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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-09-01 · 17 (1.9.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
17 (1.9.1935)
Date
1935-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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\sctte4 Gemetndeblatt der Israelitische» Religionsgemeinde Dresden » . i i . i Nr. 17 Überreichung der Glückwunschrosen sagte, daß auch Zionisten auf lvrem Weg manchmal Nosen finden. Zu Ehren von Frau Henrietta Szold soll im Süden von Palästina eine Siedlung errichtet werden, ein plan, der auf den Wunsch des deutschen Judentums zurückgeht. Die Leitung des Kongresses liegt in der Hand von Ehaim Welzmann, der auf einer der ersten Sitzungen mi' überwältigender Mehrheit zum Präsidenten der Tagung gewähl worden ist. Es befisht die zuversichtliche Hoffnung, daß durch seine starke Persönlichkeit über den Kongreß hinaus ein Zusammenschluß aller Kräfte der Bewegung herbeigeführt wirb. Während diese Zeilen niebergeschrieben werden, geht die Debatte nach der Nutze des Sabbach in der Nacht weiter. Oie Kommissionen beginnen ihre Arbeit. Hier wird die Haupttätigkeit zu leisten sein, die dann liegt, alle wichtigen Planungen, Vorhaben und Beschlüsse so gut vorzubereiten, daß am Ende der Woche das Kongreß-Plenum nach kurzer Beratung nur noch seine Zustimmung zu geben braucht. Unsere Aufgabe soll es sein, daß von dem Zionisten-Kongreß in Luzern, der Stadt des Lichtes, auch ein Licht ausgebt, das bas Dunkel der Fudenheit erhellen möge. // Llmstellung des Haushalts // Or. Hilde Grünbaum-Sachs, Stuttgart. Die allgemeine Not der Juden im Oeusschlanb der Gegenwart stellt - sich für die Hausfrau folgendermaßen dar: Hausangestellte wurden entlasten, und Frauen, die praftisch« Hausarbeit gar nicht oder nur in bescheidenen Grenzen gewohnt sind, müssen nun bis zur Erschöpfung arbeiten ohne Nücksicht darauf, ob sie sich in einem Lebensalter befinden, in dem die körperlichen Kräfte bereits Nachlassen und Schonung geboten wäre. Dazu kommt der ständige seelische Druck und die wirsschafilichen Sorgen um bas tägliche Brot, das auch bei äußerster Anstrengung der Hausftau nicht gesichert ist. Oie gewohnten geistigen Anregungen wie Neisen, Theater- und Konzertbesuche fallen fast ganz fort, und so ist nicht nur das wirb schafiliche, sondern auch das geistig-seeliche Gleichgewicht von Einnehmen und Ausgeben schwer erschüttert. Leben wir nun in den gewohnten Gedanken- und Gefühlsbahnen weiter, so wird sich niemals wieder ein Gleichgewichtszustand herbeiführen lassen. Wir geben uns aus, wir reiben uns auf, und die Familie, der wir uns zu opfern vermeinen, wird es uns nicht banken. Nur von einer radikalen Veränderung der Lebensgrundlage aus ist daS Problem zu lösen. Oie Anpassung an das verkleinerte Budget nimmt schmerzlich viel Gedankenkrafi in Anspruch. Aber wir dürfen dabei nicht aus dem Auge verlieren, - so groß die Gefahr manchmal ist - daß eS in erster Linie nicht darauf ankommt, eine gewisse Nouttne in wirsschastlichster Verwertung des zusammengeschrumpsten Wirtschastsgeldes zu bekommen (man muß so wett kommen, dies kn einem Anflug von Humor als eine Art Sport zu betteiben!) - Worauf eS in erster Linke ankommt, ist, daß mit traditionellen unzeitgemäßen Gewohnheiten gebrochen wird. Gelingt das nicht, so wandeln die Hausftauen der Generatton zwischen 40 und Mitte 50 durch den Nest ihres Daseins als Gespenster, nicht aber als lebendige nnd beseelte Gestalten, die innerlich teil haben an dem, was zukunfisttächtig ist. Wenn eine Geselligkeit mtt Küchendüsten aus der Vorkn'egszeit, mindestens aber aus der Zeit vor 1933, noch einmal Blüte treiben möchte, so ist das ein Zeichen für innere Wandlungsunfähigkeit. Man sollte meinen, es könnte nicht allzu schwer sein, den Angelpunft für zeitgemäße hausfrauliche Bemühungen zu finden, da wir doch Palästina vor Augen haben mit der Blüte geistiger Fugend, di« auf dem Lande unter pn'miflvsten Lebensverhältnissen in härtester Arbeit am Aufbau deS Landes schafft. Zugegeben, baß wir, die wir in Deutschland blieben, nicht den idealistischen Auftrieb haben, daß nicht die ständig anfeuernde und fordernde Macht des eigenen A. B Bankhaus Sebr.Ärnholö 0vt*dta4tartia «e,»»,»,« UM CrAmt «mq>t*ef**fl: Mfrafcnrtflrafr 10-23 Berliner •Statt: Berlin XD 0. Betrenftrofe 93-93 Nestmiese Bereinig in eilen flggolfrefen e. Änmb'Htfeengelegenfeiten Werkes im Dienste des Ganzen täglich und stündlich vor uns steht, und daß man daher auch nicht erwarten darf, unser matteres Dasein ähnlich revoluttonär auf neue Grundlagen gestellt zu sehen. Aber > könnten unser Leben doch etwas mehr von Palästina durchwir leuchten und befruchten lassen. Es wird häufig darauf hingewiesen, daß die Blicke der Welt auf das Aufbauwerk ln Palästina gerichtet sind, und daß Erfolge und Mißerfolge, daß der Geist, aus dem heraus dort Neues erarbeitet und erkämpft wird, die Stellung der Juden auch in der Galuch beeinflussen wird. Aber diese Wirkung wird nicht automattsch elnsehen, zum allerwenigsten wird sich eine günstige Beurteilung kn einer mehr oder weniger feindseligen J Welt ohne weiteres auf die gesamte Fudenheit übertragen. Wir selbst werden sehr akttv sein müssen, wenn sich die günstige Möglichkeit auswirken soll. Wenn man bedenkt, wie engstirnig in Westeuropa sogar von Fuden selbst ein ilntersihted in der Bewertung von West- und Ostjuden gemacht worden ist, wird man darauf gefaßt sein müssen, daß di« Welt angesichts eines aufblühenden Erez Israel geneigt sein wird, zunächst einen großen Unterschied in der Bewertung der Fuden in- und außerhalb Palästinas zu machen. An uns ist es, zu beweisen, daß wir Schritt zu halten vermögen! Auch wir, die wir in Deutschland bleiben, haben unser Leben bewußt umzugestalten. Dabei fällt der Hausfrau und Mutter eine hervorragende Nolle zu. Das Hausfrauen- Problem heißt: »Wie ist bei äußerster Einfachheit der Haushaltführung, insbesondere der Ernährung, ein Höchstmaß an geistigseelicher Kraft und körperlich ausreichender Versorgung für die Familienmitglieder und Freunde des Hauses zu erzielen?". Oie ilnfähigkeit, sich noch einmal umformen zu lassen, der innere Widerstand gegen das Erkennen und Anerkennen der produkttven Möglichkeiten, die dem uns schmerzlichen Tatsachenkomplex innewohnen, verrät sich u. a. auch in der beweglichen Klage, daß die Verarmten es so ungleich schwerer haben als die immer arm Gei wesenen. Diese Behauptung ist nur zur Hälfte richttg und bedarf einer Ergänzung: wir haben eS nämlich in vieler Hinsicht sehr viel leichter! Bricht nicht der Unterernährte schneller zusammen alS der Wohlgenährte, wenn ihm außergewöhnliche Belastungen zugemutet werden? Zunächst rein wirtschaftlich: wir haben noch Kleider, wir haben noch Möbel, wir haben noch Hausrat, von denen wir zehren. Solcher Sachbesitz wirkt als Fallschirm, selbst wenn von heute auf morgen die Geldmittel schwinden. (Natürlich wird man sich möglichst schnell von solchen Dingen befteien müssen, die einen größeren Aufwand an Pflege beanspruchen.) Wir haben aber vor allen Dingen mehr vom Leben gesehen und mehr gehabt als die Menschen die immer arm gewesen sind. Sind uns heute viele Kraftquellen verschlossen, so haben sie doch einmal unsere seelischen Gefilde bewässert, und das muß sich, wenn jemals, gerade in unsererheattgen Lage,auswirken. Wirsindntchtbenachteillgt,sondern wir sind bevorzugt im Vergleich mit den immer arm Gewesenen! Oie äußere Verengung des Lebensspielraums kann zur inneren Weitung führen. Voraussetzung dafür ist, daß wir muttg und radikal unseren Lebensstil nicht nur gezwungen, sondern mit innerer Bejahung verändern und keine Spur von falschem Mitteid mit uns selbst und auch nicht mtt unseren Angehörigen haben, wenn wir zu spartanischer Einfachheit zurückkehren. Aus den Blättern des jüdischen Frauenbundes.

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