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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1935-02-15 · 4 (15.2.1935) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
11 (1935)
Issue
4 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Gemeindedlatl -er Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliches Organ -es Gemeindevorstandes * Mitteilungsblatt des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes * Verantwortliche Schriftleitung: Leo Anschel, Dresden / Verlag: Israelitische Religionsgrmeinde Oresben-A. l, Zeughausstraße 3 / Ruf 14051 und 17887 / Verantwortlich für den Inseratenteil: Zar. Sternllcht, Dresden-A. 1», Stübel-Allee 35 / Ruf 34185 / Alleinige Annahmestelle ür Inserate ebenda / Die 4mal gespaltene 46-mm.Zeile tostet 22 Pfennig, laufend Rabatt / Druck: A. Sruhnert, ÄresdewA. l, Ammonstr. 61 XI. Zahrg. Rümmer 4 Um was es geht! Anna Iaachimstal-Schwabe Wie wir hören, ist der Vrief, den wir hier bringen, Im speziellen an «in durch die Iugrnbalijah nach Palästina gelangtes junges Mädchen gerichtet. Darüber hinaus ist er der Ausdruck einer großen und berechtigten Sorge geworden. (£)ie Red.) Mein gutes, geliebtes Kind! Tag für Tag mahnte mich Dein lieber Ärief - Tag für Tag mahnte mich mein Herz. Wärst Du in all der Zeit bei mir ge- -wesen, ich brauchte Dir keine Erklärung zu geben für mein Schweigen. Unser Leben ist unruhevoll - es gibt so viel zu bewältigen, so viel Leid zu tragen und tragen zu helfen,- unser Tag müßte für diese Zeit doppelt so lang sein. Wie groß ist in mir die Sehnsucht nach Stille, nach Augenblicken des In-sich-Dersinkens, nach Stunden, wo die Zeit aufhört, wo man nur noch ein einziges Lauschen ist. Daß Dir, mein Kind, jeder Tag so eine Stunde schenkt, beglückt mich sehr. Rur in der Stille können wir wachsen, nur aus der Stille spricht Gott zu uns. Gerade in letzter Zeit hat unser Daser mir auf viel ernstes Sitten geantwortet, hat n^ich wunderbar erhört. Immer wieder erfahre ich es an mir, wie an anderen Gläubigen, daß Gott, so 'wir uns hingegeben an Ihn wenden, uns keine Antwort schuldig bleibt. Mein geliebtes Kind, wie ruhig kann ich über die weite Ferne hin an Dich denken - nun ich weiß, daß Du in Seinem Atem gehst. Wie gut ist es, so früh zu beginnen, sich mehr an Gott zu halten, wie an Menschen. Jeder Tag kann uns hinwegnehmen. Er aber bleibt und ist uns in jeder Sekunde zur Seite. Es ist das tiefste Glück meines Lebens, daß ich Wegweiser zu Ihm sein darf. Das, zoas mich in großer Dunkelheit ttösiete und erhielt, das darf ich nun weitergeben als Trost an die Dielen, die täglich kommen. Und wie wunderbar war es für mich, als ich in diesen Tagen mit wahren Ärüdern und Schwestern im Geist zusammengeführt wurde, einige von den ganz, ganz wenigen, die, wie ich, das Iudesein nicht in der erstarrten Tradition sehen, sondern in unserem unversiegbaren, lebendigen Ursprung; dem Sund mit Gott. Aus ihm nur kann unser neues -Leben erwachsen: jene tiefe Derantwortlichkeit gegen Gott und Mensch. OaS ist nicht das Gleiche, daß heule alle Juden sich, aus einem ihnen, ach leider ganz unbewußten Recht, Juden nennen Das ist nicht genug, daß heute die gesamte jüdische Jugend für die jüdische Sache arbeitet. Auf den »Geist"' allein kommt es an. Es genügt nicht dies Gich-Iude-nennen! Es genügt nicht für die jüdische Sache arbeiten! Es ist dieses noch kein Äeweis, keine Tat für ein lebendiges, lebendes Judentum. Dieses beginnt da, wo wir alles, was wir tun, vom ersten Atemzug am frühen Morgen bis zum letzten Atemzug vor dem Schlaf im Sunde mit unserem Sott tun, daß heißt: daß der Gott Israels so in uns lebt, daß im eigentlichen Sinne Er aus uns tut. Wohin wir sehen, ist krampfhaftes Mühen und Äemühen. Sei allen Senerattonen, bei allen Richtungen. Überall sehen wir, daß die Menschen, die die jüdische Sache in den verschiedensten Kreisen und Richtungen führen, sich in dem Irrglauben befinden, daß sie selbst, ihre kleine oder große Person, das Rad drehen. Wo ist in aller Setriebsamkeit unserer Zeit der gläubige, tiefwiffende Mensch, der tut und weiß, er ist nichts als Werkzeug seines Gottes. Wieviel Kräfte würden gespart, wieviel weniger Kampf gäbe es, wieviel weniger Erschlaffung, wieviel weniger Versagen. Auch das Gute, so es getan wird als Ich-Tat, ist ohne die unendliche Schwingung. An irgend einer Stelle eines Tages ist es zu Ende - ausgeschwungen. Immer und überall das Abhängigmachen des Erfolges von der Person! Wer kennt das Dahiffgehen in Gott, das Tun aus Gott, dies Geführtsein, bas. schwerste Arbeitsleistungen vollbringt ohne Gewaltsamkeit, mit dem großen Lächeln auf den Zügen, das nichts anderes ist als die innere Seligkeit, arbeiten zu dürfen - für Ihn! Mein liebes, liebes Kind, wieviele Deiner jungen Glaubensbrüder und -schwestem sah ich so zusammenbrechen, sah sie am Ende ihrer Kraft, verzweifelt. Und immer hatte diese Ohnmacht dieselbe Ursache. Ihre menschliche Kraft, trotz emstesten Äemühens, kann keiner Aufgabe - am wenigsten einer sogroßen: der Wiedergeburt des wahren Judentums, gewachsen sein. So lange sie alle gehen und sagen von ihrem Ton »ich* und .wir"', solange werden sie und ihr Werk zusammenbrechen. Es geht nicht ohne Gott. Und gar wenn es, was uns Juden noch nicht eindeutige genug bewußt geworden ist, wie heute um nichts anderes geht, als um Ihn und Seine Existenz auf dieser Erde. .Auserwählt"' hat Er uns, Sein Dolk, einzig und allein, um von Ihm zu zeugen. Wer dieses .Auserwähltsein"' mißverstand und es nur in irdischen Äezug stellte, bekommt heute durch diese Zeit seine Antwort. Daß Gott ihm noch antwortet, trotzdem er Ihn seit Jahrtausenden mißverstand, das soll Ihm der leidtragende Jude unserer Tage ja auf den Knieen danken. Und er sott sein Ohr- und seinen Ginn nicht abwenden oder gar sich von dem Gott Israel für verlassen halten: »Denn der Herr verstößt nicht ewiglich! Er betrübt wohl, aber Er erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte."' (Irr. Klagel. Kap. 3» 31, 32). Tausendfacher Trost ist für uns bereit, wartet auf uns im Gotteswort unserer heiligen Schrift, uns von unseren Propheten zugesprochen. Aber mein liebes, liebes Kind, wer - selbst heute - greift in seiner Rot nach diesen Süchem. Sie nennen sich Juden und gehen ohne ihren Gott. Und Iudesein heißt und heißt doch nichts anderes als mit Gott gehen, in Gott gehen, für Gott gehen. Gingen sie so, würde ihre Rot zu Ende sein, daö heißt sie wären selig in ihrer Rot, denn di« Gegenwart Gottes würde ihnen alles, das Schwerste, leicht und ttagbar machen. Und die Jungen würden gehen und nicht müde werden, und es gäbe kein Zusammenbrechen. Und gingen sie alle so, in den ver>

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