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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1938-01-29 · 3 (29.1.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIV (1938)
Issue
3 (29.1.1938)
Date
1938-01-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHENRELIGI0NSGEME1NDE DRESDEN Nr. 3/29.1.38 Kadimah! - Fest des Makkabi Hazair Vom Freitag bis Sonntag am Ende der dritten Woche des Sch'wat fand ein Treffen des Makkabi Hazair statt, zu dem sich Führer und ältere Bundesmitglieder aus ganz Sachsen eingefunden hatten. Wahrend des Treffens wurde ein- bis zweimal täglich eine Pegischah abgehalten. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete ein Festabend. Der eindrucksvollen Ansprache Rabbiner Dr. Wolfs, der für die Gemeinde sprach, folgten Begrüßungsworte des G'dud - Führers Reisler, sowie der Herren Fischl (ZOG) und Jottkowitz (Bar Kochba). Der jugendliche Bundesleiter Arno Lederberger (Berlin) trat inseinen aufschlußreichen Ausführungen für ein engeres Verhältnis zwischen Bund und Elternschaft ein. Dadurch würden die erzieherischen Aufgaben des Bundes, der an seinen nationalen Palästina-Idea'en tatbewußt festhalte, eine Stärkung erfahren. Exaktes vierhändiges Klavierspiel von Max Liptscher und Kurt Low, ein Schüler-Geigenchor'und eine von Isi Weinbein wirkungsvoll vorgetragene Freiheitsdichtung umrahmten die Ansprachen. Ueberzeugend stark waren die von Jankel Zoll mann geleiteten Sprechehöre, die durch prächtige Steigerungen und die Einsatzsicherheit der Einzelsprecher (u. a. Chawer Natowitz), zu einem aufrüttelnden Erlebnis wurden. g. j. Vereinsnadiriditen 20 Jahre Bar Kochba Dresden DerJ. T. S.V. Bar Kochba kann in diesem Jahr auf ein20jähriges Bestehen zurückblicken. Es ist ihm während dieser zwei Jahrzehnte möglich gewesen, fast die gesamte jüdische Jugend Dresdens um sich zu schären, um ihr unter fachmännischer Anleitung Gelegenheit zu geben, sich in fast allen Sportarten wie Fußball, Handball, Leichtathletik, Geräteturnen, Gymnastik, Boxen Fechten, Jiu Jitsu. Tennis,' Kegeln usw. gründlich durchzubilden. Auch die Kurse der Frauen und alten Herren erfreuen sich reger Inanspruchnahme. Während der Wintermonate findet das Train ng in unserem mit neuzeitlichen Turngeräten ausgestatteten Turnsaal Heims Galeriestraße 3, III. statt, im Sommer auf dem Sportplatz der Radrennbahn in Dresden Reick Es ist zu hoffen, daß es dem Bar Kochba auch weiterhin ver gönnt ist, durch sportliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend Selbstvertrauen und neuen Lebensmut zu geben. Anläßlich des Jubiläums findet am Sonntag, 13. Februar 1938. im Henriette-Schie-Saal eine^groUe Sportrevue mit musikalischer Umrahmung statt, wozu alle Gemeindemitglieder hiermit herzlich eingeladen sind. Näheres finden Sie in dem heutigen Inserat. Hauptversammlung des Bar Kochba Nach einem ausführlichen L'eberblick über die Arbeit in den einzelnen Abteilungen wurde unter ausdrücklicher Anerkennung der mühevollen Arbeit des Kassenwarts Abraham Weinberg dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Dem jahrelang er folgreich tätig gewesenen Sportw. Jos. R i11 be rg und dem in diesen Tagen auswandernden Schriftführer Georg Gerson, der sein Auit vorbildlicher Pflichttreue versah, wurde der Dank ausegsprochen. Dann erfolgte die Vorstandswahl. Der bisherige I. Vorsitzende Zahnarzt Dr. Rosenbaum, schied aus. Seine großen Verdienste um den Verein wurden durch den neuen I Vorsitzeuden, Berthold Weinstein, gebührend gewürdigt. Dem Vorstand gehören weiter an: Josef Jottkow itz istellv. Vorsitztnder und Beisitzer;, Jac Fhr lieh iSportwarti, Dr. med. Adolf Fuhrmann iSchatzmeister! Curt Fraen kel iSchriftf. und Heinz Gor'dono witsch i Beisitzer ■ Hans Joachim Schoeps .Gestalten an der Zeitenwende" Vortrupp-Verlag, Berlin 193b. Die vorliegende Schrift versucht in drei gedankenvollen Essays die Wende der Zeiten zu charakterisieren, in der wir Heutigen die Geschichte des Abendlandes seit Ausgang des neunzehnten Jahrhunderts erleben. Drei prominente Gestalten der Geistesgeschichte, deren Schrifttum der Autor mit eindringlicher Beredsamkeit interpretiert, lassen die Problematik der abendländischen Kultur unzweideutig erkennen. Der Geschichtsphilosoph Jakob Burckhardt, den kulturellen und technischen Errungenschaften der neuen Zeit abhold,setzt sich als Jugendbildner mit hoher.Begeisterung für die Erhaltung der wertvollen Lebensformen der Vergangenheit ein. Auch der Denker Friedrich Wilhelm Nietzsche, der der „Umwertung aller Werte" das Wort redet, bewegt sich als Kulturkritiker „auf den Spuren der verloreneu Zeit". In diesen Zusammenhang stellt Schoeps auch den jüdischen Dichter Franz Kafka, dessen Werke von dumpfer Resignation und der Ahnung einer unüberbrückbaren Ferne erfüllt sind. Der vorliegende kleine, aber inhaltreiche Band, eine überzeugend geschriebene Auseinandersetzung mit den Problemen der Gegenwart, kann dem denkenden Leser zur Lektüre nur nachdrücklichst empfohlen werden. Dr. I. S. MATTERSDORFF « mm **** * ■#« GEGRÜNDET P R I VAT B A N K H A U S 1 8 4 9 SEESTRASSE 14 RUF 25955 Eine Danksagung Als Awraham awinu mit seiner Familie aus Ur Kasdim zog, nahmen sie, so wird uns im Buche (Breschith) berichtet, jene Seelen mit, (ascher aßu) wörtlich: „die sie geschaffen hatten". Raschi sagt dazu: „Wenn ein Zaddik einen Menschen zum Judentum führt, so gilt es, als habe er ihn geschaffen". Im Namen der vielen (Nfasciwth), die der verstorbene Abraham Burg „geschaffen" hat, ist es mir eine schmerzliche Pflicht, der Persönlichkeit und Leistung dieses Mannes zu gedenken. Und nun, da ich die Feder halte, um aus der Fülle der Erinnerung das Wesentliche mitzuteilen, sehe ich, wie schwer es ist. Er war ja nicht einer der „Offiziellen", sondern einfach ein (isch jhudi). Ich denke zurück an die ersten Nachkriegsjahre, die so viele Veränderungen im Leben der Juden in Deutschland einleiteten. Es waren Jahre intensivster Entwicklung. Und sie trafen eine fast nur noch im Institutionellen zusammengehaltene Judenheit. Jüdische Erziehung war zur bloßen Apologetik geworden. Eine Judentumserziehung, die geeignet gewesen wäre, der heranwachsenden jüdischen Jugend den inneren Halt zu geben, existierte nicht. In unserer Gemeinde ebenso wenig wie in den meisten anderen Gemeinden Deutschlands. In dieser Zeit war der Verstorbene einer der Wenigen, die den Sinn jener Forderung unserer Vorfahren verstanden: Uwamakom schecn anaschim hischtadel lih'jot isch — dort wo keiner ist, bemühe Du Dich, ein Mann zu sein. Hätte er nichts anderes vollbracht, als aus eigener persönlicher Initiative heraus die Talmud Thora-Schule zu gründen und geeignete Lehrer heranzuziehen, es wäre unsere Pflicht gewesen, davon zu berichten. Aber das allein sagt noch nicht alles, was die Persönlichkeit des Verstorbenen auszeichnete. Er war inmitten einer Welt voll innerer Unlogik und Widersprüche ein harmonischer, ausgeglichener Mensch und wurde darum zum, Helfer und Ratgeber für alle, die sich an ihn wandten. Nicht allein das Bewußtsein eines jeden Frommen, daß es eine Mizwa ist zu helfen, daß es eine Mizwa ist, Kinder jüdisch zu erziehen, hat ihn getrieben sich einzusetzen. Es war die reine Naivität, mit der er an seine Pflicht glaubte, die ihm die Möglichkeit gab, selbstverständlich so zu leben. Hätte man ihn gefragt, warum gerade er Zeit, Kraft. Geld und Gesundheit opfert, um zu helfen und um durch die Erhaltung der Talmud Thora Hunderten von Kindern das entscheidende jüdische Erlebnis zu geben — er hätte keine „Begründung* zu geben gewußt. Es war ihm so selbstverständlich, daß er es nicht hätte verständlich machen können. Das Wissen um die Pflicht des Einsatzes der eigenen Person war kein intellektuelles. Es war seine Leidenschaft, jüdische Seelen zu schaffen, die uns schon als Kinder an die Quellen der jüdischen Kultur führte, und die ihn zugleich durch sein eigenes Leben zum lebendigen Beispiel machte. Er hat einer Generation seiner Gemeinde das innere Gepräge gegeben, denn eine Generation wurde durch seine Talmud Thora zu unbewußten Juden. Er lebte ein jüdisches Leben und führte uns zu jüdischem Leben, das ebenso unbewußt und selbstverständlich ist, wie „die Sonne nicht weiß, warum sie wärmt, und das Feuer nicht, warum es brennt "(Achad Haam). Sidirono liwracha! Einer der Talmidim.

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