Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
- Volume
- XIII (1937)
- Issue
- 23 (15.11.1937)
- Date
- 1937-11-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23/1. 12.1937 GEMEINDEBLATT DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN Seite 3 liehen Momente der Auseinandersetzung, in der wir heute stehen muß wissen, was heute tot ist und deshalb nicht weitergeschleppt werden darf, weil wir leben wollen. Zur Entscheidung sind wir aufgerufen und dem Ruf haben wir Folge zu leisten mit unserer ganzen Existenz. Ausgegliedert aus der Gesellschaft des Raumes, in dem wir leben, sind wir doch durch die allgemeine Weltlage wie die Umwelt „derUngesichert1 eit des Daseins" ausgeliefert. Und in be sonderem Maße müssen wir an der Überwindung dieser Situation arbeiten; denn Jude sein heißt ständig sich Rechenschaft geben (Volk des Gesetzes!), und in der Verantwortung vor Gott leben. So klang die Arbeitsgemeinschaft aus, deren Verlauf wir hier nur in den Grundzügen wiedergeben konn* n. Dr. Alice Apt Die am 14. November in Berlin zusammengetretene III. Konferenz des Beirates der Jewish Agency hat ein mutig folgenden Aufruf angenommen: An die Joden in Deutschland! Zwanzig Jahre nac VeVkündung der Halfour-Deklaration erleben wir, wie die Nationale Heimstätte des Jüdischen Volkes in Palastina in eine*neue Epoche ihrer Entwicklung übergeht. Das Jüdische Volk in Erez Jisrael lebt in dieser Zeit des Ueberganges, die schwer ste Opfer von ihm fordert, mutig, voll starken Willens und in der Zuversicht, daß sein Werk des Aufbaues unerschüttert, ja befestigt, einer größeren Zukunft entgegengeht. Die Erweiterung der land wirtschaftlichen Siedlung, die Begründung von neunzehn „Neuen Punkten" jenseits der Grenzen der bisherigen Kolonisation ist das sichtbarste Zeugnis dieser Kraft und Gewißheit. Die Bereitschaft der Judenheit außerhalb Palastinas, für Erex Jisrael einzustehen, war auch im letzten Jahre der treue Bundesgenosse des Jischuw. Die Leistung des Keren Hajessod in den Landern der Diaspora war der Ausdruck dieses Bundes. Das neue Jahr muß ihn neu und wirksam bekräftigen. Unsere Leistung für den Keren Hajessod, unserekolonisatorische Arbeit im Lande kann die Entscheidung, an deren Schwelle wir stehen, aufs Stärkste mitbestimmen. Uns Juden in Deutschland ist heute der Weg nach einer neuen Heimat zu einem Gesetz unseres Lebens geworden. Vierzigtausend unserer Brüder und Schwestern haben sie in Erex Jisrael gefunden. Tausende wollen und werden ihnen folgen. Noch wird nicht für Alle die Zeit der Sehnsucht ihr Ende finden können; aber die Gesamtheit muß begreifen, daß in Palästina in unseren Tagen die große Geschichte unseres alten Volkes sich erneuert.' Sie muß dieser Wiedergeburt ein starker Helfer sein. Die Aibeit des Keren Häjessord für das Jahr 5698 beginnt! Wir rufen von unserer heutigen Tagung, an der die Reichsvertretung» die Landesverbände, die Gemeinden und die großen Organisationen der Judenheit in Deutschland teilnehmen, alle Juden und Jüdinnen zu einer neuen, großen Anstrengung auf. Der Keren Hajessod muß den Grundstein legen: für den neuen Bau des jüdischen Lebens in Palästina, für Einwanderung und Siedlung, für uns und Alle die in Sehnsucht und Not den jüdischen Namen im Lande seines Ursprungs zu neuem Glanz führen wollen! Vor einer Schicksalsfrage Dr. Hugo Herrmann, Jerusalem: Die Palästinaarbeit dieses Winters ist von einer großen Gefahr bedroht: daß die Judenheit in der Welt über dein fernen Ziel die nahen Aufgaben, über den ewigen Forderungen die Gebote des Augenblicks vergißt. Heute denken, so scheint es. viele an die „Ewigkeit", ohne sich dem „Augenblicke" zu widmen — und das ist schlimm, ist kaum anders als jener berüchtigte Streit der Fraktionen in Jerusalem angesichts der römischen Vernichter vor den Mauern, der Jerusalem schon einmal in den Abgrund gestürzt hat. Muß man eine so offenbare Wahrheit erst beweisen? Das jüdische Palästina ist heldenhaft durch zwei schwere, hundertfach, gefährdete Sommer gegangen. > Mitten in dieser Welt der ' Unruhen, die jeden Augenblick unsere Zukunft in Frage stellten, lebte der jüdische Jischuw sein Leben der Arbeit. In der Zeit der schlimmsten Bedrohungen schuf er fast täglich neue Werke, die seine Existenz immer fester begründen sollten: den Hafen von Tel Aviv, das neue großartige Straßennetz, neue Häuser. Hermann Haugk Nachf. SÄeizyn Herren - Hüte - Herren-Moden Prager Straße 37 Herren-Wäsche neue Schulen, ein Orchester von Weltrang, vor allem neunzehn neue landwirtschaftliche Siedlungen an den exponiertesten Orten. Es ist ein zutiefst erregendes Schauspiel, gerade weil es in diesem nervösen, der Panik zugänglichen, überkritischen. Volke vor sich geht, das hier und jetzt dem Anschein nach alle Nervosität, alle Ängstlichkeit, alle Kritiks'ucht völlig abgelegt hat. Diese Haltung des jüdischen Jischuw in Palästina und diese seine Leistung sind das Argument gegen alle Kinwände und Bedenken, sind der Beweis für. das unzerstörbare und unerschütterliche Lebensrecht des Jüdischen Nationalen Heimes in Palästina. Aber wir dürfen uns über zweierlei keiner Täuschung hingeben: daß die neuen Werke in Erez Jsrael noch keineswegs in unerschütterlicher Sicherheit fundiert sind, und daß sie. so wichtig sie als eine entscheidende Ktappe sind, doch nur eine Etappe bedeuten, die unermeßlich wertvoll ist. wenn weitere F.tappen auf sie folgen, die aber nichts ist. wenn sie die Summe und das Ende unserer Leistung darstellen sollte, Wir habet) i" diesem Sommer neunzehn neue Siedlungen errichtet: aber das sind nicht Wirtschaften, die von irgendwem übernommen und mihi weitergeführt werden, sondern n e u e Punk e. neu im vollen Sinne des Wortes. Sie brauchen fünf, sieben, zehn Jahre, ehe sie festgewurzelte Bauerndörfer sind, wie heute Dagania oder Bcth Alpha, und das heißt, daß sie viel Arbeit in den neuaur'geschlossenen Boden stecken müssen, ehe er entsprechende Frucht, trägt, daß sie bedeutende Kredite brauchen, viel Hilfe, Belehrung und Unterweisung, starke Stützen für ihre kulturelle, soziale, sanitäre Arbeit. Ganz analog ist es mit jeder der neuen Arbeiten. Jahrelang hatten wir die Besehwerde: es geschieht nichts, es wird nichts neues geschaffen, die bloße Konsolidierung des früher Gebauten regt das Volk, regt seine (iebeireudigkeit nicht an: jetzt wurde und wird täglich neue* geschaffen, es ist. als ob der schöpferische Sturm der Tage des Anfangs wieder über Palästina wehte, aber mm haben wir auch die. Verantwortung, das Entstehende zu entwickeln, das Gewordene nicht mehr u n t e r - gehen zu lassen. Wenn man das mit Kenügendcr Klarheit erkennt, wird man auch verstellen, warum für dieses Jahr der Ke r e n Ha j e s sod. das eigentliche Instrument der Palästina-Arbeit, von ganz besonderer Wichtigkeit ist. In Zeiten der ..Prosperity" - - das wissen wir nun schon aus mehrfacher F.rfahrung — strömen die Juden, strömt das jüdische Kapital nach Palästina. Wenn aber Krisenzeiten kommen, dann flaut der Finwandererstrom ab. dann versiegt der Quell des privaten Kapitals, die nationalen Fonds sind mit einem Schlag wieder die zentralen Träger des Aufbaus. Vielleicht, muß es so sein; jedenfalls, so ist es. Heute leben ^wir m emti Ubergangszeit, in einer ..Krisen"-Zeit. Der Einwandererstrom ist hoffentlich für eine kurze Periode zum Bächlein geworden, das Privatkapital, das kühne und unternehmende, ist eingeschüchtert: Pionierarbeit leistet der ChaJuz und leistet das national e Kapital, leisten Keren H a i e s s o d und Keren K a j e m e t h. Ich wiederhole: hoffentlich ist die Übergangszeit kurz: aber wissen kann das heute noch niemand. Nachher wird wieder der große ..Sprung vorwärts" kommen, drssen sind w ir sicher, umso sicherer, wenn ietzt. in der bangen Wartezeit, ijas Volk zeigt, daß es seine Vorhut in Erez Jisrael nicht Im Stich läßt. Dafür ist es völlig gleichgültig, ob die Zionistische Organisation und die" lewish Agencv von Jasagern oder Neinsägern beherrscht werden, ob Palästina einen .Teilungsnlan hinnehmen oder leidenschaftlich ablehnen will. Man soll die Frage erörtern, um die Lösung k'nnpfen und meinetwegen streiten: wie Palästina den schöpferischen Sturm der Tage des Anfangs wieder erfährt, so erlebt das iüdische Volk wieder den \ugenblick. wo sein Schicksal in der Schwebe hänr' wo eine Entscheidung fallen und. was mehr bedeutet, durch seine ewene Halt u n e so oder so beeinflußt werden kann. Aber eins muß dem Streit entrückt bleiben: Palästina. Dieses Palästina, dieser kleine aber unendlich bedeutungsvolle. Kern des jüdischen Nationalen Heims in Erez Üsnel. lebt, hat sein eigenes Ge«etz und Lebensrecht, es muß leben und weiterwachsen, geschehe, was da wolle. Für oder gegen Teilung. Jasaüen oder .Neinsagen — aber arbeiten! SchreibmaSChinen wie Frika. Conti. Ideal, Olympia usw Rechenmaschinen, Farbbinder and Kohlepapiere bekannt preiswert Fachgeschäft Saliy Mayer, Walpurgisstr. 9, Ruf 12045 V.R. \mwan lerer sollten nicht versäumen, eine Kotierscbrelbrru seh Ine mitiunehmen