. Du hast ewige Rulle. Nicht hebt die Sorge jeden Morgen ihr Haupt grau und verzerrt- und begleitet dich bis in die Nacht. Wie verlockend i ist es. zu ruhen und von ewiger Stille umgeben zu sein! Denk , an Hiob! Kr hat dre Todessehnsucht gehabt. Aber er hal sie i überwunden. Aufgerafft hataer sich und hat sein Recht gesucht. Rechenschaft für unverdientes Leid. Je tiefer Krankheit und Unglück ihn beugten, desto höher erhob er sich in seinem Mute.! Und noch ein anderer Gedanke mag manchem naheliegen. Ich bin gerecht gewesen. Aber mich trifft das Unglück. Dem j Gottlosen geht es gut. Warum soll ich den Pfad des Gerechten weiterwandeln? Ich gehe zu den Scharen derer über, die Gott nicht achten und die im Glück sind! Denk an Hiob! Satan hat | ihn in seinen Kindern getroffen, er hat ihm Hab und Gut genom-j tnen. Aber er hat ihn nicht von dem Wege des Rechtes und der Gottesfurcht abzubringen vermocht. Verhöhnt wird er von seiner Frau, als ilm die Schwären peinigen:. Verfluche Gott und stirb! Aber er bleibt auf seinem frommen Wege. Denk an Hiob! Laß dich durch keine Verlockung vom geraden Wege abbringen. Penk au das Ende der Gottlosen, das du nicht ZU selten brauchst, das aber nach Gottes Ratschluß ihrer wartet. Pas Unglück kann übergroßes Mali annehmen. Pie Krankheit lähmt dich, die Deinen sind der Not ausgesetzt. Umwölkt ist der Himmel der Zukunft. Du bist ratlos, und tiefe Verzweiflung faßt dich. Mutlos läßt dii die Anne sinken, die du so oft erfolglos gehoben hast. Penk an Hiob! Er hat es schwerer gc--. liabt Aber trotz unendlichen Grams. trotz Verspottung und Verhöhnung wegen der Zeichen, die er au der Stirn trug, hat er das göttliche Feuer in seinem Hqrzcn bewahrt und hat es nie ausgehen lassen. Die Funken dieses Feuers, die ewig in ihm glühten, hat er zu himmelhoher Lohe angefacht und hu-t sich in ihr zu seiner Größe aufgerichtet, die seine Gestalt durch die Zeilen ragen .lülit. Penk an Hiob! ..Hab nur Mut! Von dem Mut in deinem Herzen hängt alles ab. Per Mut ist es. der die Sterne ihren Lauf vollführen läßt, der Lebensmut allein hält Himmel und'Erde getrennt . . . Wenn dieser Mut fehlt, wenn dieses heilige Feuer serlischt. dann geht alles fehl, und alles geht zu Ende, alles. Gutes und Böses. Raum und Zeit." Pas sind die Worte, die der englische Dichter Wells in seinem ll'obroman „Das unsterbliche Feuer" ausspricht. Die Statthaftigkeit trotz Unglücks hat manche geschichtliche Lage zum Besseren gewendet. Wer auch bei Schlachtenungurist standhaft blieb, hat letzten Endes den Erfolg zu vielen Malen errungen. Hindurch durch alle Not! Rege den Geist und die Arme! Hinuber über Krankheit und'Schmerz! Je größer die Kraft des Widerstandes, desto größer die Hoffnung auf Genesung und auf JWicdererwachcn der alten Stärke. Hindurch durch Trennung und Einsamkeit. Ilylt das Feuer in dir, den Mut. lebendig aufrecht, bis die Stunde der Wiederkehr schlägt. Hindurch durch die Trauer des Todes! Trauretlen Toten sieben läge und Nächte nach wie Hiob. Aber dann lebe, zeige dich der Toten würdig und lebe! \lrf dem Grab der Toten errichte den Bau neuer Hoffnung, neuen Lebensmutes! Sei stark! Laß das heilige Feuer nicht erlöschen. Und;Gott wird mit dir sein. Sei standhaft und du wirst den Erfolg erzwingen! Wenn des Unglücks Welle dich erreicht und umfängt, wenn sie dich zu ersticken droht, denk an Hiob. der in größtem Schmerz nicht aufhörte zu kämpfen, bis er Pein und Leid uberwand. Sein Bild steige auf vor deinem Auge, wie du ihn hier gesehen hast, den Streiter des Herrn. So steht er, der Sieche, der Aussätzige, der Ärmste der Armen, von Gott geschlagen, von den Menschen gehöhnt und verspottet, aber die Stfahlenkrone um das Haupt gewunden/ einsam und aufrecht, in Not und Grauen. \ber er unterwirft sich nicht. Und seiner sind Gottes Lohn und Segen. Modische Damen-Kleidung Stoffe ' 9 Strümpfe Wäsche Handschuhe finden Sie bei uns in sehr vorteilhafter Auswahl WOLLWARENHAUS SAXONIA Dresden-Löbtau, Kesselsdorfer Str. 9