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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-05-15 · 10 (15.5.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
10 (15.5.1936)
Date
1936-05-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Sette 3 Eine Neuerung im Gemein-eblatt Don der nächsten Dummer ab richten wir eine Gchachecke ein. Wir bringen interessante Partien und Schachprobleme aus der jüdischen Schachwelt. Besonderes Bemühen wollen wir darauf verwenden, aus dem jüdischen Schachleben Dresdens und Sachsens Mitteilungen und Anregungen zu vermitteln. Die zum Abdruck gelangenden Partien werben glossiert, und zwar hat die Leitung der Gchachecke Herr Isaak Schöner, Dresden, übernommen. Die Lösungen der in der Gchachecke zur D«röffent> lichung gelangenden Probleme sollen an bas Semeindeblatt »Gchach- «<fe* eingesanbt, die Damen der Einsender richtiger Lösungen werben veröffentlicht werden. Erwünscht wäre die rege Mitarbeit der jüdischen Schachfreunbe Dresdens und anderer sächsischer Gemeinden durch Einsendung gut gespielter Partien oder guter (nicht nebenlöflger) Probleme (nur. Originalprobleme!). Auch gelegentlich« Schachauskünfte wird die Gchachecke auf schriftliche Anfrage erteilen. Warum aber Gchachecke in einem jüdischen Gemeindeblatt? Ole Beschäftigung mit dem Schachspiel, dem »königlichen* unter den Spielen, ist zweifellos geeignet, mehr zu sein als ein angenehmer Zeitvertreib und darüber hinaus - das beweisen die gut geleiteten und sich steigender Beliebtheit erfreuenden Schachabtetlungen unserer beiden hteflgen Sportvereine - geeignet, den Zusammenschluß der Gemelndemitglieder zu fördern. Dies aber ist zweifellos eine Aufgabe der Semelndeblätter: den Kontakt der Mitglieder untereinander und mit der Gemeinde herbeizuführen und zu verstärken. Wir glauben, baß viele Mitglieder durch Anteilnahme an der Schachecke des Gemeindeblattes noch stärkeres Interesse an dem Blatt der Gemeinde und damit der Gemeinde selbst nehmm werden. Daß die Iuden zum Schachspiel seit alterSher eine ganz besondere Beziehung haben, ist bekannt und bedarf nicht erst der Darlegung. Weniger bekannt dürfte es sein, wie vielfältig die Berührungspunkt« von jeher waren. Hierzu gibt ein Aufsah aus der Feder des berühmten, in Leipzig ansässigen Schachmeisters Mieses und des Wiener Dabbiners und Schriftstellers Or. Samuel Dappaport (veröffentlicht im »Jüdischen Lexikon*) interessante Ausschlüsse. Er sei zur Einführung der in der nächsten Dummer erstmals erscheinenden Gchachecke hier abgedruckt. Schachspiel bet den Juden In dem Lieblingsspiel eines Menschen liegt ein psychologischer Fingerzeig für seinen Eharakter, dies trifft auch auf ganze Völker und Dassen zu. Don diesem Standpunkt aus wird die Tassache bedeutungsvoll, daß die Juden von jeher leidenschaftliche Schachliebhaber gewesen sind. Unter den reinen, vom Zufall unbeeinflußbaren Derstandessptelen nimmt das Schach unzweifelhaft eine Sonderstellung ein. Da es sich bei den verschiedenen Dationen gerade in den Epochen allgemeinen kulturellen Aufschwungs besonderer Beliebtheit erfreut hat - im 15. und 16. Jahrhundert in Spanien und Italien, im 18. Jahrhundert in Frankreich, dann in England, später in Oeusschland und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gleichzeittg mit dem Erwachen seiner Literatur, in Dußlanb -, kann das Schach als eine Art nattonalen Kulturgradmessers bezeichnet werden. Dt« Iuden nehmen seit jeher''im Schach und in der Schachltteratur eine hervorragende Stelle ein. In richtiger Würdigung dieser Tassache enthält denn auch das ftasstsche Werk von A. van der Lind« »Geschichte und Literatur des Schachs* einen besonderen von Moritz Steinschneider bearbeiteten Abschnitt: »Schach bet den Juden*. Zwar dürfte der bekannte Orientalist Franz Delitzsch Unrecht haben, wenn er in seiner Schrift »Uber das Schach und die damit verwandten Spiele ln den Talmuden* behauptet, daß schon Hermann Haugk Nachf. KÄeizyn Herren-Hüte — Herren-Möde n Prager Straße 37 Herren-Wäsche im Talmud Andeutungen auf das Schach vorkämen, denn nach den neuesten Forschungen soll das Schach oder sein Vorläufer erst in der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts in Indien erfunden worden sein, während der Talmud ungefähr ioo Jahre vorher abschließt. Aber bereits in jener frühen Zeit, wo in Europa noch nicht die modemen, sondern die arabischen Spielregeln galten, sind hebräische Schachschrifien erschienen. Möglicherweise rührt überhaupt die älteste europäische Beschreibung des Schachs von Abraham ibn Esra (geb. 1088) her, dem ein aus 76 Versen bestehendes hebräisches Gedicht zugeschrieben wurde, das den Gang der Schachfiguren und den Verlauf einer Partie in poetischen Wendungen schildert; indessen erscheint die Autorschaft ibn Esras doch aus mehrfachen Gründen zweifelhaft, und das Gedicht könnte auch erst im 13. Jahrhundert,- und sogar noch etwas später entstanden sein. - Auch bei Juda halevi und anderen hebräischen Dichtem und Schriftstellern des Mittelalters wird das Schach gelegentlich erwähnt. In Frankreich, Jtalim und Deutschland sind im Mittelalter und in der späteren Zelt mehrere von jüdischen Dersaffem herrührmde, zum Teil in hebräischer Sprache geschriebene, interessante Sprachbüchlein erschienen. Bei den deutschen Juden insbesondere scheint im 17. und 18. Jahrhundert das Schach in sehr hohem Ansehen gestanden zu haben. 1711 beschloß die jüdische Gemeinde zu Frankfurt a. M., als im Judenviertel ein großer. Brand gewütet hatte, daß »aus Betrübnis und zur Buße* 14 Jahre lang alle Spiele verboten sein sollten, mit einziger Ausnahme des Schachs. Dem Umstand, baß Moses Mendelssohn ein guter Schachspieler war, ist seine für die deutsche Literatur so erspn'eßliche Freundschaft mit Lefsing zu verdanken, die mit einer von dem Berliner Literaturfreund Gumperz eingeleiteten Schachpartnerschaft anfing. Gelbst in den ftömmsten Kreisen des Ostens wurde das Schach nicht alS müßige Zeitverschwendung, als »Spiel* angesehm, sondem als nützliche Lhochma, d. h. Wissen, gewertet, durch das der Geist geschärft und entwickelt wird. Einer der wenigen, die das Schach wegen Beelnträchttgung des Talmudstubiums nicht billigten, ist Elia hakohen aus Smyrna (18. Jahrhundert), Verfasser des vielgelesenen Slttenbuches Schewet muffar; doch drang seine Ansicht nicht durch. Das Schach war und ist bis heute auch bei Lhassidim und selbst im Hause mancher Zaddikim heimisch. Oie Juden waren in allen Zeiten von nichtjüdifchen Liebhabem des Schachs als parMer begehrt. Hochstehende Persönlichkeiten, Bischöfe, auch Päpste, Fürsten und Adelige pflegten jüdische Schachspieler zu suchen, um sich mit ihnen zu messen. Bis in die neueste Zelt pflegten polnisch« Adelige beim Verpachten ihrer Güter und beim Abschluß von Geschäften Juden vorzuziehen, von denen sie wußten, baß fle im .Schach erfahren sind. Dicht selten erlangten Juden wegen ihres gediegenen Schochs Ansehen und großen Einfluß, den fle dann zu Gunsten ihrer Volksgenossen geltend machen konnten. Das Schach am Sabbat ist, trotz der von manchen Dabbinen geäußerten Bedenken, im allgemeinen für erlaubt erklärt worden. EIN SCHONER MANTEL! Der ERES-MANTEL ist in jeder Einzelheit besonders gut und wert voll gearbeitet, sodeB Sie nur Freude empfinden, wenn Sie ihn besitzen. Wir führen ihn! Laer & Sohn NU» KÖNIG -J0U AN N-STR ASSE

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