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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-11-15 · 22 (15.11.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
22 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 @«metnbeblott der Israelitische« Religionlgemetnbe Dresden Nr. 22 das Kaddisch vor, er reicht - eine besondere Ehrung - dem Vor- - beier aus dem Aron Hakodesch (Heilige Lade) beim »Ausheben* die Thorarolle zu, er hält die Sefer-Thora beim Einheben, während ein anderer sie zusammenrollt und mit der Wimpel wieder zu» sammenbindet, und er kann schließlich auch den Prophetenabschnitt, die Hastarah, an Sabbaten und Feiertagen nach der Thoravorlesung vortragen. Bor allem erfolgt die Vorlesung der Thora niemals in einförmigen ununterbrochenem lauf, sondern zu den einzelnen Abschnitten werden Gemeindemitglieder »aufgerusen*, treten an das Lesepult und sprechen eine Benediktion: und dann wird gewissermaßen ihnen besonders die Paraschah (Abschnitt) vorgelesen, und nach einem neuen Gegensspruch machen sie einem weiteren Mann aus der Gemeinde Platz zu demselben Vorgang. Oie am 5im«hat Thora zum letzten und zum ersten Abschnitt Gerufenen - wieder eine besondere Ehrung - werden damit geradezu zum »Bräutigam* der Thora deklariert. Diese und ähnliche weise Gliedemng der Funktionen der Gemeindemitglieder haben dem jüdischen Gottesdienst eine besonders hohe Lebendigkeit und einen hohen Neichtum ^m Vüann'erungs- Möglichkeiten gegeben. Zn feierlichem Emst und selbst im Scherz ist hier bei Verteilung der Thoroabschnitte und sonst mancherlei Bezugnahme auf das persönlichste Leben des Einzelnen einflechtbar. Ich entsinne mich z. 25., daß nach einem Gottesdienst in Spanien der liebenswürdige Scherz herumgesprochen wurde, ein Gelehrter habe sich hier an einem anderen nach einem lebhaften Wortwechsel am Vortag in der Weise »gerächt*, daß er ihm als Vorbeter ein besonders langdauemdes Halten der schweren Thorarolle als Ehrung übertrug. Das besonders intime und zugleich freiheitliche religiöse Empfinden des Zupen hat sich zuletzt in der Ordnung seines Gemeindegottesdienstes einen entsprechenden Ausdruck geschaffen. Und es hat damit zugleich das religiöse Verbundenheitsgefühl der Gemeinschaft durch die Jahrhunderte hindurch unendlich gestärkt. Oie Gemeinde erhebt den Einzelnen aus seiner Isolierung und über seinen Egoismus zum Gemeinschastsbewußssein, zur geschichtlichen Kontinuität und schließlich zum Gedanken der messianischen Menschheit. Eröffnungs-Kundgebung für dit Oer -Synagogen-Anbau wurde würdig zum ersten Male am 4. November als Gemeinde-Verfammlungssoal benutzt, um für die Zübisch« Winterhilfe eine eröffnende Kundgebung abzuhalten. Nachdem zwei Präludien und Fugen von Vach durch Walter Goldmann am Klavier emst und Nar vorgetragen wurden, teilte Herr Erich Echapira das Wichtigste über die Organisatton des Hilfswerkes mit. Auf unserem Bibelworte fußend »Liebe Deinen . Nächsten wie Oich selbst* (3. Äuch Moses, Kap. 19, V. 18) forderte er Nahrung, Kleidung und warme Wohnung für alle Bedürfttgen unserer Gemeinde. Es gäbe keine Gründe sich vom Geben ausschließen zu können. Oer Pfennig des Ärmeren werde ebenso bewertet wie die Mark des Neichen. Es sei kein Appell au die Wohltätigkett sondern an das Pflichtgefühl. Wenn die Zudrnheit in Oeusschland bei diesem brüderlichen Hilfswerk versage, hätte sie sich selbst entehrt. Aber wir werden Zeder in der Organisatton unsere Pflicht tun und vor der ganzen Welt damit bestehen können. Herr Karl Bochner bekannte sich Namens der Zionistischen Vereinigung zu der Züdischen Winterhilfe, deren Aufgaben lm vollstem Maße erfüllt werden müßten. Allerdings sei die spezifisch jüdische Note eigentlich das persönliche Geben und Wohltun im Verborgenen - Zedoko besseser; - der Wille des Zuden zum Wohltun folge aus keinem Gebot, sondern aus einem Bedürfnis. Nabbiner Or. Wolf baute seine erhebende Ansprache auf drei Stellen aus dem Talmud auf. Zm Traktat Sota wird das alte Tora-Geseh erläutert über den Erschlagenen, der auf freiem Felde gefunden wird: »Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen und unsere Augen haben es nicht gesehen*, sagten die pn'ester nach den Zeremonien. So müsse auch heute die Gemeinde Nechensihast ablegen, wenn ein Leben vorzeitig zu Ende gegangen ist, weil unsere Augen vielleicht das Elend nicht sehen wollten. - Winterhilfsspiele Fußball Pokal-furnier Mittwoch (BuBtag), am 20. November 1935 auf der Radrennbahn, Reick Beteiligt sind: „Schild" Dresden „Bar Kochba" Dresden „Schild" Chemnitz „Bar Kochba“ Chemnitz Die gesamten Einnahmen fließen der lüdisdien Winterhilfe za. Beginn 1 Uhr Beginn 1 Uhr Es wird erwartet, daß die gesamte jüdische Bevölkerung Dresdens durch ihren Besuch die jüdischen Sportler bei ihrem gemeinnützigen Werke tatkräftig unterstützt StraBenbahn-Unie 15 Autobus C Jüdische WinierHilfe Dresden Zm Traktat Tanit wird ebenfalls symbolisch die Gemeinschaft als hoher Wert dargestellt. Wenn Zsrael in Not ist und es sondert sich Einer ab, dann ziehen die beiden Dienst-Engel, die jeden Zuden begleiten, die Hände von ihm ab: »Wer sich absondert, der wird nicht sehen den Trost der Gemeinschaft"' und »dessen Schuld wird nicht verziehen bis in den Tod.* Es gibt gleichgiltige Seelen, die bei lebendigem Leibe inwendig hinwegsterben, jedoch - »Wohltun retttt vont Tode.* Nebm der Gemeinschaft wird aber auch die Bedeutung der einzelnm Individualität im Talmud anerkannt, z. B. im Traktat Sanhedrin. wo hervorgehoben wird, daß der Mensch als Einzelner geschaffen wurde und aus einem Menschen eine ganze Menschenwelt entstand. Wer also» eine Menschenseele am Leben erhält und rettet, der schafft damit die Möglichkeit, vielleicht eine neue Welt aufzubauen. - So lebt in uns das Leben, das sich durch uns in Liebe zeigt und sich auch in unserer Zeit bewähren soll. Mit einer selten gelungenen eigenen Übersetzung der tiefsinnigen Wortverflechtung von Zesaja Kap. 7, D. 9 schloß Or. Wolf den eindrucksvollen Abend: »Wenn ihr euch nicht bewähret, dann werdet ihr nicht bewahrt!" E. B. Oie Sähe der Jüdische« Winterhilfe find die gleichen, wie dl« des Wlnterhilfswerkes des Deutschen Volkes: Monattich 3 "/„ der Einkommensteuer 1934, bei selbständigen Sinkommenstenerpflichtigen, monattich 10 der Lohnsteuer, bei Lohn- und Gehaltsempsäugern, jeweils für die Monate Oktober 1935 bis mit Mär» 193«.

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