Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (15.12.1936)
- Date
- 1936-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Seite 1 OemetileHott bei Israelitische» Reli>to»>iemei>de Btellea Ifldlsdic Winterhilfe Sonnabend, den 19. Dezember 1936, 20 Uhr, Henriette - Schic - Saal Büntec A&end <* Mitwirkende: Kapelle Sonnenschein mit heiteren Darbietungen (u.a. Schlagerlieder von Siegfried Sonnenschein, gesungen von Frau Mautner-Falk) Fred Wald, Conferencier des „Bunten Karren“ mit humoristischen Vorträgen Heinz und Fritz Meyer, virtuose Musik für Violine und Klavier s i Elntrlttakartan för Batrauta dar JOdiachan Winta'hlifs unant* galtllch In dar Wohlfahrtaalalla. aonat RM 1—, Jugantl. FM -.25, Im KaltwrbundbQro, Zaughausatr. 1, II. (Ruf 18 4 18), gaftHnatKM Uhr Spielzeit 1936/37 3. Theaterabend des Kulturbundes Gastspiel des Hamburger Kulturbundes Große Liebe (von Franz Molnar) Oie Schaffer im neuen Fach als sog. ältere Dame der Gesellschaft - das war die Sensation, die sich von Berlin aus für uns an den neuen Molnar knüpfte, und deren wir faktisch nun auch selbst teilhaftig geworden sind. Für uns, die wir wohl immer das Bild der jungen Jenny Schaffer im Herzen tragen, weil wir alle Phasen ihrer Entwicklung miterlebten, ist es vorläufig schwer, lediglich mit der ihr hübsches Gesicht umrahiNenden weißen perrücke die Illusion einer - Matrone zu verbinden. Leider ist die Nolle nicht groß und für die Handlung, die man bald durchschaut, eigentlich nur Zutat. Oie so fingerfertige, hilfsbereite Ministersgattin, z. T. in burschikos-derber Tonfallmanier von der Künstlerin charakterisiert, hat Herz und Mund am rechten Fleck. So begönnert sie die Inhaberin eines Modesalons, die wiederum ihre Nein« Schwester bemuttert, indem sie für sie sogar den Bräutigam aufpäppelt. Er aber, der Ludwig, hat die Kleine insgeheim mit dem viel besser zu ihr paffenden Maler Iwan zusammengebracht, und beide sind sich bereits einig. "Hier könnte sich die den üblichen amüsanten Molnardialog aufwcifende Komödie, ein weniger geistreiches als thematisch bedeutsames Stück, ins Tragische wenden und jedenfalls erhält sie durch das sich daraus entwickelnde Motiv einen Zug ins menschlich Große. Margit, die sich in ihrer Weltfremdheit verraten, getäuscht, verlassen fühlt, kämpft nun wie eine Löwenmutter um ihr »Kind', gibt aber den Kampf auf, weil sie selbst plötzlich den Verführer liebt. Oa aber wird ihr ihre Pflicht klar: sie verzichtet und gibt den Beiden ihren Segen. Und das Gleiche tat sozusagen als bea ex machina die Exzellenz, indem sie sie und Ludwig, dessen Volle als präsumptiver Bräutigam ja nun auögespielt ist, zusammenbringt. So hat jeder Topf sein Deckelchen, jeder Vogel sein Nest, ganz wie es sich gehört.... Jenny Schaffers Sprechkultur, ihre Gepflegtheit der Konversation — Merkmale ihrer guten Schule - traten, ob zwar bekannt, aufs neue in helles Licht. Aber auch die Kräfte des Ensembles hielten gutes Niveau. Vor allem brachte Frtedel Münzer ihre große künstlerische Aufgabe, ihren Kampf nach außen und innen zu gestalten, so eindringlich zur Geltung, daß man stellenweise vergaß, in einer Komödie zu sein (um so anerkennenswerter, als sie unter einer starken Indisposition litt). Iwan, dem Herzenbrecher auf der ganzen Linie, mußte man gut sein, so sympathisch vertrat Klaus Brill als Schützer der sich zärtlich an ihn schmiegenden Irene (Marie Luise Bruch) seinen Part, wohingegen Fritz Melchior (Ludwig) weniger in seinem Element zu sein schien. Sonst traten noch Erna Cohn-Lorenz, Kurt Appel und Emeline Gadiel einigermaßen hervor. Oie Handlung spielt nach dem Zettel in Wien, schien^ aber einige Male nach Budapest verlegt. OaS typisch Milieuhafte des Modesalons hätte wohl interessanter ausfallen können. Stück und Aufführung gefielen, es wurde munter gelacht und geklascht. Oer betont starke Beifall am Schluffe bewies der Gästin von ihren Freunden, daß Frau Schaffer eben kein Gast bet uns ist, und jedes Wiederfehen mit ihr eine Freude, red. /„Der bunie Karren" Oos in Leipzig gegründete und stationierte Kleinkunst-Ensemble »Oer bunte Karren' bot eine Folge von eigenartigen, mehr oder minder wertvollen, immer aber fesselnden Vortragsnummem, die der Letter dieses jüdischen »Blauen Vogels' Fred Wald (Friedwald) durch eine jede Darbietung einleitende »Conference' verband. Wan kennt die Schwien'gkeit, solche Bemerkungen bald nachdenklich, bald witzig, zwanglos und gemeinverständlich und auch ein wenig aktuell zu gestalten, - und wenn man das dem Conferencier zusiimmend nachsagen kann, so bedeutet die kleine Warnung nichts Negatives, daß er vor einer so ernsten Szene wie »Das Lied des Nabbt von Berditschew' nicht in einen Ton verfallen darf, der ans Schnoddrige grenzt. Auch war die Neihenfolge hier nicht taktvoll; denn auf diese eindrucksvollste Szene des greisen Zaddik, der ein Kabdtsch spricht, (von Herrn 6. Sonnabend-Sonini wirklich groß nachgefühlt, dargestellt und gesungen) durfte nicht das moderne, übermütige Duett der beiden Hachscharah-Mädels folgen. Dabei lösten Frl. Bienenstock und pomerenz ihre Aufgabe nett und fn'sch,, wie sie auch die Knaben-Ftguren des Abends reizend spielten. So: im ostjüdischen Stühl die szenische Darstellung der »alten Kasche, wann Meschiach well kummen' und die Melamed-Verulkung am Schluß. Künstlerischer Höhepunkt des reichen Abends waren die Verlebendigung zweier Volkslieder im russisch-jüdischen Stil »Oie beiden Ioschkes' und »Vun wannen kummt a Iid', die in Ideen, Typengestaltung und Vhytmus (mit der Musik von L. Schönbach) durchaus an die Gaben des berühmten russischen Kabaretts, »Oer blaue Vogel' heranreichten. Oer Leiter des Ganzen, Friedwald, zeigte sich noch in einer Soloszene »Maschke' als ein JÜDISCHER KILTIRBEND DRESDEN Zeughausstraße i, II. Fernruf 18 4 18 Geöffnet werktäglich 10—1 Uhr VORÄNZEXes; Sinfonie- Konzert des JüdischenTournSe- Orchesters Mendelssohn: Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt“ Brandmann: Variationen über ein palästinensiches Volkslied Beethoven: 7. Sinfonie . Sonntag, den 10. Januar 1937, 20 Uhr, Trianonsaal * Einzelpreise A: RM 3.50, 3.—, 2.25, 1.50 Vorverkauf: werktäglich von 10—1 Uhr Es empfiehlt sich dringend, Karten schon jetzt vorzubestellen.