Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 14 (27.7.1936)
- Date
- 1936-07-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Gemeindeblalt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes MMWblMdesSWUen" '" “ ■ Verantwortliche Echriftleitung: üto Anfchel, Dresden / Verlag: Israelitische Aeligionsgemeinde Dresdcn-A. 1, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / ,/ Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Etcrnlichl. Dresden-A. 19, Gtübel-Allee 35 / / Ruf 34185 / / Annahmestelle für Inserate ebenda /• / Die 4mal gespaltene 40-mm-Zeile kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Gruhnert, Dr«sden-A. i, Simminjir. ci XII. Iahrg. Dresden, den 27. Juli 1936 Kummer 14 KULTURBUNDARBEIT Don Or. Hans Äuxbaum, Künstlerischer Arbeit des jüdischen stulturbundes hat drei Voraussetzun gen b;>v. Zweckbestimmungen. sie sind im Namen bereits be schlossen: ein B u n d, bestiinnit zur Vermittlung von (tu linr^ »verteil, die jüdisches Publikum berühre» und vo« j ü d i s ch e n M ü li ft i e r it dargebotcn werden. .Um mit dem letzteren zu beginnen: Es gilt in erster l'iitie in allen Bezirken der (tunstpflege, soweit sic nicht der Einzel betätigung Vorbehalten sind «also der Bildhauerei, der Malerei, der Tichtung und dem svlistischen wirken auf dem Gebiet der Musik bzw. der Rezitation), neue Organismen, neue Ensembles zu schaffe». Tas ist . gleichmäßig Wcbot für Trchcstcr-Bcr cinigiliigen wie für Theater-Ensembles. Alle ('icmcinschaftsknnst verlangt Zusammenschluß, Unterordnung, Abstimmung des Einzelnen auf den Zweck des (Mauzen, Zusaminenschwcißung einer Vielheit von ein-elnen Personen zur Einheit einer (Nsamtpcrsönlichkcit. Tie Aufgabe war und ist schwer. Es gab und es gibt eine Reihe guter uitd bedeutender jüdischer Musiker wie jüdischer Schauspieler, aber sie alle hatten noch niemals bewußt zusammen gearbeitet. Zn viele Lpicltruppcn zcr streut, in viele Drchesicivereinigunacn eingebaut, gcbörtcn sie gerade, diesem oder jenem Ensemble, gerade dieser oder jener Orchester Vereinigung an. Aus ihnen allen muß jetzt ein neues Orchester, ein neues Theater-Ensemble geschaffen werden. Es liegt auf der Hand, daß die Anfgabcn nun anders verteilt lvcrden müssen, aber es ist ebenso klar, daß Lücken entstanden sind, die nur langsam und durch behutsame Pflege des zu fördernden Nachwuchses ausgeglichen lvcrden können. Auf dem letzteren Punkt liegt der Hauptakzent der stulturbund-Arbeit, soweit sieden reproduzierenden stünstlcr betrifft. Tic .st u l t u r w e r t e , die jüdisches Publikum «»gehen und berühre», sind mannigfaltiger Natur. Um den jüdischen Aus druck der stunst wird begreiflicherweise noch gerungen, und ernsthaft gerungen. °Tas Bewußtsein der jüdischen Verbunden heit ist viele» nicht immer klar gewesen, stunst aber, jegliche stunst verlangt Tistanz. Aus dem ('Miete des Tramas waren gewiß einige Werke vorhanden. Wir nenneit „Zaakobs Traum" von Beer-Hofniann' und wir nennen „Zercinias" von Ltephan Zweig. Verheißend sind auch die Versuche, die vom palästincn sischen Theater ausgchrn, und die teilweise, wenn ihre llbcrtragung aus unsere Theatcrvcrhältnisie gelingt, dem stultur bnnd-Publiknin zugänglich gemacht werden müssen. Von vielen berufenen und noch mehr unberufenen Leiten wurden, in der Absicht jüdische Tramen zu schreiben, jüdische Ltoffc der Vergangenheit, meist biblischer Natur bearbeitet. Wesentliches und Fruchtbares ist dabef nicht hcrausgekommen, weil die Gesteck. teiter des Jüdischen Kulturbundes Hamburg tungskraft zum stuiistwerk nicht ausreichte, denn im Mittelpunkt alles zu bietenden innß immer das künstlerische Erlebnis stehen, .(rönnen und Berufung müssen sich;ti jener Einheit verbinde», die dem Zuschauer Erbauung oder Ent spannung vermittelt. Lo wird zwangsläufig der strcis der zu bietenden (tunstwerke ergänzt durch jene Werke ewiger Geltung, die der Genius in einer glücklichen Ltunde geschaffen hat.-Tie Bevorzugung des jüdischen Elementes dabei ist selbstverständlich und notwendig, ob es sich nun auf das Urgeschaffcne selbst oder aus wesentliche Bearbeitungen bezieht, Über allem aber thront der Grundsatz der, Vermittlung von st u l l u r w e r l e n , also jener Werke, die durch hohen künstlerischen Rang oder ein . drucksvolles stönneu sich bewähren, und die wesentliche Ele mente künstlerischen Genusses dem Publikum vermitteln. Tiefes Publik u m endlich soll durch einen Bund, gemeinsame Bindung, sich zu einem einheitlichen (Nutzen zusammen schließen. Tas ist der hohe Linil der stulturbund-Zdee und ihr höchster Vorzug. Einheitlichkeit de/ Publikuinsschicht, von je mit Eifer erstrebtes Ziel, hier ist die Möglichkeit der Verwirk lichung gegeben. Lozialc Schichtung, verschiedener Bildungs gang, heterogene Geschmacksrichtungen bildeten sonst trennende steile der Zuhörerschaft. Hier bei uns soll die geincinsaine ('iegenwarl ebenso starke Bindung, Band der Vereinheitlichung sein, wie das Bewußtsein gemeinsamer Vergangenheit und der Ausblick auf gemeinsame Zukunft. Tie jüdischen Menschei/ solle» eins werden im Erlebnis des stnnstgennsses, der sie alle gleichmäßig ängeht. Tic Aufgabe ist groß, aber airch lockend. Alle Beteiligten müssen ihr gerecht zu iverden versuchen: der stünstler, der gebende Teil, aber auch das Publikum, der empfangende Teil. Diele edl> Güter sind in unsere Hand gegeben. - T.Isit sie uns bewahren! * Tie Leitung des Züdischen stulturbundes Tresdc» hat mit der des Züdischen stulturbundes .Hainburg ein ttbcrein kommen zur geincinsamen Pflege jüdischer Lchauipiclkunst getroffen. Tas Hamburger Ensemble, das bereits im vergange neu Fahr mehrere. Male'in Tresden gastierte, wird regelmäßig in Tresden Theatervorstellungen veranstalten, ivobei die Wünsche der Trcsdncr Leitung im Lpielplan weitgehend berück sichtigt werden. Tie beiden stnlturbünde hoffen auf diese Weise dem gepflegten Theater eine Heimstätte bereiten und durch ge meinsamen Einsatz dem Vnblikum maßgebende Eindrücke ver Mitteln zu können. Tie Lpielzeit wird noch vor den Feiertagen Anfang Lep