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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-04-01 · 7 (1.4.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
7 (1.4.1936)
Date
1936-04-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Seite 3 (Semet nbcHatt der Israelitische» Religion»,emetude Dresden Unsere Neligionsgemeinde, zusammen mit dem Neichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Dresden, veranstaltete am 15. Mürz eine Feier zum Andenken an die Gefallenen des Weltkrieges, die unserer Gemeinde angehört hatten. Oie von den Teilnehmern dicht gejume Kleine Synagoge war stimmungsvoll mit reichem pflanzengrün und mit den für die Seelenfeier üblichen weiß-silbernen Vorhängen und Decken geschmückt Nachdem bei ernstem Harmoniumvorspiel die Dresdner ehemaligen jüdischen Frontsoldaten geschloffen den Naum betreten hatten, erklang der weihevolle Mozartsche Ehor: »Friede den Entschlafenen*, vom Oamenchor des Schwesternbundes würdig vorgetragen. Dann übergab der Vorsitzende des ^KIF. Or. Wienskowih, die in Bronze ausgeführte schlichte Gedenktafel*) in die Obhut der Dresdner Israelitischen Neligionsgemeinde mit tief eindrucksvollen Ausführungen, die er mit schönen Versen des jüdischen Dichters Walter Heymann sgefallen 1415) einleitete. Er beschwor noch einmal die Zeit herauf, da die besten Söhne unserer jüdischen Gemeinschaft hinauszogen, um ihre vaterländische Pflicht zu erfüllen, ob als Kriegsfreiwillige, als altgediente Soldaten oder Ersahreservisien und Landsturmmänner. Alle fühlten sich wie Juda Makkabäus: »Es sei ferne, daß wir fliehen sollten! Ist unsere Zeit gekommen, so wollen wie ritterlich sterben um unserer Brüder willen und unsere Ehre nicht lassen zu Schanden werden.* 60000 Mann von der wehrfähigen jüdischen Bevölkerung jn Deutschland haben während des Krieges an der Front gestanden; 12000 kehrten nicht heim. Mehr als 200 Namen jüdischer Kriegsflieger, von denen ein großer Teil draußen blieb, enthält die Ehrenliste. In dem vom NIF. 1932 herausgegebenen Gedenkbuch finden sich die Namen aller gefallenen deutschen Juden schlicht aneinandergereiht. Oer jüdische Bevöllerungsanteil hat seinen Blutzoll voll und ganz geleistet. Oie gleichfalls vom NIF. 1935 herausgegebenen Frontbriefe gefallener deutscher Juden spiegeln in jeder Zeile den Opfermut und die Vaterlandsliebe der jüdischen Frontgeneration wieder. Diese,Feierstunde gelte allen diesen Gefallenen, wie auch ihren Eltern, Witwen und Waisen, und her Nedner wußte diese tiefe Verbundenheit in ergreifender Weise auSzudrücken. Oer NIF. als Zusammenschluß derer, denen es vergönnt war, aus dem Völkerringen 1918 lebend zurückzukehren, wird die Aufgabe weiter erfüllen, neben den kriegsverlehten Kameraden die Hinterbliebenen der 12 000 Gefallenen zu wahren. - Während draußen auf dem Friedhöfe die Gemeinde ein Ehrenmal für ihre gefallenen Söhne ern'chtet hat, deren Namen in Stein eingegraben sind, werde künftig die im Neubau unseres Gotteshauses befestigte Tafel gemahnen, für diese gleichen Toten das Kaddischgebet zu verrichten, und soll den kommenden Generationen Vorbild treuester Pflichterfüllung sein. Nabbtner Or. Wolf übernahm die Gedenftafel, denn da jeder Einzelne ln die Gemeinde gehöre, so fühle auch die Gemeinde um jeden Einzelnen Trauer. Er erinnerte an jenen tragischen Vorgang, wie während der Bar-Kochba-Kriege die Gebeine der gefallenen selben von Bethar erst nach Jahren in der heimatlichen Erde bestattet werden dursten, was von den Überlebenden «entworfen von dem ln vreddcn lebenden Nünsiler Sinn» «lmpel. als eine solche Gnade Gottes betrachtet wurde, daß eine entsprechende Stelle in das tägliche Tischgebet seitdem ausgenommen wurde. - Für ihren Glauben, die Heimat und das Lebensrecht haben die Juden nie aufgehört, heldenhaft zu kämpfen, und wenn auch im einzelnen die jüdische Geschichte aus unzähligen Niederlagen besteht, so zeigte fie doch im Gesamtüberblick als Lohn für nie wankende Treue ein sieghaftes Erhalten des jüdischen Seins. Anschließend an die Verlesung der Namen der Gefallenen sang Kantor paglin die Trauer-Liturgie »El mole rachamim* und der Nabblner sprach das altehrwürdige Kaddischgebet. Den musikalischen Beschluß der Feier bildete ein von Ellen Bergmanns dunklem Alt vorgetragenes Trauerlied von Nobert Schumann und eine von Trost und Hoffnung erfüllte religiöse Motette auf Psalmen-Tezte von Mendelssohn-Bartholdy, die der Damenchor mit Harmoniuitibegleitung verständnisvoll sang. Bei den Klängen des Liedes vom »Guten Kämeraden* leerte sich das Gotteshans. E. B. Oie Leitung des Ehores wie die Begleitung von Frau Bergmann war von Frau Eva Büttner freundlichsi übernommen worden. _ _ (Die Echri'ftleitung). Zum Toraabschnitt Wajitra »I. B. M. Kap. 1 bis 5 Nede zu den Kindern Israel also: Eine Seele, wenn sie sündigt usw. (Kap. 4, Vers 2.) Dazu Midrasch rabba. Nabbi Iischmael hat gelehrt: Gleich einem König, der einen Garten hatte, in welchem schöne, früh gereifte Früchte waren. Oer König setzte Wächter hinein, einen Lak m-n und einen Blinden, und sprach zu ihnen: »Habt acht auf die schönen, früh gereiften Früchten*. Nach einigen Tagen sprach der Lahme zu dem Blinden: »Schön, früh gereifte Früchte sehe ich in dem Garten*. Da sprach der Blinde: »Wohlan, wir wollen essen*. Oer Lahme aber sprach zu ihm: »Vermag ich denn zu gehen?* Oer Blinde sprach: »Vermag ich denn zu sehen?* Da ritt der Lahme auf dem Nücken des Blinden, und sie aßen die früh gereiften Früchte und gingen und setzten sich jeder an seine Stelle. Nach einigen Tagen ging der König in jenen Garten. Er sprach zu ihnen: »Wo sind die schönen, früh gereiften Früchte?* Oer Blinde sprach zu ihm: Mein Herr, 0 König: »Vermag ich denn zu sehen?* Oer Lahme sprach zu ihm: »Mein Herr, 0 König, vermag ich denn zu gehen?* Jener König, der klug war, was machte er mit ihnen? Er ließ den Lahmen auf dem Nückey des Blinden reiten, und diese fingen an zu gehen. Oa sprach er zu ihnen: »So habt ihr es gemacht und die früh gereiften Früchte gegessen*. So spricht in Zukunft der Heilige, gebenedeit sei es, zur Seele: »Warum hast Du vor mir gesündigt?* Sie spricht vor ihm: »Herr der Welten, ich habe nicht gesündigt. Oer Körper ist es, der gesündigt hat von der Stunde an, wo ich von ihm hinausgegangen bin wie ein reiner Vogel, der in der Luft fliegt. Ich, wie sollte ich vor Dir gesündigt haben?* Er spricht zum Körper.- »Warum hast Du vor mir gesündigt?* Er spricht vor ihm: »Herr der Welten, ich habe nicht gesündigt. Oie Seele ist es, welche gesündigt hat. Von der Stunde an, wo sie von mir hinausgegangen, bin ich wie §in Stein, der aus die Erde hingeworfen ist, hingeworfen. Kann ich vor Dir gesündigt haben?* Was macht der Heilige, gebenedeit sei er, mit ihnen? Er bringt die Seels und wirft sie in den Körper hinein und richtet sie beide wie Einen. Oenn es heißt Psalm 50, Vers 4: »Er ruft den Himmel von oben und die Erde, um sein Volk zu richten.* »Er ruft den Himmel von oben*, um herbeizubringen die Seele. »Und die Erde*, um herbeizubringen den Körper, »um sein Volk zu richten*. ^—\ J Günstige Gelegenheitskäufe gebrauchter 8cll 56ldMüSLll l ll6l, Sally Mayer, Lültichaustr. I Ruf 12045 Reichhall. Auiwahl ln Kollcrmaicbinen wie Erika.Mercedes Remintion, Torpedo Unterwood uiw.mw, HIHI lllllllllllllll II llll llll

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