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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-07-01 · 13 (1.7.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
13 (1.7.1936)
Date
1936-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemeindeblalt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes MeilW;blMi>e;5WlAi>" " Verantwortliche Schristleitung: Leo Anfchel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinbe Dresden-A. 1, Zeughausstraße 3 / Ruf 14031 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Gternlicht, Oresben-A. IS, Etübel-Allee 33 / / Ruf 34183 / / Annahmestell« für Inserate ebenda / / Die 4 mal gespaltene 46-mm.Zeile kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Sruhnert, Dresden-A. i, Ammonstr. bl ■-*4\ XII. Iahrg. Dresden, den 1. Juli 1936 Kummer 13 Julius Brodnitz s. A. Am 16. Iuni starb im 70. Lebensjahre an den Folgen eines Autounfailes Iustizrat Julius Ärodnih, der Vorsitzende des Eentralvereins. Oie Iudenheit in Deutschland ist damit um eine Filhrerpersönlichkeit ärmer geworden, wie sie nur selten in unserer Mitte zu finden ist. Jahrzehntelang stand Iulius Arodnih im Dienste der jüdischen Gemeinschaft, gestaltete jüdisches Geschehen in Deutschland; gleichviel ob es sich um die großen Fragen oder um die Dinge des Alltags handelte, stets mit der gleichen Aufopferung. Gr war ein Mensch, der in einer Zeit ausgewachsen war, in der Sicherheit und Wohlstand unsere Gemeinschaft segneten. Aber diese glücklichen äußeren Umstände führten ihn nicht zur Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit, sondern sie wurden für ihn zur Grundlage, auf der sich seine harmonische Persönlichkeit aufbaute. Seine Herkunft aus dem posener Judentum brächte es mit sich, daß seine Verwurzelung mit dem Jüdischen etwas Selbstverständliches war. Sechzehn Iahre lang lenfte er die Geschicke des Eentral-Vereins als dessen erster Vorsitzender, nachdem er vorher, unter dem Vorsitz von Horwitz und Eugen Fuchs, zwei Jahrzehnte lang bereits an führender Stelle gestanden hatte. Unter seiner Leitung wurde der.E.-D. zu der starken und straffen Organisation, die ihm dos Vertrauen der weitesten jüdischen Kreise in Deutschland verschaffte. Sein starkes jüdisches Gemeinschaftsgefühl kam auch in seinem Verständnis für gesamtjüdische Zusammenhänge zum Ausdruck, in feiner Arbeit für den Hllfsverein der Juden in Deutschland, für die Gesellschaft »Ort* und in seiner Äereitschast für das Palästinawerk. Sein Streben nach Festigung der jüdischen Grundhaltung führte ihn auch zu einer aftiven Förderung religiöser Aufgaben. Gr war ein lebendiges Beispiel dafür, daß Menschen, deren Leben voll von Pflichten ist, auch Zeit für die Allgemeinheit hohen, wenn sie an ihre Arbeit mit warmen Herzen, mit ganzer Seele und wirklichem Können Herangehen. Keiner seiner Mitarbeiter konnte sich diesem Leispiel entziehen. Als daS Iahr 1933 die Juden in Deutschland vor neue, früher nie geahnte Fragen stellte, war es Iulius Ärodnih, der als einer der ersten für einen stärkeren Zusammenschluß eintrat, und der durch den Einsatz seiner Persönlichkeit als Führer des G.-V. den Weg für die Schaffung des Zentralausschuffes und der Reichs- Vertretung ebnete. Wie sehr diese Tätigkeit von der Reichsvertretung gewürdigt^ wurde, zeigt das Veileidsschreiben der- > selben, in dem es unter anderem heißt: »Er war ein Mittelpunkt jüdischen Denkens, jüdischer Gläubigkeit in unserer großen Gemeinschaft. Au ihm sprach, was alle' im Innersten bewegt, und was er sprach, hat unser aller Seele erfaßt. Er sah das Ganze nnd hörte das Ganze. Iede Lesonderheit war ihm Vesonderheit um des großen Ganzen willen. Sein Rat, seine Entschiedenheit vor allem bat dem Zusammenschluß der Juden in Deutschland den Weg gebahnt, hat unserer Reichsoertretung den Loden bereitet. Al? Mahner zur Verbundenheit, als Hüter der Einheit, immer aufrecht, immer aufn'chtig und immer begreifend, zu jedem Opfer bereit und darum befugt, Opfer zu fordern, wie ein guter Geist der Gemeinschaft, Leweis und Vorbild, so stand er in unserer Mitte. Das soll er bleiben." Wir sahen,mit Staunen, wie seine Spannkraft wuchs mit der immer größer werdenden Verantwortung. Er durchdrang das Schicksal, das den Iuden in Oeuffchland widersahren war, in jeder Phase und bis in seine letzten Folgerungen, aber ungebrochen bemühte er sich, dieses Schicksal zu meistern. Er ließ sich nicht umreißen durch den Strom der Geschehnisse, sein Rat und seine Art zeigten uns die Richtung der neuen Arbers. Mit Dresden war er durch freundschaftliche Lande verknüpft. Er kam gem zu uns und viele unserer Gemeindemitglieder werden sich an die Vorträge erinnern, die er hier gehalten hat ünd die jedem von uns viel gaben. Run ist sein beredter Mund verstummt, nun Hot er die Feder aus der. Hand gelegt, dieser stets wache und wachsame Mensch ist zur letzten Ruhe gegangen. Die Führer der jüdischen Zentralorganisationen und die engeren Mitarbeiter des E.-D. müssen ihre Arbeit ohne seinen klugen Rat fortsehen. Sie werden dies nicht besser tun können, als wenn sie sich von dem Hingabewillen und Derantwortungsbewußtsein leiten lassen, die Julius Ärodnih auszeichneten. 09^4817919396^679^94

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