Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 1 (1.1.1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 1 Gemeindeblatt der Israelitischen Religion-gemein de Dre-den Jüdischer Kulturbund Dresden » Der 5. Abonnement - Abend bringt ein ganz besonderes künstlerisches Ereignis: Kammersänger MisxANiDi® kipnis bisher Berlin, nunmehr Staatsoper Wien singt im Rahmen eines Synagogenkonzertes am Mittwoch, den 15. Januat 1036, abds. 815 Werke von Brahms, Haydn, Mendelssohn, Mozart, Schubert und Schumann Am Flügel: -Leo Taubmann Mitwirkend: Hermann Schwarz, Organist am Friedenstempel, Berlin, mit Orgelwerken jüdischer Komponisten (Hugo Leichtentritt und Arno Nadel); Eintrittspreise A: RM 3.50, RM2.50, RM 1.50. (Im Abonnement, der Eintritt in das Abonnement ist noch immer möglich: RM 2—, RM 1.50, RM 1.—). Der Vorverkauf hat stark eingesetzt. Es empfiehlt sich daher rechtzeitige Kartenbestellung. Für dieses Synagogenkonzert, zu dem auch der anschließende Gemeindesaal geöffnet ist, erfolgt eine Neunummerierung der Plätze. Den Abonnenten wird ihre neue Nummer noch durch Brief mitgeteilt. Kammermusika-en- / im Jüdischen Kulturbund Dresden Das Äoris Kroyi-Quarfeff, dem die Herren Kroyf (l. Violine), Äemfeld (2. Violine), Weiden (Viola) und Zeelander (Violoncell) angehören, und daß seit vielen Jahren als eines der besten Streichquäriette in der musikalischen Welf gilt, stellte sich mit einer besonders schönen Vorfragsfolge in Dresden vor. Am Anfang stand Felix Mendelssohn-Äartholbys Streichquarfeff Opus 12 in Es-Our, das bereits die Meisterhand seines damals erst 20jährigen Komponisten verrät. In dem Allegretto- Sah der »Ganjonetfa* huschen die Elfengeisier seiner genialen Musik zu Shakespeares »Sommemachtstraum*, und auch in den anderen Sähen ist man von dem edelen Gefühlsfon und dem lebhaftem Temperament äußerst gefesselt. Das Kroyt-Quariett brachte die köstliche Ssimmführung und den puls dieser Musik voll zur Geltung. Dann folgte von Franz Schubert daS A-Moll-Quartett, dem bei der Erstaufführung -1824 die wohlwollende Kritik (?) geschrieben wurde: »als Erstgeburt nicht zu verachten*. Oer etwas schwermüsige 1. Sah, dem die Äegleitfigur aus Schuberts bekanntem Liede »Gretchen am Spinnrad* den Stempel aufdrückt, wurde ebenso charaktervoll gespielt, wie das liebenswürdige. Menuetts, dessen Thema an die berühmten Klavier-Variasionen Ä-Our Schuberts erinnert. Mit Anton OvorakS Quartett Opus 96 zeigten sich die Künstler als blutvoll empfindende Interpreten, die die erregende böhmische Musik Ovoraks hinreißend zum Ausdruck brachten, sodaß geringe Tonschärfen leicht überhört werden konnten. Instrumental besonders auSgefellt in feiner zigeunerhaften Klangfteudigkei't war das Lento, aber auch die landschaftliche Phantastik und die energischen Impulse der raschen Sähe fanden eine virtuose Wiedergabe und mit Recht stürmisihen Äeifall. E. 25. Beaince Waghatter »25unte Lieder aus aller Welt* trug die Wiener Künstlerin mit so ungewöhnlicher Musikalität und Stilgefühl vor, daß man der eben erst Einundzwanzig,ährigen eine große Zukunst prophezeien kann. Als Tochter des seit Jahrzehnten berühmten Operndirigenten Prof. Ignah Waghalter scheint sie den Sinn für Rhythmus und Agogik angeboren zu besitzen, der sie befähigt, jede nationale Sonderheit wie die böhmische Rhythmik, das italienische Temperament, die amerikanische Sentimentalität und Exotik, die altfranzösisch( Finesse oder den neufranzösischen Oiseusen-Stil individuell lebendig zu gestalten. Man täte deshalb unrecht, Äeatrice Waghalter «inzurangieren - etwa »Typ lsvette Guilbert* oder Typ Oelvard oder IoSma Eelim; sie mag nur so instinktsicher weiter ihren eigenen streng musikalisch-künstlerischen Weg gehen, dessen Hüter gewiß ihr bedeutender Vater ist. Ihre Stimmittel zeigen die selten gute Schulung durch Prof. Grenzebach, sd daß man jedes Ehanson stimmlich so fein ausgefeilt hört wie eine klassische Operetten-Rummer. Zu dieser Ausbildung, die ihr eine gewisse Unermüdlichkeit garantiert, kommt als primäres ein entzückender Ratur-Timbre, der ihre Stimme zu einem Instrument aller seelischen Schwingungen macht. Ihren , Klangfärbungen zu lauschen, ist deshalb auch ein besonderer künsi- ' lerischer Genuß, noch dazu wenn auch der Ausdruck charakteristisch von spielerischer Leichtheit, Heiterkeit bis zum Übermut, von Sinnigkeit, Melancholie, Trotz zu echter Leidenschastlichkeit je nach dem musikalisch-textlichen Vorwurf reicht. Oer 1. Teil des Abends enthielt sehr geschmackvoll auf einander abgeflimmte französische, italienische, amerikanische Stücke, die die junge Künstlerin noch dazu geschickt als ihr eigener Eonförencier dem Publikum mit launigen Worten einführte (wobei auch allerhand scharmante Äosheiten am zweiten Abend fielen). Höhepunfte waren die Äearbeitung der Ovorak'schen-Humoreske und die beiden tarantellaartigen Volkslieder aus Italien »Funiculi -- Funicula* und »Eincinirinelli*. Oer 2. Teil war nur Jüdischen Liebem gewidmet. Wie sie diese von Prof. Waghalter bearbeiteten, zum Teil selbst komponierten Werke vortrug, stellt sie in die vorderste Reihe derartiger Interpreten. Den tiefen Ernst der »Erew-Schabbos*>Gzene mit dem Licht bentschen sowie das »Hebräische Wiegenlied* 'gab Äeatrice Waghalter mit der rigriffenen Haltung einer jungen Mutter wieder. Das »Ghettolied* Ignah Waghalters ist ein Opus von echt jüdischem edelen Inhalt in vollendeter Formung, das im Vortrag sehr fesselte. Dann aber der humorvolle Teil! Jedes der Iargonlieder hätte man am liebsten da capo gehört, so: »Gung ich mir spazieren* mit dem jungmädchenhaften Gehaben und Gekicher oder »Iume, Iume* mit der karikierenden Gegenüberstellung von Mutter und Tochter oder »Oer Rebbe und die Ehassidim* voller Lokalkolerit. An beiden Abenden hatte Äeatrice Waghalter eine starke Wirkung, obwohl sie - und das ist ein heworragendcr seltener Vorzug für ihr Fach - sich von jeder reißerischen Erfolgs- Hascherei gegenüber dem Publikum fernhält und nur durch die künstlerischen Mittel ihres Könnens und ihrer natürlichen schönen Erscheinung fesselt. Last not least soll ihres ausgezeichneten Begleiters am Flügel, Kapellmeister Leo Schönbach Erwähnung getan werden, der mit mobulationsreichem Anschlag, anschmiegender Rhythmik und feiner Eharakterifierung die Darbietungen auf der hier dargefleNten künstlerischen Höhe hielt und mit Recht lebhaft mitgefeiert wurde. E.Ä. Kulturbund Jetzt Zeughausstr. 1,1. Reue Telefon-Rummer 48 418. Geschäftszeit: 9-12 Uhr und 4-6 Uhr. Es wird dringend gebeten, die Geschäftszeit und die neue Telefon-Rr. zu beachten.