Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 9 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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i ^tmetalellatt let $f ta«tittffr«» Relt>to»ti« m« t»de Dretde» llr. 9 Funktion und Bedeutung des Keren Kajemeth Lejisrael im Ausbau-Prozeß Fortsetzung und Schluß aus voriger Kummer. Sr sollte nicht eher in Tätigkeit treten, als bis er die Summe von 200 000 englischen Pfund aufgesammelt hätte SOief« Bestimmung ist später nicht ganz inne gehalten worden. Eie hatte nichtsdestoweniger Bedeutung insofern, als der Keren Kajemeth Lejisrael immerhin eine nicht unerhebliche finanzielle Stärke erreicht hatte, als er zuw ersten Mal als Käufer in Palästina auftrat. Denn dieses ist die erste beinahe simple Bedeutung seiner Existenz: daß er nicht hier und da, sondern nach wohlüberlegten, von den allgemeinen Zielsetzungen des Aufbauwerkes bestimmten Dichtli'ni'en als Käufer großer Flächen wirksam wird. Es leuchtet ein, daß dadurch der Erwerb des Bodens sich ganz wesentlich rationeller und billiger gestaltet. ■ Oie zweite große Bedeutung des Keren Kajemeth Lejisrael liegt dann, daß er den Boden als »unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes" erwirbt. Dadurch ist der Übergang des Bodens in nichtjüdische Hände grundsätzlich ausgeschlossen,- was der Keren Kajemeth Le-sisrael gekauft hat, bleibt jüdischer Besitz, kann niemals aus Gründen irgendeiner Dentabilitäts - Erwägung, die für einen Privatmann immerhin unter Umständen maßgebend sein könnte, dem jüdischen Volke verloren gehen. Aus der Tassache, daß der Boden dem Doste in seiner Gesamtheit gehört und für immer gehören soll, folgt logisch, daß der einzelne Jude nur als Pächter ihn bearbeiten darf. Oer Siedler auf nationalem Boden siedelt auf Grund des Erbpacht - (in den Städten des Erbbau-) Dichtes. Er bleibt von vomherein vor der Versuchung bewahrt, den Boden zu irgendeinem Zeitpunkt - »vorteilhaft zu veräußern": seine Arbeit kommt immer der Gesamtheit und der Volksgemeinschaft zugute. Oer Einwand, daß letzte Energie und äußerste Anstrengung von Menschen immer nur dann erwartet werden können, wenn sie in der Hoffnung leben, daß die Früchte ihrer Mühen ihnen selbst bzw. ihren Dachkommen zufließen werden, daß also der Pächter immer ein schlechterer Wirt sein müsse, als der Eigentümer, ist leicht zu widerlegen; das Erbpacht-Decht des Keren Kajemeth Lejisrael sieht vor, daß die Nachkommen des Siedlers einen bevorzugten Anspruch daraus haben, auf dem Boden sitzen zu bleiben, den ihre Väter berests bewirtschaftet haben. Oie Pachtzinsen (auf ländlichem Boden 2 n/c, auf städtischem Boden 4"/,) stießen dem Keren Kajemeth zu; so kommt die Grunb- Dente stets der Allgemeinheit zugute, und da alle zehn Jahre . P/psmc | Ein Begriff für beste Stoffe und vorbildlichen Schnitt Für Ihre Reise Anzug, Costum von original englischen Tropical Fresko : | POSNER & CO., HERRENSCHNEIDER! HEMDENMACHER 1 PRAGER STRASSE 32 — FERNRUF 19284 der Wert des Bodens neu eingeschckht wird, bleibt die Allgemeinheit auch im Genüsse der Wertfieigerung, die die Arbeit des Einzelnen herbeigeführt hat. Eine weitere fundamentale Bestimmung des Keren Kajemeth besagt, daß es auf seinem Boden nur Gelbstarbeit geben dürfe. Niemand erhält mehr Land zugewiesen, als er mit-Hilfe eigener Kraft, ohne Zuhilfenahme fremder Landarbeiter, bebauen kann; so kann nicht jene furchtbare Armee - landloser Landarbeiter entstehen. die in allen anderen Staaten als Folgeerscheinung des privaten Grundbesitzes, insbesondere Großgrundbesitzes, zu finden ist und 'dort eine dauemde Gefahr der sozialen Ordnung darstestt. Oie Nationalisierung des Bodens ist mithin Ziel und Ergebnis der Arbeit des Keren Kajemeth Lejisrael. Ss kann für eine jüdische Denaissance-Bewegung kein anderes Programm geben. Würde sie den Bodenkauf völlig der privaten Initiative überlassen, so käme es unweigerlich nicht nur zu einer ganz hemmungslosen Boden-Spekulation, sondern auch zur Bildung eines Großgrunbbesitzes, der Landarbeiter beschäftigen müßte, ohne sie jemals als Selbständige ansiedeln zu können. Niemals käme es zur Bildung einer jüdischen Bauernschaft, die doch allein die Grundlage der jüdischen Degeneration sein kann, ja darüber hinaus, niemals könnte auf solche Weise Palästina wieder allmählich «in jüdisches Land werden. Denn als Landarbeiter bleibt der Jude der billigen Konkurrenz arabischer Arbeitskraft dauemd unterlegen, und wir alle wissen, daß letzthin das nastonale Gesicht eines Landes immer von dem Volke bestimmt wird, das den Boden mit eigener Hand bearbeitet. Oie polisische Entwicklung in Europa seit dem Weltkriege hat mit schonungsloser Deutlichkeit bewiesen, daß auf die Dauer eine schmale Herrenschicht von Großgrundbesitzern gegen das politische Schwergewicht einer proletarischen Landarbeitermaffe anderer Nationalität nicht zu behaupten vermag. Alles bas war den Schöpfern des Keren Kajemeth Lejisrael deutlich. In der palästinensischen Entwicklung hat es sich seitdem hundertfach als richtig bewährt. Oie Kolonisation der Ehowewe Zion und des Barons Dothschild stagnierte. Arabische Arbeit herrschte in den Dörfern, und die zionistischen Arbeiter, die mit der sogenannten II. Alijah seit 1905 aes Dußland nach Srez Israel gingen, kämpften in diesen Dörfern einen Verzweiflungskampf um das Decht auf Arbeit. Es ist kaum zu sehen, wie sie diesen Kampf hätten bestehen, geschweige denn irgendwann einmal zu selbständiger Ansiedlung hätten gelangen können, wenn ihnen nicht die Zionistische Organtsatton mit dem von ihr begründeten Keren Kajemeth Lejisrael zu Hilfe gekommen wäre. Aller Idealismus von Pionieren wäre umsonst gewesen, wenn nicht der Idealismus derer, die für das jüdisch« Volk in Palästina eine Heimstätte schaffen wollten, durch die Begründung und Stärkung des Keren Kajemeth Lejisrael den Weg zu einer Kolonisation selbsiarbeitender Menschen geebnet hätte. Oie Zusammenfassung von Arbeiter-Gruppen und ihre Ansieblung in Kinereth und Oagania, unter der Leitung von Or. Arthur Duppin, die seit dem Jahre 1908 erfolgt«, wäre undenkbar gewesen, wenn nicht der Keren Kajemech hierfür auS feinem Besitz Böden zur Verfügung hätte steflen können. Oie ersten Kwuzoth, deren unter Mühsal und Entbehrungen gesammelten Erfahrungen für den weiteren Fortgang der ganzen landwirtschaftlichen Kolonisation von höchstem Wert geworden sind, find auf' diese Weise gewissermaßen die Töchter des Keren Kajemeth. Aus der lebendigen Darstellung, die Josef Baraz über die Anfänge von Oagania verfaßt hat, geht mit vollkommenster Oeutlichkett hewor, daß die Anfledlung selbstarbeitender Menschen in engerer oder lockerer Form der Genossenschaft und die Verwandlung von Tagelöhnern in unabhängige Landwirte allein auf nationalem Boden möglich ist. Oie Lohnarbeit und diejenige Form der Lohnarbett, die in Palästina fast stets aus der Anerkennung ihrer prinzipiellen Notwendigkeit sichergibt: »die arabische Lohnarbeit", wirb im Bereich