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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-12-15 · 23 (15.12.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
23 (15.12.1936)
Date
1936-12-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2i Sette » Cewctnbeblfltt let Israelitische» Rellgionf gemelnbe St eiben auserwählte Volk ein Leben auch der körperlichen Weihe und Reinheit zu führen verpflichtet ist. Oer vom. traditionellen Judentum nie aufgegebene Anspruch der Judenheit, bas von Sott auserwählte und geweihte Volk zu sein, gründet flch ausschließlich in der Anerkennung und Erfüllung der göttlichen Lehre durch sein Volk. Nur durch das Leben in Heiligkeit, und hierzu gehört alS wesentlichster Punkt die Keuschheitsgesetzgebung der Thora, wird die Judenheit zum auSerwählten Volke. Diese begnadete Sonbersiellung kann uns, wie die Jahrtausende gelehrt haben, kein anderer rauben, als wir selbst. Denn sobald wir die uns auferlegten Pflichten von unS werfen, begeben wir uns der ethischen Vorrechte, die ausschließlich fle uns verleihen. Obwohl somit die Keuschheitsgesetze, wie die Thora ausdrücklich auch betont (III, 18, 24 ff, III, 19, 2 u. a. O.), aus ethischen Gründen gegeben sind, wird doch niemand mehr heute daran zweifeln, daß diese Gesetze auch von hygienischem Gesichtspunkte aus höchst bedeutsam sind. Wir ahnen heute noch gar nicht, bet wie vielen Geboten der Thora ähnliches der Fall ist. Nur muß uns gerade das Beispiel der Keuchheitsgesehe davon abhalten, ein Gebot, bet dem wir einen medizinischen Nutzen bei seiner Befolgung erkannt haben, nun so zu beurteilen, als wäre es uns ausschließlich aus diesem Grunde gegeben. Wir dürfen nicht in geistlosem Nationalismus die Vtbel zu einem bloßen medizinischen Natgeber herabzusehen. . Ein zweiter Grund, der uns eine richtige Würdigung der Bibel als Lehrbuch des Naturwiffens erschwert, ist die Schwierigkeit, den ganzen Sinn der biblischen Sprache zu erfassen. Dies gilt auch für den besten Hebraisten. Wir stehen der Sprache der Bibel zeitlich schon zu fern. Zwischen ihr und uns stehen zahllose Begrtffswandlungen dieser Sprache. Nur ein schwacher Faden, der uns führen muß, ist Überlieferung vergangener Geschlechter. Wir werden hierüber bald eingehender sprechen müssen. Trotzdem wir also weit von einer restlosen Würdigung dieser Seite der Vtbel sind, so ist doch für jeden, der unvoreingenommen BUCH HAN DLUNG KARL STRAUSS WAISENHAUSSTRASSE 25 FERNSPRECHER NR. 14 535; AN ZEIGEN-ANNAHMESTELLE FOR DAS G E ME I N D E 5 L ATT mit dem Wissen unserer Zeit die Bibel liest, ihr Wahrheitsgehalt auch auf naturwissenschaftlichem Gebiete egi überwältigender Eindruck. Kann man annehmen, daß dieses, die menschliche Erkenntnis jener Zett der Thoragebung und der ihr folgenden Jahrtausende überragende Wissen der Vibel die selbständige Konzeption eines Menschen ist? Man hat darauf hingewiesen, Mose sei ja durch die Schule des Wissens der ägyptischen Priester gegangen. Aber dieses Wissm war, soweit es uns bekannt ist, erfüllt von abergläubigen und vergöhten Vorstellungen. Auch die von nlchtjüdischer Seite auf die Vibel angewendete profane Literaturkritik, die den Pentateuch durch Zerstückelung und Zurückführung auf verschiedene Quellen zu analysieren versucht und damit unserem Verständnis näher zu bringen meint, löst dieses Nätsel nicht. Daß unser großer Lehrer Mose, außer den vielen Großtaten ethischer Erziehung, durch die die Thora menschliches Leben einst - aus tierähnlicher Bestialität erst zur von Gott gebotenen Humanität emporhob, auch noch nebenbei Naturkenntnlffe von unausschöpflicher Bedeutung selbst geschaffen und erfaßt haben soll, das scheint mir doch so unwahrscheinlich, daß ich für diese unjüdische Wissenschaft als Jude den Glauben nicht aufbringen kann. Wir entnehmen diese populär-wiffenschastliche Darstellung dem soeben erschienenen Luche »Gottesglaube und Naturerkenntnis* (Verlag G. Neu» mann, Irantfurt a. M.) des bekannten Mediziners. Amtliche Bekanntmachungen Zeittafel Gemeindeamt, Aeughausftraße 2, Telephon 14051 und 17887, geöffnet für den allgemeinen verkehr: werktäglich von 8-13 Uhr. Sprechzeit de» Syndikus u. Büroleiter vr. Saalheimer, 11 —13Uhr Geschästsführender Vorsteher: Herr Max Lesser. persönliche Rücksprachen mit den Vorstandsmitgliedern vermittelt da» Gemeindeamt. Sprechzeiten der Herren Nabbiner. vie Herren Rabbiner sind in sämtlicken seelsorgerischen, besonder» auch persönlich-religiösen Angelegenheiten wochentäglich zu folgenden Seiten zu sprechen: Rabbiner vr. Wolf, Aeughausftraße 1,3 , Telephon 14051 und 17887 Montag, Mittwoch und Freitag von 10-'/,12 Uhr. Der Gemeindedajan, Herr Rabbiner horow itz, Große Zwingerstraße 6, täglich 9-12 Uhr. Wshlfahrtsstelle; Sprechstunden Montag und Freitag von 9-ftll Uhr. Mittwoch von 3-»/i5 Uhr. Metderkammer: Ausgabe zur Seit nur auf schriftliche» Gesuch und erfolgte Bewilligung. Wirtschaftshilfe: Montag und Freitag von 9-Vf, 11 Uhr, Mittwoch von 3-1/,5 Uhr. varlehenskaffe: Montag und Freitag von 9-ftll Uhr, Mittwoch von 3— Uhr. Mittelstandsküche: Essenausgabe täglich außeb Sonntag von 12-13'/, Uhr, Ausgabe der Speisemarken Montag, Mittwoch und Freitag von 12 — 13 Uhr in der wohlfahttsftelle. wer den Preis von RM 0.45 bezahlt, braucht keine Speisemarken. Die Rüche befindet sich Seughausstraße 1. Trüg. I Bibliothek: Ausleihe: Sonntag von 11-12L«, Uhr. Mittwoch , und Sonnabend von 20 - 22 Uhr (Kostenlos). I Lesezimmer: Geöffnet Mittwoch und Sonnabend von 20— I 22 Uhr (Kostenlos).. ■ Knttnrbund: 10—1 Uhr. (Seughausstr. 1) Tel. 18418. Neuwahl des Semeindrrates Innerhalb der am 29. November 1930 abgelaufenen Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen (vergl. Bekanntmachung vom 15. ll. 1936, Gemeindeblatt Nr. 22/1936 S. 4) ist nur ein einziger gemeinsamer Vorschlag bei dem Unterzeichneten Gemeindevorstand eingegangen. Dieser Vorschlag entspricht den Erfordernissen von $ 14 Abs. 5 der GemÄndesahung. Gemäß ß 17 Absatz 8 der Gemeindesahung vom 5. November 1936 gelten die darauf ver> zeichneten Bewerber ohne Wahlhandlung für die Wahlperiode vom 1.1.37 bis 31.12.41 als gewählt. Oer Wahlvorschlag lautet: Gemeinsamer Wahlvorfchlag Vorsteher Max Lesser . Hermann Schocken vr. Walter Grün Samuel weiger Trich Schapira David Maerzon Gemeindeoerordnete Rudolf Apt Julius vadner Fritz Brauer Moses Hausmann vr. Friedrich 8 alzburg Hermann Markus herbett Treitel Leon Rosenkranz Meier Zucker Max Wieselmann Für die Gemeinderatswahl auf die vom 1. Januar 1937 beginnende wahldauer wird bei Tinreichung des gemeinschaftlichen Wahlvorschlages von einem Trsatzmännervorschlag abgesehen. Scheidet jm Laufe der wahldauer ein Vorsteher oder Gemeindeverordneter au», so wählt der Gemeinderat einen Trsatzmann mit zweidrittel Mehrheit. Rammt ein Beschluß des Gemeinderates nicht zustande, so ist die Reichsoettretung der Juden in Deutschland um Entscheidung durch einen Schiedsspruch zu ersuchen. \ Gemeinschaftlicher Wahlausschuß der Liberalen und Zionisten: vr. Grün, Apt, Brauer, vr Wienskowitz, Zucker Schocken, weiger, Bahner, A. Fischl, Rosenkranz. Oer Wahltermin vom 10. Januar 1937 kommt daher in Fottfall. Dresden, den 9. Dezember-1936. Der Vorstand der Jsraelittschcn Neligionsgemeinbe zu Dresden.

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