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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-05-01 · 9 (1.5.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
9 (1.5.1935)
Date
1935-05-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I i der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Semeindevorfiandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gememdeverbandes * Verantwortlich« tzchrtstleitung: £*o Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgemeinde Dresden-A. i, Zeughausstraß« 3 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Iac. Sternlicht, Dresden-A. 16, Stübel-Allre 35 / / Auf 34185 / / für Inserate ebenda / Die 4mal gespaltene 46-mm-Zelle kostet 72 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Sruhnert, Dresdens. 1 | XI. Iahrg. / Ruf 14051 Annahmestelle Ammon str. 61 Dresden, den 1. Mai 1935 | Kummer Wie solle« wir beten Don Rabbiner Or. Martin Salomonski Findet das Gebet Erhörung? Don der Auffassung dieser Frage 'hängt alles ab! Es gibt Menschen mit der felsenfesten Überzeugung" daß ihre Litten von Gott gehört werden. Öles« sind glücklich zu preisen. Es gibt andere, die an der Erhörung zweifeln und dennoch beten. Ihre Andacht wird nicht, so gesegnet sein. Aber sie sind doch fm Dorteil gegenüber der großen Schar, die daS Gebet verwirst ond belächttt. -r Wir wollen diese letzte große Gruppe nicht anklag«, sondern mit allen eindringlich, klar und deutlich darüber sprechen, warum Israel am Gehet feschält und weshalb sich gerade ln unserer Gegenwart die Frömmigkeit der Menschen empfiehlt. Es gab Zeiten, wo man auch ln Israel das Gebet als Sprache des ganzen Dolkes nicht kannte, wo bas Opfer als ausschließliches Mittel der Gewinnung.göttlicher Gnade erschien. Einzelne, vorzüglich«, bedeutend« und führende Menschen haben schon in der Lrzeit pnserrL Gemetnschast die. Verbindung zu Sott durch die Krafi oer Rede und die ■ Sprache des Herzens gesucht und das Hess verspürt, welches von der Inbrunst der den Schöpfer und Dater suchenden Seele ausströmt und wieder zu ihr' fließt. Im allgemeinen waren jene Litten immer dem Wöhle der anderen geweiht. So hat Abraham für die fremd« Sünder gebetet, die keine Gottesgläubigen waren, und Moses Flehen erscheint uns immer dann am ergreifendsten, wenn er sich und sein Geschick ver- ' gißt und das Erbarmen des Ewigen für das Volk Israel anrust. Auch schon zur Tempelzeit, in Jerusalem, forderten die Priester die Erschienenen auf, Gott Lob zu weihen, und die Gebetformel: »preiset den Ewigen, den Hochgepriesenen!' flammt von Zion her. Roch vor dem Derlust des Hesilgtums gab es Synagogen, und chr lebendiger Inhalt, der sicherlich in den wundervollen Psalmschöpfungen Rührung und Kraft fand, wurde die Semetndeandacht. Es ist doch ein« auf die Knie zwingende Vorstellung, daß die gesamte Gemeinde, welch« im Hebräischen so bezeichnend Aulom, b. h. Welt genannt wird sich so innig vereinigt, als würde sie ein einziges Wesen und hätte nur einen Mund und Sprache, verkündete einttächtig und einmütig, was in jedem Herzen lebt, riefe ihren Erhörungssihrei inbrünstig Sott entgegen. Hier nähern wir uns dem Eindruck, sa dem Überzeugtsein, daß ein« solche Sprache im Himmel nicht überhört werden kann, und daß die Andacht einer Gemeind« sehr viel gilt und vermag. Leider ist «in großer Vorzug dieser alten Form der Sammlung der Gedanken und der reiflichen Auswahl jener Wünsche und-Lrtrachtungea, die eine Würdigung beim Allmächttgen finden können, fast verlor« gegangen. Wir mein« d« Umstand, daß unser« Lorfahreu in ihrer Muttersprache beteten und verschließ« uns nicht der Srk«n1nis, daß unsere Gebete nur von Auserwähltm verstanden werden. Diesem Umstand ist bestimmt niwt schnell abzuhelfen, es sei dmn, daß unser Hebräisch wieder Gprachrechte er hält. Auch die beste Übersetzung, aber wer k«nt odpr findet eine solche, steht tiefer als die Vermittlung eines Oolm haben volles Äegreifen für die Mutlosigkeit manch«! Juden beim Anblick des Machsor und seines Volumens. Wer kann fich mit Gläubigkeit, mit felsmfestem Uberzeugffein von der Krass des Gebetes durchtränken, wenn er mit dem Äuchstab« ringt! tim so berechttgter ist di« Frage: wie sollen wir beten? Wir müssen uns so viel versagen, all«thalben «tbehrm und sind nur an 6 nttäuschungen. reich, wie bieten wir sihwergebeugte Mmschen ein« »esrtedlgmb« Ausgleich beim Gottesdienst, der sie hoch stimmt und chr Sedrücktseins in Hoffnung umformt. esang, in der predigt kann bauung findet >>eladen«s Geso ehrlich, so r chm liegen iinb nur Gott m den guten die Stärke «ffalten, der it mzahl zurückt>i >: Wn In der Ästhetik des Gottesdienstes, >pv schönen <8 zu. Herzen gehenden, aufrüttelnden, volkstümlichen nur ein Tellersah gefunden werden. Dolle Erl der Mestsch erst, wenn er sich selbst, wenn er sein müt mltbrtngt und sein« Seele auSschüttet, so reuig, ganz ohne Trug, daß die, Trümmer seines Gelbst und er seine Wiederbelebung keiner irdisch« Gewalt allein anheim stellt, indem er als einziges Opfer Wlllen der Stunde und für alle Zukunst gelobt aufbringt, «in solches Denken im Sotteshause zu betet mit vojlsm Erfolg, auch wenn er in der Seil blecht, wenig spricht oder gar sihweigt. Stört diese Leter nicht, so möcht« wir bittm. Seid still und achtungsvoll und ehrt ihr Schweig« und Derfihloffmse n! Verbrettet eine Sphäre in der Synagoge, die jedem Leladenei das Gefühl einhaucht: hier geschieht mir wohl, hier stehe ich in Gottes Schutz, er kommt mir mit seiner Httfe entgegen! Wenn so ein jeder seine Andacht damit begönnest hat, sich zu enllafim und sich inmitten seiner Ärüder und Schwefle« heimisch zu mach«, bann wird er reifer für das Gemeindeg ibet, bei dem es nicht aus unser persönliches Glück ankommt. L>ann wird er vielleicht nicht restlos verstehen, aber glauben, wa > wir beten, nämlich daß das Löse schwinde, die Ehrfurcht vor S lott zunehm«, seine Herrlichkett anerkannt werde und Israel der Auserwählung würdig sei. Dann wird das Leten wieder vielen ein Ledüisnls werd«, das wir wie Eff« und Trink« an jedem Tag brau« pn und nicht bloß, wenn unser« Fest« nahen. Dann zieht in Isra, l die Gewißheit ein, daß unsere Andacht große Wunder bew rtt, daß wir wieder rein und unschuldig wie Kinder werd«, daß die Gelegenhett und die Möglichkeit zur Errettung unserer Seelin die größte Gnade barfiellt, das wir glücklich und dankbar werd« können. Wir.

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