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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-11-15 · 22 (15.11.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
22 (15.11.1935)
Date
1935-11-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemeindeblatl der Israelitischen Retigionsgemein-e Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen israelitischen Gemeindeverbandes » Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Dresben-A. 1, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Sternlicht, Dresben-A. IS, Gtübel-ANee 33 / / Ruf 34185 / / Annahmestelle Qr Inserate ebendq / Dir 4 mal gespaltene 4S-mm»Zeile tostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Gruhnert, Oresden-A. i, Ammonstr. Si XI. Zahrg. Dresden, den 15. November 1935 Rümmer 22 Gebet im Judentum Don Leo.Aaeck Das Erste und Eigentliche des Gebets ist: nicht dessentwegen beten, was wir haben wollen, sondern dessentwillen, was wir sein sotten. Wir haben auch unser Verlangen, jeder weiß um Aedürfen und Rot und Hoffnung seines Daseins; aber das Gebet will uns vor allem zu unS hinführen, will uns die seelische Kraft, dieses innere Recht geben, daß wir ein Äegehren hegen dürfen, daß wir es vor den hinbringen können, vor den alle Menschen, jeder mit seinem Entbehren und Leiden, seinem Harren und Sehnen, hingestellt sind. Es ist nicht ein Zufälliges, — daß Worte für des Aeten in der biblischen Sprache rückbezügliche Wörter sind (hithpallel, hithchannen;) auf den Menschen hin) auf sein Ich zurück will das Aeten wirken. Astes wahre Arten ist so ein Weg, der den Menschen zu der Wahrheit, dem Sinne seines Wesens und seines Daseins hinweist, so daß der Mensch sich selbst findet. Arten kann daher zum Gebote werben: du sollst beten, du sollst zu dir hin gelangen. Und wenn der Mensch sich entdeckt, die Wirklichkeit seines Lebens und damit sich selbst erkennt, ist er alsbald vor Gott hingestellt. Denn er ist damit zu dem Schaffenden, Aestimmenden und Gebietenden seines Lebens, zu dem, was er vor Gott und von Gottes Gnaden ist, hingeleitet. Oer Mensch betet vor Gott, er betet von Gottes Gnaden. Dadurch, daß er sich vor Gott stehend, von Gott erkannt, von Gott gehört weiß, kann er zu Gott beten. Darin gewährt das Gebet dieses Zwiefache, von dem der Psalm spricht: das reine Herz, und den sestgegründeten Geist. Das reine Herz, das ist der S>nn für das Echte und Einfache, die Ablehnung des nur Scheinenden, nur Geltenden, Täuschenden, diese Fähigkeit, wahr vor Gott zu sein. Oer festgegründete Geist, das ist die Kraft der inneren Freiheit, dieser Aeständigkeit im Guten und Rechten, die Abweisung alles dessen, was von Heute auf Morgen schwankt und wechselt, dieser Wille, vor Gott zu bleiben. Seelisch rein, seelisch fest sein, daß ist der Segen, den das Äeten, das Gebet zu dem einen Gotte, gibt und wahrt. Das jüdische Gemeindegebet Von David Aaumgardt Das klassische Judentum hat den Gegensatz zwischen Gott und Mensch - wegen der Unvorstellbarkeit tines Mittlers - als unüberbrückbar empfunden. Aber die Gegensätze zwischen den Menschen wollte es dafür um so weniger anerkennen. Diese Grundhaltung prägt sich auch im jüdischen Gemetndegottesdienst aus. Eigentlich kennt die jüdische Tefillah fast nur Gemeindegebete. Auch wenn der Iude in einsamster Kammer mit seinem Gott spricht, redet er von »unserem Gott*: Rur relattv wenige Gebete (z. A. das kurze Elohaj Nesehamah im Schacharit, bas Aibelwort vor der Schemoneh Esreh und ihr knapper Anhang oder manche Psalmen, in denm schließlich der König David spricht), haben die Formel »mein Gott*. Sonst heißt die immer wiederkehrende Apostrophierung der Berachof: »Unser Gott, König der Welt*. Doch erst zehn gemeinsame Aeter bilden eine wirkliche Gemeinde, drei können zwar z. A. beim Tischgebet schon eine Formel, die über den Tischdank des Einzelnen hlnausgreift, sprechen; aber eine echte Gebetsgemeinde besteht erst beim Zusammentreten von zehn erwachsenen Männern, was auf eine sinnige Weise durch eine Deutung einer Stelle des vierten Auches Mosis begründet wird. (Rum. 14,27.) Zehn sündige Kundschafter treten hier auf. Um ihres Kleinmuts willen will Gott die ganze »Gemeinde* vernichten. Da aber nicht angenommen werben sott, daß hier mit der »Gemeinde* ganz Israel gemeint sei, so wird schon eine Zehnzahl von erwachsenen Iuden als Minjan, als volle Gemeinde betrachtet. Aei der Anwesenheit eines Minjan kann überall aus einem Sefer Thora mit allen Riten des »Ein- und Ausheben der Torahrolle* vorgelesen werden; es wird erst dann Kaddisch zwischen den Absätzen der großen täglichen Gebete gesprochen und dergleichen. Aber wie überall Iudentum, so besteht auch im Gemeindegebet nirgends an sich eine Kluft zwischen Priestern und Laien. (Birkat Cohanim und ähnliches bilden hier keine. Ausnahme.) Zeder Iude kann in der Synagoge im öffentlichen Gottesdienst Vorbeter sein; und es war früher, aber eS ist auch heute noch in vielen großen und mehr noch in kleinen Gemeinden Sitte, daß die Mitglieder der Kehjllah geradezu zum Vorbeten aufgefordert werden, etwa ay den Sterbetagen ihrer Eltern. An den hohen Feiertagen wetteifern die hierzu fähigen Gemeindemitglieder miteinander, vorbeten zu dürfen. Überhaupt ist diese verschiedenartigste Heranziehung der einzelnen Gemeindemitglieder zu der aktiven Mitgesialtung des Gottesdienstes eine besonders charakteristische Eigenart der synogalen Gebetsordnung. Zeder einzelne Zude kann hier zu sehr manigfaltigen Funktionen aufgerufen werden. Er singt nicht nur mit im Gemeindechor, sondem er spricht im Trauerjahr für Vater und Mutter selbst

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