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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-04-15 · 8 (15.4.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
8 (15.4.1935)
Date
1935-04-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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der Israelitischen I^eligionsgemeinde Dresden Amtliches Organ des Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbändes * Verantwortlich« Schrifileitunr £m Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Neliglonsgemetnd« Dresden»« l, Zeuahausstraß« 3 und 17887 / / Verantwortlich für den Inseratenteil: Ja«. Sternlicht, Dresden»«. 19, Stlibel-Alle« 35 / / Ruf 34185 / / für Inserat« ebenda / CU 4 mal gespaltene 4s»mm»Z«tl« kostet r- Pfennig, laufend Rabatt / Druck: «. Sruhnert, Dresden»«. / Ruf 14051 Annahmestelle Ammvnfir. dl | XL Zahrg. fr ij Dresden, den 15. April 1935 ff Kummer s Oer Gederabend — ein Festabend des Kindes Das peffachsefi ist das Fest der Äefteiung, dack wir alljährlich zur Erinnerung an das große Ereignis, welches unsere Ahnen aus der Versklavung zu einem fteien Volke gemacht hat, mit immer gleicher Äegeifierung feiern sollen. Sei de« "Vorschriften für Peffach, genauer an den beiden ersten Festabenden - den Ssberabeaden - ist auffallend, daß hier, wie sonst nirgends bei einer Toravorschrtst, dem Zweifler, dem in seinen Ideen wankend gewordenen Menschen, aus seine Frage eine Antwort ertellt wird. Hier gibt Ke Tora aus bi« Frage des Kindes in der Hagadah: »Was soll euch dieser Otenfi?* eine ausführlich« Antwort, durch di« wir dem Kinde das <3cf>of verständlich machen sollen. Oie Fragen sollen sogar Mn dem Kind« am Sederabead, zu einer Stund«, wo jede jüdische Familie dl« einstige wunderbare SrlSsung in häuslichen, stimmungsvollen Andachten festlich begeht, wiederholt werden. Ja, die beiden ersten Abende des ersten jüdischen Festes siyd dem Kinde gewidmet, denn auch die sonstigen Gebräuche des Festes solle» bas Kind zur Frage anregen. Und in der Mah ntschtanoh fragt es all bas, was ihm an diesen Abenden auffällt. Was will unsere Religion damit lehren, daß sie den ersten Abend unseres Volkwerdens gerade dem Kinde bestimmt? - Als Antwort darauf mag folgendes gelten: Als Pharao, der KSnig von Ägypten, gegen das jüdisch« Voll zu rüsten begann, waren es die Netnen Kinder, die seine harte Hand zuerst verfpüren sollten. Jedes neugeboren« männlich« Kind sollte ln den Fluß geworfen werden. Auf dies« Weise sollte die physisch« Zukunft Israels vernichtet, die Lebensmöglichkett des im Entstehen begriffenen Volles genommen werben. Am Verg« Sinai - der geistigen Äefteiung Israels - traten auch wieder die Kinder für ble Väter ln die Schranken und übernahmen die Vürgschaft für ihre Eltern. Oenn als Iftael bet der Gesetzgebung zitternd und sa0tnb am Sinai stand, da fragte Sott es, wen es als Vürgen stellen wollte, womit es die Garantie leistet, daß es die Tora und ihre Gesetz« auch immer beobachten und ausüben werde. Sott erkannte weder bit Erzväter Abraham, Isak und Jakob, noch die auf dem Verg« Gottes Stehenden selbst als zuverlässige Vürgen an. Erst durch die Sürgschaft der Kinder erlangte Israel die hellige Lehre, wurden ble aus dem Sklavenjoch Geretteten auch sittlich erlöst, wurde ihnen das köstlichste Gut anvertraut. Wem gebührt somit ble Ehre, am Veginn des Vefteiungssefles gefeiert zu werden, mehr att gerade dem Kind«, dem das Voll seine physischen und geistigen Errungenschaften zu danken hall Darf es da noch Wunder nehmen, daß gelehrt wirb, der Vater ist verpflichtet, sein Kind für diesen Abend zu tttteresfleren, ihm die Ge« bräuche und Sitten zu erklären, auch wenn das Kind sonst nichts versteht und begreift? Oer Vater soll dem Kinde ein paar Fragen einprägen, dam» es diese am Fefitisch« auffagett kann. Durch dies« Fragen des Kindes soll die berechttgte, ja gebotene Teilnahme der Kleinen an diesem Feste bekundet werden. O»e Pflicht und Ausgabe des Vaters ist.es, hie an ihn gerichteten! Fragen nach Art und Auffassungsgabe des Kindes zu beantworten und zu erflären. pessach war und ist das Fest der kindlichen Frag« und der väterlichen Antwort. Oas ist ewige jüdische Ausgabe: Das Kind jüdisch ftagen zu lehren und dem Antwort zu geben. Oas ist der Sinn des jüdist^en Ehlnuch - der jüdischen Unterweisung - und unsere Ze» ist verpflichtet, diese Aufgabe zu erfüllen. Kinde jüdische besonders stark Schäler. Zur Eröffnung der Jüdischen Volksschule Am 23. April wird die jüdische Volksschule in Lresden eröffnet. Vormittags 10 Uhr wird eine Eröffnungsfeier in den Räumen der Fraternttasloge, Morttzfiraße 1b, veranstaltet, zu der die Schüler und Schülerinnen, deren Eltern, die Gemeinden nwaltung, das Rabbtnat und alle Freunde der Schule eingeladen sind. Im Anschluß daran findet di« feierliche Eröffnung der Schule in ihren neuen Räume« Zeughausstraße 1, l. Stockwerk, statt. Mit den vier untersten Klaffen beginnt die Schule, und sie wird zur vollen Volksschule mit S oder S Klaffen inj Laufe einiger Jahr« ausgebaut werden. Mit Genehmigung des Sächsischen Volksbildungsatinifieriums wird di« Schul« nach dem im Jahre 192» herausgegebenen »Lehrplan für die Volksschulen der Stadt Oresden* und in denen Ergänzung nach den »Richlltnten zur Ausgestaltung von Lehrplänen für jüdisch« Volksschulen* (herausgegeben von der Reichsvertretung der deutschen Juden), unterrichten. Vesonderes Gewicht wird sie gemäß den Rtchttinten der Retchsverttetung aus Reugtonslehre, jüdische Geschichte, und jüdische Literatur legen. Oie Gründer des Schulvereins, die Gemeindeverwaltung, der Schulletter und die Lehrer sind einig im >Äestreben, eine Schule auszubauen, die junge Menschen erzieht, welch« im Staat und in der jüdischen Gemeinde voll ihre Pflicht erfüllen» Möge Gottes Segen auf dieser neuen Schöpftmg ruhen, sodaß dieser Eröffnungstag in der.Geschichte unserer Gemeind« für lange als freudiger Gedenktag gefeiert werbe! , Oer jüdische Schulverein e. D.

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