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Jüdisches Gemeindeblatt Dresden · 1937-11-01 · 22 (1.11.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt Dresden
Volume
XIII (1937)
Issue
22 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHES GEMEINDEBLATT ORGAN DER ISRAELITISCHEN RELIGIONSGEMEINDE DRESDEN $ MITTEILUNGSBLATT DES „SACHS. ISRAEL. GEMEINDEVERBANDES'' Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für VolksaufktSrung und Propaganda =betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen R e i ch s g e b i e t.= XIII. Jahrgang Dresden, den 15. November 1937 Nr. 22 Eindrücke aus II.S.A. (1937) Von Hermann Schocken Fortsetzung aus Nummer 21 Andere jüdische Organisationen, die ja alle mehr oder weniger vom join abhängig sind, werden nie eine Aufgabe außerhalb Amerikas übernehmen, die ihnen nicht vom Joint übertragen worden ist. Ich habe versuch:, Organisationen wie die Central - Verbände der Männer-Vereine, der Reform-Gemeinden Amerikas, und andere zentrale Stellen, in denen deutsch-amerikanische Juden Mitglieder sind, für unsere Einwanderungsarbeit zu gewinnen, aber immer wurde die Entscheidung dem Joint überlassen. Im Haupt-Komitee des Joint in New York aber sitzen außer den bezahlten Funktionären nur ganz wenige Mitglieder, die* bereit sind, mehr zu tun als Geld selbst zu geben, oder ihren Namen und Einfluß für Geldaufbringung brauchen zu lassen. Der ganze Apparat, den sich Joint geschaffen hat, ist eben nur cm Geldaufbringungsapparat, der sich in dieser Aufgabe erschöpft. Der Joint hat die praktische Hilfeleistung für Osteuropa solchen Vereinen wie Ort und Hias übertragen, und seine Aufgaben, die für uns deutsche Juden heute die allerwichtigsten sind, wie Förderung der Einwanderung, Betreuung der Neueingewanderten und Kinderadoption, hat er einer amerikanischen 'Frauenorganisation vollständig übertragen. Der „Council of Jewish Women" ist in New-York gut organisiert und hat dort einige hervorragende tüchtige, aber sehr Uberarbeitete Sekretärinnen. In vielen Orten ist er ganz mittelmäßig oder schlecht vertreten und hat so viel mit dringender Lokalarbeit zu tun, daß er auch beim besten Willen nicht die ihm vom Joint übertragene Arbeit leisten kann. Resultat: Fast nur Einwanderungen, die von Privatpersonen durch eigene Initiative durchgekämpft werden; wirkliche Kinder- Adoption so gut 'wie gar keine, denn in fast allen Fällen sind Kinder entweder von ganz nahen Verwandten angefordert worden, oder aber sie sind gegen hohe Bezahlung in Familien untergebracht. Ich weiß aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung in Amerika, daß die Massen der Juden Amerikas hilfsbereit sind, besonders wenn ihnen von Mund zu Mund die Notlage geschildert wird. Ich weiß, daß es für Amerika und für die 4V» MillTonen Juden Amerikas keine all zu große Aufgabe ist, alle die Einwanderer aus Deutschland aufzunehmen, die unter den jetzigen bestehenden Einwanderungsgesetzen ins Land kommen können. Ich weiß, daß Amerika ein Jahrzehnt lang, um den Beginn dieses Jahrhunderts herum, 300000 und mehr jüdische Einwanderer jährlich aufgenommen hat. Ich weiß auch, daß die ganze Zah: der deutschen Juden, die nach Amerika auswandern können oder auswandern wollen, im Verhältnis zu dieser Zahl ganz gering ist. Ich glaube deshalb, daß wir das Recht und die Pflicht haben, die verantwortlichen Führer des Joints, die die Möglichkeit dazu haben, zu bitten, viel mehr Gewicht [auf diese wichtigste -Lebensfrage der Juden aus Deutschland zu legen. Diese paar Menschen können viel däzu beitragen, die schwierige Auswanderungsfrage für immer zu lösen, so daß wir nicht gezwungen sind, unsere Menschen, in alle möglichen und unmöglichen Ecken der Welt zu verschicken. Chanukka-Goltesdienst zur Einleitung des Chanukka-Festes Sonntag, den 28. November 1937 — 25. Kislew 5698 — nachmittags 5 Uhr in der Synagoge mit Ansprache, Chor und Orgel Das Chanukka-Fest fällt in diesem Jahre auf einen sehr frühen Termin. Bereits am Abend des 28. November wird das erste Chanukka-Licht angezündet. In den meis en Jahren ist es den im Geschäftsleben stehenden Menschen nicht möglich, am Chanukka- Gottesdienst, der meist in die Woche fällt, teilzunehmen. Es kommt hinzu, daß im Monat Dezember an den,. Wet^arafc wie auch an den Sonntagen die Menschen mehr beschäftigt sin Als in anderen Monaten. Es ist nun' in diesem Jahre der besonders günstige Fall eingetreten, daß der erste Abend an einem Sonntag noch im Monat November gefeiert wird. Es haben also alle Menschen Gelegenheit, das Chanukka-Fest in würdiger Weise zu beginnen. Die Gemeinde glaubte darum, ein Besonderes tun zu müssen und diesem Gottesdienst eine eigene Form geben zu sollen. Oftmals hört man Klage darüber, daß unsere jüdischen gottesdienstlichrn Feiern zu starrund eintönig sind. Hier soll der Versuch gemacht werden, die starre Form zu lockern und vielleicht Wege zu weisen für die ne,ue Gestallung des Gottesdienstes. Es hat freilich nur dann einen Sinn, neue Wege zu betreten, wenn auch die Menschan diese Wege mitgehen. Der besondere Anlaß läßt der Hoffnung Raum, daß auch jene Kreise, die dem gottesdienstichen Leben der Gemeinde fernstehen, einmal den Weg zum Gotteshaus finden. Zweifellos werden dann manche, die es bfsher noch nicht wußten, erkennen, daß die Svnagoge die eigentliche seelische Heimstätte des jüdischen Menschen ist. Der vierstimmige Chor, der in neuer Zusammensetzung erstmalig wieder im Gottesdienst mitwirkt, dürfte auch für die regelmäßigen Besucher des Gottesdienstes' eine frohe Überraschung sein. Da das Chanukka-Fest immer in erster Linie ein Fest des Hauses war, soll der Gottesdienst die würdige Einleitung sein für die sich anschließende häusliche Feier. So mag die Weihestunde, mit der wir in diesem Jahre das Chanukka-, das Weihefest, beginnen,! in die Schwierigkeit unseres Daseins einen Strahl der Hoffnung werfen, unsere Seele erheben und sie mit Mut und Kraft erfüllen. Jüdische* Lehr haus Nächste Termine: Cand cbem Levl (Einführung in die Chemie) 16 u. 30 Nov (Di> Rabbiner Dr. Wolf (jüdische Geschichte) 18 November (Do) Frau Prof. Büttner (jüdische Gebete) 23 November (Di) Sonnabend, 20. Nov. und Sonnabend, II. Dez. Dr. Robert Weltsch-Berlin, Redakteur der „Jüd. Rundschau" Neuere Geschichte Palästinas u.des Vorderen Orients Wegendes tu erwartenden Zudrangs su diesem hochaktuellen Th<ma, behandelt von einem der bfttteu Kenner det politischen und Wjrtschaft.gi s :hl< hte des Vorderen Orients, finden die Vortrage Im Scble-Saal statt. Eintritt for beide Abende zusammen RM. 1. —. Jugend und Minderbemittelte auf grünen Kultuibundausw-eis KM —.25 Sämtliche Vorlesungen des Jüdischen Lehrhauses heginnen präzise 20,15 Uhr und linden (mit Ausnahme der Vortragsabende von Herrn Dr. VV'elttch) im Helnrich-Arnhold-Saa! statt. Hdrerkarten im Gemeindeamt.

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