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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-06-15 · 12 (15.6.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
12 (15.6.1936)
Date
1936-06-15
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Gemeindeblatt bet Israelitischen Religionsgemeinde Dresden S«H* 5 t Jüdischer Kulturbund Dresden Mit öem dfjeatergaftjpiel am 7. Juni hat der Kulturbund seine Spielzeit 1935/36 abgeschlossen. Die neue Spielzeit beginnt am I. September und zwar wiederum mit einer Iheateraufführung. An der Vorbereitung der Deranftaltungen der neuen Spielzeit wird bereit; gearbeitet, wir hoffen, da; vollständige Programm mit Daten Ende Juli unseren Mitgliedern vorlegen zu können. Die Erneuerung der Mitgliedschaft und die Abonnementein. Zeichnung beginnt am 1. August. Da; Kulturbundbllro bleibt bi; Ende Juli geschlossen. Abend Dresdner Künstler Oer ausgezeichnete Dresdner Musiker Walter Soldmann hat sich den begabten, jungen Pianisten «Siegfried «Sonnenschein zu einem trefflich eingespielten Pachter herangeschult/ sodaß beide an zwei Flügeln gemeinsam mit außergewöhnlichem Erfolge schwierigste Werke dieser Musikgattung aufführen konnten. «So bewältigten sie Max Negers »Variationen und Fuge über ein Thema van Beethoven* sowohl in der geistigen Erfassung des Aufbaues, wie in der farbigen Technik bewundernswert, und auch das etnfle L-Our-Konzert von Foh. «Seb. Bach brachten sie in edelem Stil, klar auf einander abgeflimmt zu Gehör. Einen ganz besonderen Genuß bereiteten dem Publikum die von Rokoko-Heiterkeit umspielten Bearbeitung Mozart'scher Musik von Ferruceio Busoni, von denen Ouettino eoncertante wiederholt werden konnte. Oie fabelhaften Schwierigkeiten dieser von entzülkendem Figurenwerk und graziöser Rhythmik überquellenden Musik kamen kaum zum Bewußtsein, da die beiden Dresdner Pianisten es durch sorgfältigstes Studium zu einer vollendeten spielerisch leilhten Beherrschung gebracht chatten. - Oie Altistin Herta Mautner-Falk vermittelte durch Lieder von Tsthaikowsky, Josef Marx und Rich. Strauß mit ihrer warm timbrierten Stimme wieder schöne lyrische Stimmungen. Eröffnet wurde der Abend durch den früheren Dresdner Staatstheaterschauspieler Siegfried Lewinsky, der drei Dichtungen von Bialik sprach, von denen ihm das melancholisch > geheimnisreiche »Nach meinem Tode* besonders eindrucksvoll gelang. Oie als zionistische Hymne über die Welt verbreitete gedankenreiche Dichtung »Gegen des Volkes* (»Birkat Am*) wirkte auch stark in der deutschen Übersetzung mit ihren begeisterten Rhythmen bis zum letzten »Empor!* Oie Rückwand des Podiums war geschmückt mit zwei Ölgemälden des in Dresden ansässigen Malers Bruno Gimpel: Stillleben, auf denen Blumen und Früchte künstlerisch-lebendig dargestellt waren. E. B. Gastspiel des Hamburger KuliurbundtheaterS: „Meine Schwester und ich" Mehr dem Kalender als der Witterung entsprechend machen auch unsere Kulturbundtheater langsam Gommer d. h. sie rasten nicht sondem sewieren angenehme, leichte Kost. Erfreulich, wenn es in solcher Vollkommenheit geschieht wie bei diesem 2. Gastspiel unserer in Dresden bald heimischen Hamburger Freunde. Nicht nur das Stück selbst, das aus dem Französischen stammende Lustspiel »Meine Schwester und ich*, das eigentlich erst durch Benatzkys musikalische Einkleidung populär geworden ist, unterhielt wieder aufs beste, auch der künstlerische Gesamtorganismus, bas Fneinanbergreifen von Regie, Musik, Tanz und Bild, unterstützt durch allerhand nette Einfälle, machte den Abend zu einem Genuß. Oie Linie, auf der der Leiter Or. Buxbaum das Ganze hält, war mit Recht nicht eine i>er Operette angenäherte sondern, wie es sein muß, hie des wirklichen Lustspiels in Musik, die Verbindung von feinem Konversationston und pointiertem Sprechgesang. Oie in der Litera § tur verankerte Fabel von der romantisch bürgerlichen Liebe einer prinzessiin hat ja an sich schon etwas unfehlbar ans Herz Greifendes, nun gar, wenn rottenmäßig sehr geschickt, die drollige List der Maskierung als eigene fingierte Schwester und die Rahmenhandlung eines Scheidungsprozesses wegen »unüberwindlichen Wohllebens* des dazu verurteilten »Prinzgemahls* hinzutritt und wenn vollends Text- und Schlagermelobien schmissiger Benahkyscher Erfindungskraft im Ohre wieder aufteben. Das Lied der Prinzessin von der H'ebe - »ich lade Sie ein, Fräulein* - »mein Mädel ist nur eine Verkäuferin*, endlich die sehr drollig vorgetragene Songnummer »man liebt in Astrachan* - alles zwar durch Radio, Film und Platte wohlbekannt, machte doch wieder großes Vergnügen und wurde oft da capo verlangt. Eine besondere Überraschung war es, die Mehrzahl der Künstler von neuen Seiten kennen zu lernen. Das gilt namentlich von E. H Fasse, dem erst schüchternen, dann aber feurig liebhabernden, schließlich aufmuckenden Bibliothekar und Musikprofeffor, der neben einer klangvollen Singstimme auch über tänzerisches Können, verfügt, mit dem er die Rolle durchdringt. Reizend wieder feine Partnerin, die hübsche Liselotte Kohn, nicht so überzeugend als große OamF wie als bürgerliches Oouble, wenn auch mit kleiner Stimme. Ihre Vorgängerin im Echuhladen, Edith Herßlik, scheint ein ganz eigenartiges, echtes Soubrettentalent zu sein; quicklebendig und komisch Appel als Ehef, nur war an seinen schnellen Wortverdrehungen akustisch vieles nicht verständlich. Kodier, der Kunde mit dem Loch im Strumpf und den verkehrt angezogenen Schuhen und Melchior als ungarischer Graf wirkten wieder sympathisch, Schindler war ein humaner Präsident und Wächter nicht bloß ein diskreter Kammerdiener sondern zugleich ein geschickter Arrangeur der Tänze. Eine Hauptschwierigkeit war das Fehlen des Orchesters, übrigens auch in den anderen Städten. Oa aber Not erfinderisch macht, gelang es den ihren Part an zwei Flügeln virtuos, nur etwas zu stark ausführenden Künstlern Kurt Behrens, dcm eigentlichen Musikleitcr, und Or. Hirsch, emem in Dresden nicht Unbekannten, die Klippe kunstvoll zu überbrücken. Schließlich hatte noch Alfred Müller außerordentlich behagliche illusionskräftige Bühnenbilder geschaffen. «So erlebte man in fließenden Rhythmen (und. obwohl diese Musik ja schon nicht mehr le dernier cri ist) einen durch alle Akte, Pausen, Verwandlungen sehr vergnüglichen Abend, der bis Zum Schluffe fesselnd zugleich angenehme Perspektiven auf seine Nachfolger, hoffentlich mal in günstigeren Räumen, eröffnet. ' reb. Ihre Reisegepäckversicherung wie alle Versicherungen ' durch Gerson, Chemnitzer Straße 44 — Ruf 45827 . iiiiiiiii ijimiHiUKniiiniijj 1 DAS SPEZIALHAUS j I FÜR I } DAMEN-KONFEKTION { t'fOtdfn&HH' | | W AM ALTMARKT f

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