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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-06-15 · 12 (15.6.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
12 (15.6.1938)
Date
1938-06-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Nr. 12/15. 6 38 Dieser Nummer zum Geleit. Max Lesser < ieschafucfiihrcnder Vorsteher der!srtehti«chen Rclipjnmsgcmcinde [)resJen Der l ag5 der Freude, an dem vrir das hundertjährige Be* Mellen unsres schonen Gotteshauses feiern wollten, ist durch die Umstand*, in denen wir leben, zu einem Tag des ernsten Gedenkens geworden. Hin Tau des Gedenkens an die sich innner wiederholende Geschichte des Judentums, ein Tag des Geden-. kens an die Männer, die dieses Gotteshaus in der Zeit der Emanzipation des Judentums in Deutschland errichtet haben als ein Monument unsres Glaubens, unsrer inneren Kraft und Stärke. Die Männer und Frauen, die für das Wohl unsrer Gemeinde gewirkt haben, sind in diesem Haus zur Ehrfurcht Gottes erzogen worden, es isi das Haus der Geschichte unsrer Dresdner Gemeinde. "»' Klemer ist unser Kreis in den letzten Jahren geworden, um so en'ger*"hahit:n wir uns zusammengeschlossen. Viele, viele, die dazu anscrseheti waren und die den Willen hatten, das Werk unsrer Vorfahren weiterzubauen, leben in weiter Ferne und kämpfen dort hart tun ihr Dasein. Wir wünschen allen, die in diesem Haus in \ndacht geweilt haben, den" Menschen, die .Iis Knaben hier Bar-Mizwa geworden sind, den Mädchen, die hier eingesegnet wurden, den Ehepaaren, die hier getraut worden sind, und die nicht mehr in diesem Lande leben. daG ihnen das Gedenken .tu dieses Haus und an ihre Heimatgemeinde zum « ' Segen w erden möge, und ich weiß, daß dies (ledcnkeii' bei fast allen in stärkstem Maße vorhanden ist. Lud v ir gedenken der Rabbiner und Kantoren, die in den hundert Jahren in diesem Haus zur Ehre Gottes und zur Freude ihrer Gemeinde gewirkt haben. Mehr und mehr ist unsere Synagoge mit demAnbau. den wir vor einigen Jahren errichteten, im Lauf der letzten Zeit zu dem geworden, was eine Schul früher war. zu einem Heth Hakeneses. zu dem Haus der Versammlung für unsre Gemeindemitglieder. I s ist vorauszusehen, daß wir uns in den Räumen unsrer Gemeinde immer enger zusammenschließen werden: mögen dieselben für uns ein l'hitz des Friedens sein und bleiben, an dem wir uns in Eintracht alle zusammenfinden. Nur wenn wir Juden innerlich einig sind, wird es möglich sein, ein Gemeindeleben weiter aufrechtzuerhalten. ledjjrvon uns muß steh seihst das heilige Versprechen geben, das Seine dazu zu tun: das sei das Festgeschenk, das ein Jeder von uns seiner Gemeinde zu Ehren des hundertjährigen Bestehens unsrer" Svuagoge mache. Dr, Bernhard Beer Dr. Zacharias Frankel Vorsteher im Jahre 1838 Rabbiner im Jahre 1838 ..Einst und jetzt"!, so lautete nach einem Berichte von Zacharias Frankel der bewegte Ausruf Dr. Beruhard Beer's, als im Jahre 1840. die Svuagoge in Dresden "eingeweiht wurde. Für die Männer der damaligen Zeit bedeutete der Bau der Synagoge die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches. Sie fühlten sich am Ziele ihrer Hoffnungen und Bemühungen. In erster Linie war es Dr. Bernhard Beer, der hochgebildete Vorsteher der Gemeinde, der seine Kraft dafür eingesetzt hatte, daß der Bau Wirklichkeit werde. Er war neben anderen in erster Linie darum bemüht gewesen, durch die Berufung des Dr. Zacharias Frankel der Gemeinde eineti- Rabbiner zu geben, der durch sein Wissen und Können, zugleich aber auch durch seine Tatkraft, die Gewähr dafür bot daß das geplante Werk zu würdiger Vollendung gelange. Iis handelte sich ja damals nicht allein um den Bau der Synagoge', vielmehr bedeutete dieser Hau in Wahrheit die Grundsteinlegung der Israelitischen Religionsgemeinde selbst. In mehreren religiösen Privatvereinen wurde der Gottesdienst abgehalten, wurde die Jugend unterrichtet, und es kam wohl auch vor. daß diese Vereine unter sich uneins waren. Im Jahre 1836 kam Zacharias Frankel als Rabbiner nach Dresden, und der innigen Zusammenarbeit der beiden Männer Frankel und Beer gelang es. daß bereits am 21. Juni (28. Siwan) des Jahres 1838 der Grundstein für die Synagoge gelegt wurde. Welche Empfindungen die Menschen beseelte, die dieser Feier damals beiwohnten, kommt am treffendsten in einem zusammenfassenden Satze aus der Predigt, die Zacharias Frankel bei der (irundsteinlegung hielt, zum Ausdruck: ..Uns beseelt die Wonne des Glaubens, uns begluckt das Hochgefühl der Religionsfreiheit, uns entzückt die ' frohe Hoffnung der innigen Eintracht, uns erhebt das Bild wahrer Menschenliebe, uns belebt die Freude an dem Vaterlande." Es war ja in der Tat eine neue Lebensform des Judentums, die in der Synagoge ihren Ausdruck fand. Dieser von Professor Gottfried Semper errichtete Bau war das sichtbare Zeichen dar für. daß das Judentum sich dem Geiste der Zeit einfügen und zugleich seine ewigen heiligen Werte pflegen konnte. Im Zeitalter der Emanzipation, in dem viele Mensehen glaubten, alte Bindungen abstreifen zu sollen, und da, auch für die Getreuen | die alte Form des Gottesdienstes unerträglich und unmöglich geworden war, bedeutete die Synagoge die Verbindung zwischen dem Geiste der Überlieferung und den Forderungen der Zeit. Der indische Mfcnsch. der am Bildungsstreben der Welt teil- | nahm, der durch seinen Beruf in innigem Verkehr mit der Umwelt stand, fand int Gotteshaus« die Erhebung und die Belehrung, die seiner Seele getiiäß waren. Gewiii gab es immer auch Widerstände gegen die mit dein Bau» der Synagoge eingeleitete neue Form des gemeindlichen Lebens, doch wurde die Einheit der Gemeinde niemals ernstlich gestört. Auch als. dem Zuge der Zeit folgend, im Jahre 1870 die Orgel in den Gottesdienst eingefügt wurde, als die Gesänge von einem gemischten Chor vorgetragen wurden, fügten sich die wenigen, die etwa anderer Meinung waren, dem Willen der großen Mehrheit und wurden selbst erhoben durch die würdige Gestaltung des Gottesdienstes. Erst in neuester Zeit, als die Gemeinde weitüber die frühere Größe hinausgewachsen war und auch andere Meinungen von einer beachtlichen Anzahl Menschen geäußert wurden, wurde seitens der Gemeinde ein zweiter Gottesdienst mit konservativem Ritus eingeführt.

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