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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-03-01 · 5 (1.3.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
5 (1.3.1936)
Date
1936-03-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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/ Gemeln-edlati der Israelitischen T^etigionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Oresben-A. l, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Eternllcht, OreSden-A. 14, Stübel-Allee 35 / / Ruf 34185 / / Annahmestelle tlr Inserate ebenda / Oie 4mai gespaltene 46-mm.Zeile kostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Gruhnert, Dresden-A. 1, Ammoustr. 61 Xll. Zahrg. Dresden, den 1. März 1936 Rümmer 5 » Bericht über eine Arbeitstagung der jüdischen Jugend Sachsens , Durch die überaus dankenswerte Initiative und Unterstützung des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes, Dresden, konnte im Felix-Goldmann-Heim zu Leipzig eine Tagung der Jüdischen Jugendverbände Sachsens stattsinden. Aus allen zugehörigen Bezirken waren Vertreter der Bünde zusammengekommen, wir Dresdner waren mit sechs Leuten vertreten. Der Veranstalter, der Landesausschuß Sachsen der Jüdischen Iugendverbände stand vor einer schwierigen Aufgabe. Es galt, in nur einem Tage möglichst viele der aktuellen Probleme jüdischer Jugend aufzuzeigen und noch Möglichkeit zu klären. Eine Schwierigkeit bestand vor allem darin, daß die Vertreter aller lnnerjüdischen Richtungen, die z. T. aus kleinen Gemeinden kamen, in denen ein jüdisches Leben nur gering ist, gemeinsam erfaßt werden mußten, um der Tagung einen wirklichen Wert für die weitere Arbeit der" einzelnen Bünde zu verleihen. Ich möchte gleich vorausschicken, daß dies tatsächlich in voNstem Maße geglückt ist. Oie gemeinsame Rot und der Ernst, mit dem heute von unS Jugendarbeit getrieben wird, ließen sehr bald ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl aller über alle Richtungen hinweg aufkommen. Gleich das erste Referat von Kurt Goldmann, Leipzig, über »Schule, Elternhaus^und Bund" führte uns eindringlich unsere gemeinsamen Aufgaben vor Augen. Rach einem kurzen Überblick über die Entstehung der Jugendbewegung, die eine Erlebnisgemeinsihaft der Jugendlichen war und uns das Recht eines Eigenlebens im Gegensatz zu Eltern und Schule erkämpfte, zeigte G. die Wandlung auf, die die Bewegung durchgemacht hat. Wir - der Bund - haben jetzt einen großen Teil der erzieherischen Verantwortung auf uns genommen, die früher nur dem Elternhaus und z. T. der Schule obgelegen hatte. Damit, und daß wir uns auch sehr ernst mit den Fragen des zukünftigen Berufes unserer Jugendlichen befassen müssen, haben wir eine klare Trennung zwischen den drei auf den Jugendlichen einwirkenden Faftoren gezogen und dm Bund als völlig gleichberechtigten an die Seite der beiden anderen gestellt. Wlr können mit Genugtuung festsiellen, daß nunmehr die Spitze gegen Eltem und Schule, die der Arbeit der Bünde anhaftete, abgebrochen ist. Indem wir uns durch die Erziehung zur Berufs- Umschichtung und durch die Iugmdalijah wesentlich in den Intereffenkrels und Gorgen unserer Ellern einstigen, nehmen wir ihnen gegmübrr eine nicht mehr abzutuende, posttive Stellung ein. Wir sehen also, daß wir nunmehr von ihnen in unserer Arbeit geachtet und nach Möglichkeit unterstützt werden. An der Bildung der jüdischen Schule sind wlr schr stark interessiert. In gemeinsamer Beratung woNen wir die Gesichtspunkte fesilegen, nach denen dies« ausgebaut werden soll. Die Beschäftigung mit jüdischen Dingen, alljüdischem Schrifttum, jüdischer Gegenwarts- und Palästinakunde, stärkere manuelle Betätigung und politische Allgemeinschulung sind die Forderungen. die wir an die heutige Schule stellen, da sie vor allem dem jüdischen Jugendlichen die Werte vermitteln, die es ihm möglich machen, den harten Lebenskampf in der heutigen Situation durchzustehen. Wenn es uns möglich gemacht wirb durch verständnisvolles Eingehen auf eben diese Forderungen die bündische Arbeit auf charakterliche Festigung unserer Menschen zu konzentrieren - wobei der Mangel an geeigneten Führerpersönlichkeiten als leider nicht abzuändernde Tatsache schwer auf uns lastet — so sehen wir. unseren zukünftigen Weg klar Umrissen. Oie sich dann anschließende kurze Aussprache, in her einige Fragen noch besonders erörtert wurden, zeigte in ihrer Sachlichkeit deutlich, mit welcher Verantwortung die Jugend an die Lösung der ihr gestellten Aufgaben herangeht. Dies unterstrich noch besonders das folgende Referat von Dr. Menuchim, Leipzig, über die »Erziehung der 13> und ^jährigen". Gerade in diesem Alter braucht der junge Mensch eine sorgfältige pflege. Wir . müssen mit besonderer Liebe dem sich gewissermaßen ausjchälenden Menschen in seiner verworrenen Problematik beistehen. Hier ist der Punkt, an dem noch einmal sehr stark auf Wesen und Haltung des sich Entwickelnden eingewirkt werden kann. Erschwerend kommt noch hinzu, daß der Jugendliche durch Iugendalijah usw. unserem Einfluß sehr früh, in eigentlich noch unfertigem Alter, entrissen wird, so daß wir gewissermaßen eine größere Spanne seiner Entwicklungsjahre in diesen zwei Jahren mit ihm durchleben müssen. Seine Reife muß beschleunigt werden, ohne daß ihm Schaben zugefügt wird, damit er den bald an ihn herantretenden Aufgaben gewachsen ist. Eine starke äußere und innere Haltung, eine positiv jüdische Einstellung, gesunde Kritikerziehung und seelische und berufliche Einfügung in die Gemeinschaft sind kurz umriffen die Kreise, in denen sich -die Formung des Jugendlichen dieses Alters vollziehen muß. Jeder Iugendführer weiß, daß er sich diesen Menschen gerade mit besonderem Verständnis widmen muß, um sie wirklich ganz und fruchtbar erfassen zu können. Vas nun anschließende Referatvon Or. Grübel über die »Rotwendige Allgemeinbildung" deckte die Schwierigkeit auf, die in der Wahl der Unterrichtsfächer in der jüdischen Schule liegt. Oie unsichere Wanderposition, in der wir uns befinden, birgt die Gefahr in sich, daß durch Überbetonung der Rühlichkeits- und speziell jüdischen Fächer die geistige Welt unseres Kindes einseitig ausgerichtet wird. Eine unwirkliche Abseitsstellung und Weltenfremde, die uns um die mühsamen positiven Errungenschaften der Eman-

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