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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-06-01 · 11 (1.6.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
11 (1.6.1935)
Date
1935-06-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Aemclnbefttatt bet Hsraetitijchen ^eligiontgemeinde &tefben Leit« i Bedenken und tausend Einschränkungen den Ausgang ln Zweifel zieht, darf sich nicht, wundern, wenn die Seele unberührt bleibt, wenn erst das katastrophale Erleben die Kruste bricht. Den Hauch des Religiösen wird aus bekehre nur der verspüren, de sich willig ihrer Beeinflussung hingibt. In diesem Sinne ist Judentum lehrbar. In diesem Sinne mögen unsere Eltern ihre Kinder lenken, damit sie in der jüdischen Schule und in der Religionsschule die jüdische Lehre aufnehmen, die ihnen dort vermittelt wird. In diesem Sinne mögen sie mit ihrer Jugend zufammenstehen, wenn ihr in ihren /Sünden das Tor in die jüdische Lehre hinein geöffnet wird. In diesem Sinne mögen sie selbst jüdische Belehrung suchen, wenn jüdisches Wissen ihnen mangelt, es ausweiten und vertiefen, um nie zu versagen. Dann werden sie an sich verspüren: nicht umsonst wirb Judentum gelehrt. (Lu« txm Leipzig» SemeindeblaN) Der Aufbruch Welch ein Erwachen nach diesem Schlaf! Verjagt sind die Träume. Wie Rehe Sprangen sie fort in der Klarheit des Morgen. Schlafwarm noch, nimmt die Frühe dich auf. Ferne Gewitter. Reste der Nacht, Rufen dich wach. O Aufbruch. Morgenlicht! Jetzt überschüttet Windesübermut den Leib. 1 _ Aufgeriittelt taucht er in den Tag. Den jungen, wie in den Lenzkühlen Bach. Aufgereckt, vom Willen gepeitscht. Eile voraus! In der Asche Vergessenheit Glimmt noch ein Funke. Hebe ihn auf. Lohe ihn an. reiße ihn mit! Ist er entlodert zum Brand — Feuersäule wird er dir sein Beim Weg durch die Wüste. Lasse zurück das Joch. Das dich zwang in den Staub. Die kleinen Dinge, die Angst. Das Fürchten um Habe. Arm und nackt sollst du schreiten. Aber die Stirn sei gekrönt dir mit Stolz! Also bereitet gehe —- wenn auch dem Morgen De» Aufbruchs Fährnis und Finsternis drohen — Mitten hindurch, es >vinkt dir das Ziel In nahender Ferne. Dorf, an dem Ursprung, sind neue Quellen, sie warten auf dich. Labe den dürstenden Mund. Wachse, gedeihe, du Reis, empor Zum Baume, er wurzelt im Erdreich tief. Uber ihm aber verströmt der Herr seinen Atem. Trinke, Geborgener-—und lebe! Manfred Slurmann Amtliche Bekanntmachungen Tagung des Sächsischen Israelitischen Semeindeverbandes in Dresden Km IS. Mai fand in Dresden unter starker Beteiligung fast aller Gemeinden die diesjährige Tagung des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes statt. Die Sitzung, die von dem stello. Vorsitzenden, Herrn Max Leiser, Dresden, geleitet wurde, erhielt besonderes Gewicht durch die Tatfache, daß die Reichsvertretung der deutschen Juden Herrn Landgerkchtsrat i. R. vr. Lilienthal zu den Veratungen entsandt hatte. Ts erfolgte zunächst die einftimmtge Wiederwahl des bisherigen Verbandsvorstandes für die Geschäftsjahre 1425 und 1436. Der Vorstand besteht aus den Herren Tarl Goldschmidt, Leipzig, als vorfitzender, Max Lejfer, Dresden, als stell». Vorsitzender, Hermann Schocken, Dresden, als veifitzer. Den Verwaltungsbericht erstattete der verbandssqndikus Vr. Saalheim er, der auch die Berichterstattung über den haushaltplan, für 1435 übernommen hatte. Der Etat weist gegenüber dem Vorjahre zwei wesentliche Erhöhungen in den Ausgabenpositionen auf, bedingt durch die erhöhten Ropfbetträge, die über den Gemeindeoerband — umgelegt nach dem Retchseinkommensteuersoll der Gemeinden — an die Reichsvertretung abgeführt werden und durch den vermehrten Bedarf der Landeswohlfahrtsftelle, diese fungiert neuerdings gleich« ä als Landesftelle fjr Wirtschaftshilfe. Bewilligt wurden einmalige mdungen an die hebräische Universität Jerusalem aus Anlaß des 10jährigen Jubiläums und an den Reren Rajemeth zur Rothschildaktion. Der Ttat wurde — gegenüber dem Entwurf unverändert — einstimmig angenommen. Die Prüfung des Rechnungswerkes für 1434!>at zu keinerlei Beanstandung geführt. Es wurde daher ihre Richtig, prechung beschlossen und dem Vorstand Entlastung erteilt. Die Tätigkeit des Verbandes soll namentlich auf dem wichtigen Gebiete der Jugendarbeit eine noch stärkere Aktivierung erfahren. 3n Aussicht genommen wurden u. a. Rurse für sächsische Jugendführer in Vresden-Dberrochwitz und die Weiterführung der von Leipzig bereits erfolgreich aufgenommenen Lehrerfortbildungsarbeit. Ls wurde ein Ausschuß für Unterrichts- und Jugendfragen eingesetzt,, dem neben Vertretern der Sächsischen Rabbinerkonferenz und der Sächsischen Lehrervereinigung die Schuldezernenten der größeren.verbandsgemeinden angehören. Vieser Rommssion wurde ferner ein Antrag aus Schaffung einer verbandsorünung zu Beaufsichtigung des gesamten Religionsunterrichts überwiesen. Ts wurde ein dringender Appell an die Gemeinden gerichtet, das jüdische Schulwesen weiter auszubilden. Ferner lag ein Rahmenentwurf für ein vienststrafrecht des Verbandes vor. Der vor einigen Jahren von der veamtenrechtskommisfion des Verbandes in Anlehnung an "die früher für die sächsischen Staatsbeamten geltende Regelung erstellte Entwurf ist durch das sächsische Gesetz vom 14. Juni 1433 überholt. Ls lag nahe, auf eine sinngemäße Anwendung der neuen landesrechtlichen Regelung zuzukommen. Da aus dem Rollegium jedoch gewiffe Bedenken geäußert wurden, überwies man die Regelung des Verfahrens zunächst der veamtenrechtskommisfion zur Vorbereitung. Dagegen wurden folgende grundsätzliche Beschlüsse gefaßt: Die Beamten der verbandsgemeinden find dem Vienststrafrecht des Verbandes unterstellt. II. Die Ausführungsbestimmungen werden vom Verbandsvorstand im Benehmen mit der veamtenrechtskommisfion erlaffen. Bei der Rachmittagssitzung erstattete Herr Landgerichtsrat i. R. Vr. Lilienthal ein umfassendes Referat über die Tätigkeit der Reichs- Vertretung der deutschen Jpden. 3m Anschluß hieran ergab sich die Gelegenheit zur Aussprache und Fragenbeaniwortung. Rach dieser arbeitsreichen Tagung, die allen Gemeinden mancherlei Anregung bot, w rd nun demnächst der Soziale Ausschuß des Verbandes nach längerer Pause wieder einmal zu einer Sitzung zusammentreten.

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