Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 1 (1.1.1936)
- Date
- 1936-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. l <8cwctnbetlatt Israelitische« Reltßiostßemetnbe DreSbe» Seit, 3 Opfere -er Jüdischen Winterhilfe! Fürwahr: brich dem Hungrigen von'beinrm Ärote, umherirrende Arme nimm in dein Haus, so du einen Nackten flehst, bekleide ihn, und deinem Mitmenschen entziehe dich nicht. 2es. SS, 7 Die Sätze 6er Jüdischen Winterhilfe find die gleichen wie die der Winterhilfswerkes des Deutschen Volkes: für selbständige Einkommensteuerpflichtige monatlich 3"/, der Einkommensteuer 1934 für Lohn- und Gehaltsempfänger monatlich mindestens 10 7» der Lohnsteuer jeweils für die Monate Oktober 1935 bis mit März 193b. (Festbesoldeie, die neben ihrer Lohnsteuerleistung noch utr (Einkommen, steuer veranlagt werden, entrichten neben ihrer monatlichen Spende in Höhe von mindesten- 10 % ihrer Lohnsteuer ein monatliches Opfer in Höhe von Z X ihres für das Jahr 1934 veranlagten SinkommensteuerbetrageS, soweit die Steuerschuld nicht durch Lohnabzug getilgt wird.) Wer mit Monatsraten im Rückstand ist, hole fl« umgehend nach, vie Ausgaben der Winterhilfe lausen, mit ihnen müssen die «innahmen Schritt Halter Große Aufgaben bedinaen große Ausgaben und diese wiederum große Mittel. Helfer und Helferinnen für die Winterhilfe werden noch ständig gesucht. Zur Abholung der Kleiderspenden werden laufend Autos stundenweise benötig. «c'n1 EKädjftev (Eintopffonntag: i 12. Qfannat 1936 EElädjfte Gpfundfammlung: .?./c9. Qfanuav 1936 Alterssorgen ¥ Die amtlichen Zahlen über den Ältersaufbau der jüdischen Äe< völkerung Deutschlands im Dollezählungsjahr 1933 liegen jetzt vor. Sie bestätigen im Großen und Ganzen die von den erfahrenen Statistikern (G. Wolff, (S. Kahn) früher vorgenommenen Schätzungen. Rund 500000 Juden waren Mitte 1933 vorhanden, nicht weniger alö -200 000 von ihnen hatten das 45. Lebensjahr bereits überschritten. Nimmt man hinzu, daß seit dem mehr als zwei Jahre zurückliegenden Stichtage eine erhebliche Auswanderung siattgefunden hat, die in erster Linie jugendlrästige Elemente, auch Kinder, umfaßte, so besteht lein Zweifel, baß heute in Deutschland etwa jeder zweite Jude älter als 45 Jahre ist! Dem gegenüber hat die Zahl der Jugendlichen, der Träger jüdischer Zulunft in Deutschland, einen Tiefstand erreicht, der namentllch in den jüngsten Altersklassen erschreckend ist: es gibt erheblich weniger Kinder bis zu 10 Jahren, als Me über 60 Jahre hierzulande! »Oie Zahl ist das Wesen der Dinge", so lehrten schob die griechischen Philosophen deS Altertums. So wird auch bet zahlenmäßige Aufbau der deutschen Iudenhelt ihr Schicksal weitgehend beeinfluffen, beinahe noch stärker, als alle Kümmernisse und Widrigkesten des äußeren Lebens, als alle staatspollttschen und wirtschaftlichen Hemmnisse. Und die Hand dieses zahlenbestimmten Schicksals pocht vernehmlich an die Pforten der Men, der Altgewordenen und der Altwerdenden. Äesttz und Dermögen schwinden dahin, Leistungsfähigkeit und Möglichkeiten selbständigen Erwerbs gehen zurück, Heime und Haushaltungen lösen sich auf, reißt doch die notwendig geworbene Auswanderung die Familien auseinander und nimmt vielen Kindern das Glück, dankbar den Eltern den Ehrenplatz im eigenen Heim zu bereiten. Es wachsen die Pflichten der jüdischen Allgemeinheit. Schon heute sind die Altersheime der Gemeinden und gemeinnützigen Dereinigungen so stark gefüllt, daß oft lange Wartezeiten für die Angemeldeten erforderlich werden. Der Versuch auf privatwirt« schastlichem Wege für Unterbringung zu sorgen, sei es in Einzelpflegesiellen, sei es in Pensionen oder in privaten Heimen, wird in seinen Erfolgsaussichten von den finanziellen Kräften der Pensionäre abhängig sein, ja selbst die großen Gemeindeinstitutionen werden in absehbarer Zeit vor die Frage ihrer Existenzfähigkeit gestellt sein, wenn der fast.unvermeintliche Schwund der Eteuerkraft anhält und die Verarmung der jüdischen Gesellschafr weiterschreitet. Und doch ist es unabweisbar, für die nächsten Jahre neue Unterkunftsmöglichkeiten für unsere Alten zu schaffen, Unterkunftssiätten, die nicht von vorn herein mit der Gefahr des Erliegens rechnen dürfen. Oie Opferbereitschast unter den Juden in Oeutsch- 5. MATTERSDORFF GEGRÜNDET PRIVATBANKHAUS 18 4 9 SEESTRASSE 14 RUF 25955