Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Ittr2t Seite S Lemeindeblatt der Israelit»,che» RelißtonDgemeind« DreDden r* JÜDISCHER KULTURBUND DRESDEN Zeughausstraße 1 II. * Fernruf 18418 * Geöffnet; Werktäglich 10—1 Uhr L y Ein willkommenes Chanukka- Geschenk: Karten u. Abonnements des Kulturbundes; letztere sichern feste Plätze zu wesentlich verbillligtem Preis. 4. Abonnementsveranstaltung Sonntag, den 6. Dezember 1936 20 Uhr im Trianonsaal Aufführung des Hamburger K u 11 u rb u n d-T h ea t e rs CROSSE LIEBE von Franz Molnär mit JENNY SCHAFFER als Gast Der neue Bühnenerfolg , . Erstaufführung für Dresden Einzelpreise A: RM 3,50, 3,—, 2,25, 1,50 Vorverkauf: werktäglich von 10—1 Uhr I Das Gesellschaftsstück 3ur Aufführung ver neuen Komödie „Große Liebe" von Franz Molnar OaS Gesellfchaftssiück ist französischen Ursprungs. In Frankreich ging man zuerst dazu über, die Sitten und Gebräuche des gesellschaftlichen Lebens auf der Sühne nachzuzeichnen. OaS ist nicht erstaunlich, denn »bie Welt, in der man sich nicht langweilt"' (oder doch langweilt?) war in dem vergangenen Jahrhundert vor allem in den Salons und Zirkeln von Paris zu finden. Wer dort verkehren durste, den umgab die Aura des Lebemannes oder der mondänen Frau, dort wurde die neueste Mode geschaffen, le dernier rri. Oie Sensationen waren die Affären dieser sich sonnenden Welt, ihre Intrigen und ihre Medisanren. Don Sardou bis Flers und Eaillavet bevölkern ln zeitlicher Abwandlung die Figuren dieser Salons die Sühne, elegant und lässig, gut angezogen, mit guten Manieren, charmant und nichtstuerisch, liebenswürdig, nachdenklich und hohl: Exponenten einer bestimmten sozialen Ordnung. Oer überwiegende Teil der französischen Sühnen spielt nur solche Stücke, die schließlich sich fest einem Schema einfügen lassen und allmählich zur Ausprägung zweier bestimmter Charaktere führen. Wie die comedia bell'arte die Figuren des Pantaleone, des Trust faldino, Srighella und der Eolombine gebiert, zeitigt das französische Gesellschaftsstück den »Äonvivant"" und die »Salondame"'. Held und Tragödin des klassischen Dramas entherolsieren sich im mondänen Salon. Don Frankreich schwingt die Gesellschaftskomödie nach zwei Sichtungen über, westlich nach England, östlich nach Wien. Zn der angelsächsischen Zone ist der Äegriff des »high life"" besonders ausgeprägt und darum besonders reizvoller Stoff der Sühne,- vor allem dann, wenn die szenischen Zndiskreditionen von einem, der zu dieser Welt gehört, begangen werben. Oskar Wilde stellt im Triumph die Gesellschaftskomödie auf die Äretter. Das typisch Französische entfällt und macht dem spezifisch Englischen Platz. Oie Aphorismen funkeln, die paradoxe schwirren durch die Luft, der liebenswürdige Snob ist Trumpf. Über allem scheint das geflügelte Wort Lord Gorings (im »Idealen Gatten"") zu stehen, der auf di« 'Frage seines Daters, ob er alles verstehe, was er spräche, nachdenklich antwortet: »Wenn ich mir genau zuhöre, ja"". In Wien dagegen bleibt der französische Einschlag des GesellschaftsstückeS unverfälschter erhalten. Man tut es ja ohnedies gem der »ville (umfert* gleich. Go ist auch der Lebensstil jener Schicht, bi« sich zur »Gesellschaft* rechnet, dem der französischen haute volee nah« verwandt. Ein bißchen senttmentalischer ist astes, resignierter, gemütshafter, ja auch ein wenig gesellschaftskn'ttscher. Im Schnihlerschen »Anatol"" wird diese ganze Welt sublimiert: leichtsinniger Melancholiker, süßes Mädel und- Mondäne sind die Figuren des Spiels, die der Stadt ebenso verhaftet sind, wie die »Dachrichten aus der Gesellschaft"" in den Zeitungen »Dom Thee der Fürstin So und so"", und dem »Sommersejour des pn'nzen lj.". Eine neue Abart des Gesellschaftsstückes entsteht endlich in Ungarn. Lengyel, Fodor und vor allem Molnär sind die Exponenten dieses Schrifttums, das Wiener und pariser Züge vereinigt und darüber hinaus in dem besonderen Wissen um die Wirksamkeit der szenischen Vorgänge exzelliert. Mit dem »Teufel"" ist Molnär über Dacht zu Duhm und Anerkennung gelangt. Schildert er dort noch das Leben der Dorkriegsgesellschaft, so zeigt er im »Spiel im Schloß"" bereits die spezifische Schichtung der Dachinflation: die Gesellschaft 'erweitert sich, indem sie zu ihrer Selustigung dem Künstler, besonders dem Äühnenkünsiler den Einlaß gewährt. Einen neuen Älickpunkt erwirbt sich aber der Dichter in seinem jüngsten Werk »Große Liebe"". Wohl besteht noch die alte Welt der nichtstuenden Exzellenzen und Hofrätinnen, aber sie schimmert als etwas Untergehenbes. Oie Welt der Arbeit ist in sie eingedrungeu und darüber hinaus meldet sich der bisherige Außenseiter, den nichts qualifiziert als die Persönlichkeit, das eigene Sein und das eigene Ich, und der daran geht, «ine neue Welt sich und anderen aufzubauen. Or. Hans Äuxbaum. . * KammermusikiAben- Das Leipziger Mendelssohn-Trio, das sich bereits einen guten künstlerischen Duferworben hat, zeigte nun erstmalig in Dresden sein ausgezeichnetes Zufammenspiel und künstlerische Auffassung. Oie Chanukka - Ueberraschung des Kulturbundes für unsere Jugend : Sonntag, 6. Dezember 1936 , JtiupstieciscUc Ma*tdftüfift€HSfUeU im Henrlette-Schle-Saal, nachmittags 2,30 Uhr Leitung: Max Wächter. Hamburg Musikal. Leitung: Kurt Behrens Eintrittspreise: Kinder 0,50 u. 0.30 RM - Erwachsene 0,75 u. 0,50 RM Abonnenten vtrwmrfm den an den Aboaiamantkartaa hAagandaa Out* •ahaln, dar fOr dla 1. Platzpettunp pOltip Ist. — Jupendllehe bis 14 «Jahn kennen dlts* Veranstaltung ohna Kulturbund-Ausweis besuchen.