Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 6 (15.3.1935)
- Date
- 1935-03-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 6 Nr. 6 w Oie m e t n ft e b 1 a 11 der Jsraelitilchea Äf t1 g t o n i §c nt e1 ■ bc Dresden gehen danach nicht fehl, wenn wir das Lied als in 3tom um 1300 abgefaßt ansehen.' ') 2. Unser Gebetbuch bringt eine Formulierung, die jedesmal mit den Worten beginnt: rmi masmin d'emunsli scK'Iemsti. Es erscheint wenig berechtigt, diese Fassung Maimonides selbst zuzuschreibenzu feinem tiefgründig philosophischen Stil paßt es nicht, ohne jeden erklärenden Zusah .Glaubensforderungen' aufzustellen 3. Oie wichtigste, aber am wenigsten zugängliche Quelle ist die Darlegung, die unbestreitbar von Maimonides selbst stammt. Zn seinem ersten Hauptwerk, der Erklärung zur Mischna - die, arabisch ' geschrieben, den Talmudausgaben in hebräischer Übersetzung beigedruckt ist - sprengt seine geniale, einzig- und eigenartige Persönlichkeit vielfach den Nahmen der Wort- und Sacherklärung. Wo es nur irgend möglicb ist, soll zu der Kenntnis Übermittlung halachischen Stoffes die Erkenntnis der grundlegenden Wahrheiten des Judentums kommen. Oa, wo die Mischna selbst Anlaß gibt, über die letzten und tiefsten Wahrheiten des Judentums zu reden, greift Maimonides, der neben und mit Vaschi der größte Erzieher des nachtalmudischen Judentums geworden ist, die Gelegenheit auf, in schlichter, eindringlicher Form bisher unklare Begriffe zu deuten. Im Traktat Sanhedrin (10,1) wird der berühmte Satz geprägt: Ganz Israel hat Anteil an der zukünftigen Welt. Es werden dann von der Mischna von olkitn tisds, der kommenden Welt, iy die der Wenfch nach seinem Tode gelangt, ausgeschlossen vor allem diejenigen, die sagen: Die Auferstehung der Toten sei nicht von der T.?ara herzuleiten oder die Thora sei nicht von Gott. Diese Fundamentalsähe der Mischna veranlassen Maimonides nach gründlicher Prüfung zur Ausstellung seiner 13 Grundlehren in der Einleitung zum perek chelek, dem eben erwähnten Abschnitt aus Sanhedrin. Sei Betrachtung dieser Grunblehren ist es notwendig, vor allem die von ihm selbst stammende Fassung zu berücksichtigen, für die es eine deutsche Übertragung leider noch nicht gibt. Folgend« drei Probleme drängen sich auf, wenn man die 13 Grundlehren des Maimonides überschaut. I. Welche Stellung haben Grundlehren und Dogmen überhaupt im Gesamtbau des Judentums?' II. Was war das Auswahlprinzip für Maimonides? III Welche diese Lehren haben eine erhöhte Bedeutung für die Judentumsauffaffung unserer Tage? I. fekoclotli. Fundamente nennt Maimonides selbst seine Grundlehren. Ikarim,- Wurzeln nennt der Kritiker und Forsseher seiner dogmatischen Tätigkeit, Josef Albo (1380 bis 1445), sein Hauptwerk. Die Grunblehren des Judentums sind Fundamente, auf denen das Gebäude des Judentums ruht, sie müssßll tragfähig sein und Widerstand leisten können. Wer den Bag^steht, bemerkt aber nichts vom Fundament, das in den ausgaschachteten Boden hineingebaut ist. Wurzeln, tief hineinreichend in das Erdreich, geben für Stamm und Früchte Kraft und Entfaltungsmöglichkeit; müssen aber die Wurzeln bloßgelegt werden, so ist es ein Anzeichen von Krankheit. In Zetten und Ländern, in denen das Judentum sich nach eigenen Gesetzen enssalten und auswirken kann, ohne inneren Zwang, sich mit der (lmweltkultur und anderen Auffchsungen des Judentums auseinanderzusehen, da sind die Grundlehren unsichtbar wirkende Kräfte, dann bekundet sich das Judentum vor allem in der Meisterung des Lebens in seiner ganzen Tiefe und Breite durch das geheiligte Gesetz, dann ist jüdische Geistigkeit vornehmlich talmudische Geifieshaltung, wie sie noch heute lebendig ist in den Typen des Jeschiwa-Bachur und des Talmib Ehacham; es bedarf dann keiner formulierten Grundlehren. In Zeiten und Ländern aber, in denen Teile des jüdischen -Volkes eingebettet sind in den Zusammenhang mit hochwertigen Geisteshaltungen anderer Völler und Religionen, wird das aus Bibel und Talmud sich eigengesehlich .autonom' entfaltend« Judentum von innen heraus bedroht durch Auflehnung gegen das Gesetz oder die Verbindlichkeit seiner geistig-seelischen Daseinsvoraussehung; da muß eine Abgrenzung gegen das Fremde oder das Feindliche >) Llbogen, ver jüdische Gottesdienst. 5. 88; vgl. den Liddur von varr, 5. 154, Joöl, S. 2, Sach», S. I, Schaare lefkllah, S> Ü. Zur Autfährnaf eines jidlscfeen Oratoriums mit ersten Berliner Solisten werden flOSUCht Gesangs-(Chor)Stimmen (Sopran, Alt, Tenor, Baßi mit Kenntnis im Blattlesen, ferner Streicher (Violine. Viola,.Violoncell, Konliabaß) mit etwas Ensemble- Ei fahrtini; Eilmeldun^en an das Gemeindeamt, Abt Kiinstlerhilfe, erbeten. erfolgen. Die Aufstellung von Grunblehren ist daher im Judentum immer dann erfolgt, wenn das Judentum zur Synthese mit anderer Kultur drängte oder von innen her gefährdet war. Der Bewußtseinsgrad und die Betonung gewisser Anschauungen können also nach den geschichtlichen Daseinsbedingungen verschieden sein. Es gibt aber kein legitimes Judentum der Tat und des geistigen Lebens ohne die rückhaltlose Anerkennung gewisser Grundprinzipien. II Sind aber gerade die 13 Grundlehren des Maimonides die Formulierung des selbstverständlichen Glaubensbewußtseins eines jeden Juden? Würden sie sich auch ergeben, wenn man gesetzestreue Juden aller Länder fragen würde, was ist der Inhalt deiner religiösen Überzeugung? Obgleich die maimonidischen Lehren von keinem gesehestreuen Juden wesentlich angezweifelt werden, so würde doch das Glaubensbekenntnis des naiven Juden anders lauten. Es läßt sich zu den 13 Grundlehren des Judentums nach Maimonides ganz zwanglos eine parallele finden, die unsere Meinung außerordentlich verdeutlicht. Wir denken hier an die Formulierung des jüdischen Glaubens, die Jehuda Halevi (um 1140) in seinem Kusari (1) ll) gegeben hat. .Wir glauben an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der die Kinder Israel aus Ägypten geführt hat durch Wunder, in der Wüste versorgte, ihnen das Land Kanaan zum Besitz gegeben hat. ..., der Mose mit seiner Lehre sandte und nachher viele Propheten, die sie warnen und ihnen verheißen sollten. Wir glauben an die gesamte Tora.' Glaube an Gott, an die Wunder, an Palästina als von Gott ^verheißenes Land, an die Tora und die Prophetie, diese Glaubens- Inhalte leben so wesentlich und so bewußt im Empfinden des jüdischen Volkes, daß sich die Frage ausdrängt: Was bewog Maimonides zu seinen 13 Grundlehren, die sich nach der bekannten Kritik Albos im 4. Kapitel seines Werkes zwanglos gruppieren lassen um den. Glauben an a) die Existenz Gottes (l - 5), b) die Offenbarung' (6 - 9) und c) die Verantwortung des Menschen vor Gott, Lohn und Strafe (10-13)? Oie Antwort kann chr Gepräge erhalten durch den Begriff More ncwuchirri; schon hier erweist sich Maimonides als der Führer der Irrenden. AlS weitausschauender Erzieher seiner Zeit erkannte er die Gefahrenquellen für die Veinerhaltung der Lehre des Judentums. Alle seine Grundsätze sind tatsächlich Fundamente für das Judentum aller Zeiten, aber es gibt noch andere; wir erwähnen neben anderen die von Jehuda Halevi in seinem Werke mit glühender Liebe betonte Bedeutung von Palästina als dem Lande, das erst die völlige Gottverbundenhett Israels ermöglicht. Wählte nun Maimonides nach reiflichster Überlegung seine Fassung, so war eben diese vordringlich notwendig', sollte der Jude seiner Zeit nicht nur richttg handeln, sondern auch klare und richtige Begriffe der Gotteserkenntm's erhalten. (Aus ö. ©emeinöeblatt der veulsch-3sraelitijch. Gemeinde Hamburg.) Fortsetzung und Schluß in der nächsten Nummer. r Niederlage der lfHerzM'Sckahe Prager Straße 28 mwIZUH Dresden-A.