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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-05-15 · 10 (15.5.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
10 (15.5.1938)
Date
1938-05-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT ORGAN DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN $ MITTEILUNGSBLATT DES „SACHS. ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES" Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen,Juden im deutschen Reichsgebiet.^ XIV. Jahrgang Dresden, den 15. Mai 1938 Nr. 10 Die organisierte Hilfe Gemeinden and Verbinde im Bericht der Reicbsvertretung der Juden in Deutschland. Von L;o Kreindler. Chefredakteur des Jüdischen Gemeinde* blaiu-s Berlin. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland berichtet über die Arbeit im Jahre 1937. Es war das fünfte Arbeitsjaljr_ seit ihrer Begründung, und es stand unter dem Signum einer sich fortsetzenden Schrumpfung der J u d e n h e i t in Deutschland. Zahlenmäßig und wirtschaftlich vermindert sich die Kraft der jüdischen Bevölkerung, die durch Auswanderung und Sterblichkeitsüberschiiß andauernd abnimmt. In erster Reihe steht naturgemäß die Auswanderung, die auch im Jahre 1937 einen erheblichen Umfang gehabt hat. Sah der Plan die Auswanderung von 12—20 000 Juden jährlich voraus, so hat im Jahre J937 die tatsächliche Entwicklung die Prognose hinter sich zurückgelassen. Nach einer Statistik der Meldestelle beim Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, die vor einiger Zeit mit allen Einzelheiten veröffentlicht worden ist, haben im vergangenen Kalenderjahr rund 23 000 Juden Deutschland verlassen. Die jüdische Bevölkerung, die im Jahre 1933 mit 505 000 Seelen angenommen wurde, hat sich am Ende des Jahres 1937 auf 350 000 Seelen vermindert. Zu der Auswanderung kam die Bevölkerungsverminderung durcli den Sterblichkeitsiiberschuß. die in den fünf Jahren ein Manko von 23 700 Seelen ergibt. Der zahlenmäßigen Verringerung entspricht naturgemäß auch eine Schwächung der Leistungsfähigkeit. Immer schwieriger wird die Aufbringung der Mittel, die zur Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Institutionen der Judenheit in Deutschland unerläßlich sind. In dem Bericht wird hervorgehoben, daß ungeachtet der ständig sinkenden Wirtschaftskraft der »Juden in Deutschland die noch gebefähigen Menschen fast ausnahmslos' ihre Pflicht getan haben. Die Opfer, die die Juden in Deutschland zu bringen vermochten, hätten jedoch nicht ausgereicht, das Hilfswerk in Gang zu halten, wenn nicht auch die jüdischen Hilfsorganisationen im Auslande in großzügiger Weise ihren Beitrag geleistet hätten- Es ist mit Dank zu begrüßen, daß die jüdischen Organisationen außerhalb Deutschlands das Hilfswerk der Judenschaft in Deutschland unterstützt haben, obwohl auch andere Teile der Judenheit unter wirtschaftlicher und sozialer Not zu leiden haben. Daß wir selbst unsere Kräfte anspannen, versteht sich von selbst. Der größte Teil der jüdischen Bevölkerung in Deutschland hat sich willig dem Hilfswerk eingeordnet, die Ergebnisse der Sammlungen legen deutliches Zeugnis von der Disziplin unserer jüdischen Menschen ab. Die nächsten Jahre werden an die Einsatzbereitschaft der noch leistungsfähigen Kreise der Judenheit in Deutschland steigende Anforderungen stellen. Sie werden nur befriedigt werden können, wenn jeder Jude sich klar vor Augen hält, daß ohne seine Mitwirkung das Gemeinschaftswerk nicht vollendet werden kann. So groß die Opfer sind, erlassen sie doch noch immer nicht alle Kreise der Judenheit in gleicher Weise. Die Beteiligung an dem Hilfswerk beruht auf der freiwilligen .Einsicht der jüdischen Menschen. Dabei kann es ohne I Ungleiehmaßigkciten nicht abgehen, weil der einzelne sich >elbst das Maß seiner Pflichterfällung vorschreibt. Wo die Grenze liegt, läßt sich nicht ohne weiteres bestimmen, aber es darf erwartet werden, daß die Juden m Deutschland in wachsendem Umfange ihre Pflicht erkennen und daß jeder sich bemüht. Iiis zur äußersten Grenze sei her Leistungsfähigkeit Opfer für das Gemeinwohl zu bringen. Der Schrumpfungsprozeß beeinträchtigt naturgemäß in erster Reibe den B e s t a n d d e r jüdischen K u 11 u s g e m e i n - den in Deutschland. Ihre Zahl sinkt ständig, aber auch die Bevölkerung der einzelnen Gemeinden bewegt sich in absteigen- ' der Kurve. Interessant ist. daß es gegenwärtig, in Deutschland I nur. noch 52 S y n a g o g e n g e tu e i n d e n gibt, die I in e h r als 500 Seelen zählen. Im Jahre 1933 gab es noch 10 Kultusgemeinden mit je über 5000 Seelen, in denen zu- ' summen 278 (i00 Juden legten. Im Jahre 1937 waren Nürnberg. Mannheini und Düsseldorf aus dieser Kategorie der Gemeinden! mit mehr als 5000 Juden ausgeschieden. Es verblieben zu diesem Zeitpunkte' nur noch Berlin. Frankfurt a. M.. Breslau, i Hamburg, Köln. Leipzig und München. Während im Jahre 1937 in den größten Gemeinden 55 Prozent der Juden lebten, zählten l die Gemeinden mit über 50iM) Seelen im Jahre 1937 63 Prozent der Glaubensjuden.' Dies ist aui die Tatsache zurückzuführen, daß aus den kleinen und kleinsten jüdischen Gemeinden Men-! sehen in die Großstadt kommen, weil sie glauben, hier ihre Auswanderung besser vorbereiten zu können, und andere, die nach dem Verkauf ihrer Geschäfte die größeren Gemeinden als Zwischenstation vor der endgültigen Abwanderung aufsuchen. Die 36 jüdischen Gemeinden mit einer Seclenzahl von 1000 bis 5000, die es im Jahre 1933 noch gab. waren am Ende 1937 auf 2M. zurückgegangen. Ihr Bevölkcrtiugsstand verkleinerte sich von etwa 78 (HM) auf ründ 60(00, also um ein Fünftel'. Die Bevölkerung der Kultusgcmeinden mit 500 bis Ii KM 1 Seelen sank von etwa 21 Gemeinden mit rund 14000 Inden auf 17 Gemeinden mit' etwa 10 000 Seelen. Im allgemeinen haben die jüdischen S y n a g o g e n g e m e i n d e n einen Rückgang ihrer Mitglieder um etwa 27 Prozent zu verzeichnen. Von der Minderung der Leistungsfähigkeit der 1400 Kultusgemeinden im Reichsgebiete erhält man eine Vorstellung, wenn man sich vergegenwärtigt, daß 309 von ihnen zu Notstand s g e ni e i n d e n erklärt werden mußten und 303 zu T e i 1 n o t s t a n d s g e m e i n d e n deklariert wurden. Diese Klassifizierung besagt, daß die Notstandsgemeinden die Anteile für Wanderung und Beruisaü'sbildung nicht auizubringen brauchen und daß bei den Teilnotstandsgemeinden .eine Höchstgrenze für diese Zahlungen festgesetzt wurde. Ein breiter Teil des Berichtes, den die Reichsvertretung der Juden erstattet, ist den Problemen der Wanderung gewidmet. Das wird olp*e .weiteres erklärlich, wenn man erwägt, daß die üemeindebibliothek Ausleih estu'n den unverändert- Sonntau 11-12 30 Uhr Mittwoch 20-2' Uhr Sonnabend 20-22 Uhr Das Lesezimmer (Jüdische Zeiisrhuiten) ist geöffnet: Mittwoch und Sonnabend von 20 — 22 Uhr. Die Benutzung der Biblioi hek u. des Li sezimmers i»t kostenlos.

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