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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-08-15 · 15 (15.8.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
15 (15.8.1936)
Date
1936-08-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ®em?inbeblott der Israelit,iche« NeltgionSgemeinde Dresden Nr. 15 So machte ein »Äalebos" (Saal habajit Hausherr), ein hochgebildeter Fabrikant, der in Deutschland Ingenieur - Wiffenschäften studiert hat, einen echten Kiddusch und las mir im Laufe des Abends noch schöne Artikel aus den in Warschau erscheinenden verschiedenen jiddischen und hebräischen Zeitungen vor. Dazwischen bekam ich seine schönsten Grammophonplatten mit jüdischen Gesängen zu hören u. a. ein Kaddisch von Herschmann» chassidijche Originalgesänge und liturgische Melodien des früheren berühmten Ehasan Ssierota. Oie gebildete und wohltätige Frau stammt aus sehr frommsm Hause; so wird das Andenken eines Onkels des Großvaters: Nabbi Simcha-Äinem aus ps^sucha hochgeha lten, von dem viele Legenden im chassidischcn Stil erzählt werden. Der älteste Sohn bekam sogar diesen Namen.- Simcha - Sinem. Freilich ist auch in diese Familie ein gewisser Konfliktstoff durch starke Assimilation der ältesten Kinder gekommen, von denen der Sohn studiert und die Tochter das Abiturium mit der besten Zensur bestanden hat, und die sich nun Seide nur als Polen und kaum mehr als Juden fühlen möchten. Als Gastgeschenk zum Abschied erhielt ich noch mit freundschaftlicher Widmung aus diesem Hause den tiefsinnigen Vornan von Scholem Asch „0er Thillim-Iud* in jiddisch geschrieben, von dem ich an dem Abend ein Kapitel unter wirklicher Ergriffenheit fast bis Mitternacht vorgelesen erhielt Eine weitere Gastfreundschaft besonderer Art war ein Tee-Abend, den ein Vorstandsmitglied der neugegründeten Iudaistischen Äibliothek gab, an dem ich u. a. einen zur Zeit an der Warschauer Universität tätigen, bedeutenden deutschen Ehemiker sprach, der den Stickstoff-Erfindungen Geh.-Nat Habermanns als Mitarbeiter assistieren durfte. Es^ waren Vertreter aller Nichtungen des polnischen Iudentums anwesend: Volks-Nationalisten, Zionisten, Total-Assimilanten, Sozial-Lundisten, Verfechter der Minderheitenverfaffung Orthodoxe und Liberale , EIN SCHONER MANTEL! Der ERES-MANTEL ist in jeder Einzelheit besonders gut und wertvoll gearbeitet, sodaß Sie nur Freude empfinden, wenn Sie ihn besitzen. Wir führen ihn I Laer & Sohn nur könig-johann-strassf Es würde zu weit führen, die Diskussionen, die aufeinanderprallten und die die Vielfältigkeit des jüdischen Lebenswillen offenbarten, hier wiederzugeben. Doch verstehe ich auch den Nus des in Warschau lebenden Führers Hillel Zeitlin in seinem neuesten Werke „Demamah wekol" (Stille und Laut): »Hört auf, verblendet zu sein!' Werft eure Doktrinen mit all euren ausgetüftelten Gegensätzen weg! Reicht euch die Hände, versteht endlich de» Sinn von Israels Existenz und befreit euch von euren Ketten: den Parteien!* Eva Büttner. Leitspruch Es ist kein Weg. der nur ins Leere geht — Da Er am Ende jeden Weges steht. Vertrauen Hinter dem Dunkel aller Schmerzen wartet das Licht - - O laßt uns tief lauschen in unsere Herzen! Hört - hört die Stimme, die zu uns spricht: ..Ich bin bei euch - fürchtet euch nicht — Ich' bin bei euch — verzaget nicht." — Hinter dem Dunkel wartet das Licht. Bewahrung Immer wieder - aus großer Not - brandet mein Schiff an sichere Ufer — - Der mich bewahrte vor jedem zerstörenden Riff — der große Rufer — immer wieder lenkt mich Sein großer Wille in die Geborgenheit — in die Stille guter Hände — - Immer wieder - aus großer Not — ruhe ich aus in geborgener Stille -. Wohin es mich treibt — Er geht mir voraus. Immer Sein Wille jagt mich durch Leiden bis vor sein Gesicht. — Nun ruhe ich lächelnd in Seinem Licht in guten Händen — —. Anno JoadiimsthoLSchwobe (Dresden). — al nefilas jodojim GoHeserlebnis im Alltag Maschinen rasseln - Worte fliegen hin und her — Es klingelt - Und es gehen Menschen durch den Raum — Es schlagen Türen - Und es rufen Stimmen - In diesem Raum Bin ich Mit vielen andern Tag für Tag. In langen Stunden meine Pflicht zu tun Heut', in gejagter Arbeit Ließ Ich, einer Mattigkeit begegnend, . Den kalten Strahl des Wassers > ' Ueber Puls und Hände rinnen. - Ich dachte nichts — Und fühlte nur die Wonne dieser Kühlung. Da tauchte — seltsam - Aus der Tiefe meiner Seele Der Segensspruch des Händewaschens auf. Und lauschend auf das Flüstern alter heil ger Worte - War ich neu belebt. — Grete Orbach (Dresden). (Abdruck aus der C.-V. Zeitung Nr. 30 vom 23. 7. 1936.) i

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