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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1936-02-15 · 4 (15.2.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
12 (1936)
Issue
4 (15.2.1936)
Date
1936-02-15
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Gemeindeblatt der Israelitischen ReligionSgemeinde Dresden Nr. 4 Or. Julius Härter. Quellenbuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. Kleine Ausgabe. 3. Kauffmann*DerIag. Frankfurt a. M. 1935. Pas in sorgfältiger Auswahl in einem Bande vereinigte fünfbändige chuellenbuch stellt einen fesselnden Guerjchnitt durch die Geschichte des Judentums dar. Pas übersichtlich gegliede te. handliche Werk entwirft auf etwa 500 Seiten in Pokumenten, Zeugnissen und Literaturproben ein lebendiges Bild äußeren und inneren Geschehens und läßt führende Persönlichkeiten auch der neuesten Seit iij plastischer Art hervortreten. P'as ursprünglich für Schüler gedachte Buch will aus dem reichen Schatz jüdischer Vergangenheit bewußte Anteilnahme am jüdischen Leben der Gegenwart wecken, so öaß es allen jüdisch Interessierten nur aufs wärmste empfohlen werden kann. -Pr. 3. Wie wird regiert? politisches Lexikon aller Länder der Erde von Pr. jur. Hans Kern (Verlag «I. Weller & Co., Leipzig) „wie wird regiert?" schildert leicht verständlich, wissenschaftlich einwandfrei und durchaus objektiv den gegeirwärtigen Stand der Negierungsmethoden in allen Ländern der Erde, Hinweise auf Cinwohnerzabl, parteiverhältnijse, Landesflaggen usw. erhöhen den wert des Luches. Jedem Gebildeten, jedem Zejtungsleser, jedem politisch Interessierten wird dieses handliche und Knappe politische Lexikon wertvolle Pienste leisten und ihm helfen, Ereignisse in nahen und fernen Ländern objektiv zu erfassen. Jedermann wird in dem Luch wertvolle Auskünfte finden Ein gründliches und aktuelles Literaturverzeichnis gibt die Möglichkeit, für jedes einzelne Land Spezialliteratur aufzufinden. ' XVI und 348 Seiten. Broschiert RM 3.50. Leinen geb. RITT 4 80. „Oer Morgen" Monatsschrift der deutschen Juden. philo-verlag, Berlin w 15. Jahrgang 11, Heft 9. Jahresabonnement RM 12.-, Einzelheft RM I. — . Pas Pezemberheft des „Morgen" ist einem Gebiet gewidmet, dem die jüdische Presse sonst selten 'eine mehr als vorübergebende Aufmerksamkeit geschenkt: derR! u(tft. Stefan Kayser erörtert feinfinnig zur Einleitung die weiter ausgreifenden „Möglichkeiten eines jüdischen Stils" überhaupt. Dskar Gultmann, trägt „Zum Neuaufbau des jüdischen'Musiklebens" das wichtigste bei, was ihm zunächst noch fehlt - eine präzise Fragestellung und klare konstruktive 3d«en. Er fordeN ein Ausgehen von der jüdischen Synagogenmusik, aber nicht von der romantilch idealisierten und damit verfälschten, sondern von der echten alten, die aber auch erst neu zu sammeln und zu sichten sein wird. Poch es wäre sehr falsch, daraus zu schließen, daß einer neuen jüdischen Runstmusik auch sofort neue Fesseln und Zäume angelegt werden sollten! So ist nun überhaupt ein G und gelegt, von dem aus eine Diskussion über jüdische Musik fruchtbar geführt werden kann. Arthur holde ergänzt diese Fragestellung nnt seiner Untersuchung: „was unterscheidet orientalische von europäischer Musik?", die von der uns gewohnten europäischen Musik aus zu dem Neuen der orientalischen vorstößt. Und Hans Nathan zeigt nun praktisch in der Besprechung einer Komposition von Goldschmidt, wie die Auseinandersetzung eines Komponisten von europäischer Haltung mit einer orientalischen Volksmelodie aussieht, hübsche, nachdenklich stimmende „Fabeln" von Leo Hirsch, ein Gedicht von Anette Merholm und ein besonders reicher Glossen- und vesprechungsteil bilden den Rahmen des Heftes, das a^rder zu den bahnbrechenden Leistungen dieser Zeitschrift gerechnet werden muß. Oie vollständig« deutsche Übertragung des babylonischen Talmud von Lazarus Goldschmidt. Pieses zwölfbändige Monumentalwerk, an dem Lazarus Goldjchmidt seit dem Jahre 1896 arbeitet, steht jetzt vor dem Abschluß. Soeben gelangte der eilte Band des Werkes, das der Jüdische Verlag, Berlin w 50, trotz der Ungunst der Zeit ohne jede Unterstützung von anderer Seile heraus,:bt, zur Ausgabe. Er enthält die Traktate Chulin, vechoroth und Argchin Per zwölfte (Schluß-) Band, mit dem diese erste und einzige vollständige Übersetzung des Babylonischen Talmud in eine europäische Sprache zum Abschluß gelangt, erscheint voraussichtlich schon im Frühjahr 1936. Pamit ist nicht nur das Lebenswerk Lazarus Goldschmidis vollendet, sondern auch eine der schwersten verlegerischen Aufgaben de^Jüdischen Verlags durchgeführt. Pie vollständige deutsche Übertragung des Babylonischen Talmud (einschließlich der Mischna) reiht sich dann den großen Standardwerken des Jüdischen Verlags an, die dieser in den letzten Jahren ebenfalls bereits zum Abschluß gebracht hat. Es sind dies die zehnbändige „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" von Simon Pubnow, mit dem Illustrationsergänzungsband „Pie Welt der Bibel" von Max Soloweitschik, Pubnows zweibändige „Geschichte de- Chassidismus", das fünfbändige Jüdische Lexikon, die Gesamtausgabe der Zionistischen Werke Theodor herzls in fünf Bänden, Arthur Ruppins „Soziologie der Juden" in zwei Bänden, von Adolf Böhms „Zionistische Bewegung" erschien bisher der erste Rand, während der im Jahr 1936 erscheinende zweite Band in Vorbereitung ist. von anderen Standardwerken desselben Verlags gelangten in Neuauflage zur Ausgabe: Achad Hamm, Al paraschath derachim (vier Bände in hebräischer Sprache); Pros. Jofeph Klausners umfangreiches Werk „Jesus von. Nazareth", von den Gesammelten Werken Mendel« Macher Sforims erschienen im Jüdischen Verlag bisher vier Bände. Maimonides. tkine Biographie von Abraham Heschel. Erich Reißverlag. Berlin 1935. Preis RM 3.80. Nach den Maimonides-Gedenkfeiern, die uns das Leben und die Zeit des großen Penkers in Wort und Schrift näherzubringen suchten, erscheint die alle Jubiläumsliteratur überragende viographie, die r icht nur das äußere Leben des Ramdam, sondern auch seine geistigen Wandlungen eindrucksvoll veranschaulicht. Aus den Werken erjchließt der Verfasser den Zugang zum Leben des Mosche den Maimon, dessen plastisches Bild uns im Rahmen schätzenswerter kulturgeschichtlicher Einzelheiten in klarer, spannender Sprache vermittelt wird, wenn es uns ernst ist um das verstehen elftes Großen in der Geiftesgejchichie des Abend- und Rlorgenlandes, dann können wir auf diese Biographie, das erste. Buch in der vom Erich Reißverlag herausgegebenen Schriftenreihe „Judentum in Geschichte und Gegenwart" nicht verzichten. P. 3. Oer Weg in die jüdische Tleuzeit von S. Müll», Heidelberg Umfang 515 Seiten, Broschiert RM 2.60, Leinen gebunden RM 3.40, Lurusband RM 4.-. Pie jüdische Geschichte seit Moses Mendelssohn in ihren Erfolgen, Irrtümern uud Fehlschlägen zu zeigen, ist heule, wo die jüdische Seele aus einer drangvollen'Gegenwart nach innerer Ruhe und Sicherheit ringt, ein ebenso notwendiges und schwieriges wie dankenswertes Beginnen. Besonders wenn die Parstellung dis auf den heutigen Tag geführt ist. weite jüdische Kreise, nicht am wenigsten die zur Erziehung Berufenen werden es deshalb danken, daß ihnen hier ein Geschichtsbild der eben dahingegangenen Epoche von einem Berufenen geboten wird. Über den reichen Inhalt des für Schule und Haus empfehlenswerten Buches unterrichten am besten die Kapitelüberschriften, des Werkes selbst. Mojes Mendelssohn. - Um den Eintritt in die Umwelt. Emanzipation.— In Deutschland: Gabriel Rießer. — In Frankreich: Isaac Adophe Crömieur. — In England: Rloses Montefiore. — Um die religiöse llmgestaltung. Aufklärung. — Talmudisten. — Religiöse Parteibildungen. — Wissenschaft des Judentums. — Jüdische Geschichtsschreibung. — Jüdische Philosophie. — Fortbildung und Erneuerung der hebräischen Sprache. — Die Gstjuden. — Jüdische Kolonisation. — Der Zionismus. - .Kulturelle und wirtschaftliche Leistungen der Juden Peutjchlands in der Neuzeit. — Assimilation. Anklagen gegen Juden und Judentum. — Stellung der Juden im neuen deutschen Staat. — Ausbruch der jüdischen Jugend. — Jüdisches Gemeinschaftsleben. Per weg nach innen. — Die Juden in Palästina. - Pie Lage der, Juden in anderen Ländern. — Kunstschaffen aus jüdischen chuellen. — Schlußbetrachtung. ©. Morgenstern „Oer Sohn des verlorenen Sohnes". Roman. Umfang 540 Seiten. Preis Kart. RM 4.80. Leinen RM 5.80. Erich Reiß Verlag, Berlin w 15. Soma Morgenstern ist ein neuer Dichter. Man kannte ihn als ausgezeichneten Kritiker und Essaisten, aber erst der neuerlichen Wendung der jüdischen Dinge blieb es Vorbehalten, sein eigentliches und schönstes Können ans Licht zu rufen. Und obwohl sein Roman aus unserer Zeit stammt und ihr zu Herzen spricht, ist er voller Distanz dazu und im Grunde heiter, -vor allem aber ist es der erste jüdische Roman im deutschen Sprachgebiet und in dieser Zeit, der auch künstlerisch europäisches Niveau wahrt — das jüdische ist selbstverständlich. Per „Inhalts des Werkes kommt im Titel zum denkbar besten Ausdruck. „Per Sohn des verlorenen Sohnes", das bedeutet: Erlebnis und Entscheidung der jüdischen Jugend, deren Vätergeneration „verloren" ging, verloren im doppelten. Sinn. Penn der Vater unseres Helden war fürs Judentum verloren und ist im Krieg gefallen. Poch dies Problem der Jugend ist nicht das einzige und nicht das vorherrschende in dem mit wunderbarer Verteilung der Gewichte gebauten Werk. Eine Fülle lebensvoller und liebenswerter Figuren aus allen Sphären des jüdischen Kreises erfüllt es mit ihren Hellen unü bunten und mattdunklest' Farben, und das Ganze ist ein eigen- und großartiges Zeitgemälde: der müde, resignierte, vornehm verständnisvolle Mann der Gffentlichkeit uud die mondäne und doch so altmodisch treue Mutter, die energische greise Berliner Millionärin und der neunzigjährige jüdische weise, dessen letzte Stunde ein unerhört atembeklemmendes erzählerisches und geistiges Abenteuer wird, die jungen Burschen vom Dorf und das kleine Mädchen im weißen blühenden Kleefeld, die Genießer einer erlesenen Mozart'schen Serenade und die Fanatiker eines religiösen Kongresses, die ältliche hingebende Dienerin und der siebzigjährige forsche jüdisch« Gutsve^walter, dem die Reithosen angewachsen zu sein scheinen, und vor allem der ernste, auftauende, sich seinen Erben heimholende Gutsherr . . . Mit bewunderungswürdiger Kunst sind diese und viele andere Figuren in den erlesenen und, immer spannender und erregender aufeinanderfolgenden Situationen zu- und gegeneinander gestellt, und obwohl Morgenstern die meisten üblichen Mittel romanhafter wirküng verschmäht, entsteht ein Gebilde von besonderer Wirkung und subtilem Reiz. Dieser Roman ist ein Luch besonderen Ranges, das beste Kunsttradition führt, und weiterführt. Ihn zu lesen, ist ein erwärmender Genuß. -

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